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Die Verlandung der Schwaighofbucht schreitet voran. Der Verein Rettet den Tegernsee will die Sedimente entfernen lassen. Der Fischereiverband hingegen sieht den Bereich als wertvollen Brutplatz.

"Da könnte es ein Fischsterben geben"

Schwaighofbucht: Fischer strikt gegen ausbaggern

Tegernsee - Den Schlamm abpumpen und am tiefsten Punkt versenken: So stellt sich der Verein Rettet den Tegernsee die Rettung der Schwaighofbucht vor. Die Fischer warnen vor schlimmen Folgen.

Die Schwaighofbucht ist kein Badeplatz mehr, Schilder warnen Schwimmer vor dem tiefen Schlamm. Für Andreas Scherzer und Ernst Lehmhofer vom Verein Rettet den Tegernsee ist klar: Dieser Zustand muss behoben werden. Dafür bestehe sogar eine rechtliche Verpflichtung. Denn nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs dürfe sich die Qualität von Gewässern nicht verschlechtern. „Die Behörden müssen also handeln“, findet Lehmhofer. 

Denn nach Einschätzung des Vereins hat die Verlandung negative Folgen. Um sie zu beseitigen, hat der Vorstand einen Experten für die Beseitigung von Sedimenten ausfindig gemacht: Dietrich Bartelt von der Firma DB Sediments. Der Experte durfte sein Verfahren auf Betreiben des Vereins Ende Juli bei einem Runden Tisch im Tegernseer Rathaus vorstellen. Mit dabei waren neben Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn auch sein Rottacher Kollege Christian Köck sowie Vertreter des Bezirks-Fischereiverbands und des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim. Nach Ansicht des Vereins wäre das Verfahren von DB Sediments die Lösung. 

Dabei wird der Schlamm über Rohre in ein Behältnis auf einem Elektroschiff gesaugt. Das Boot bringt die Sedimente dann zur tiefsten Stelle des Tegernsees. Dort wird der Schlamm nicht einfach verklappt, sondern über ein Rohr auf den Boden des Sees geleitet. „Und zwar so, dass da keine Schlammwolke entsteht“, schildert Scherzer. Eine saubere Sache, findet er. Anders als das Ausbaggern der Bucht, von dem bis dahin die Rede gewesen war. Denn der mit der Schaufel an Land beförderte Schlamm müsste erst am Ufer trocknen, was kein schönes Bild abgibt und auch ziemlich anrüchig werden könnte. „Die getrockneten Sedimente müsste man dann als Sondermüll verbrennen“, führt Scherzer aus. 

Ulrich Wunner, Fischereifachberater des Bezirks Oberbayern, teilt die Begeisterung des Vereins für das Abpumpen der Sedimente allerdings nicht. Und er sieht auch gar keine Notwendigkeit, die Bucht vom Schlamm zu befreien. „Wir waren draußen und haben uns das mal angeschaut“, erklärt Wunner. Was er vorfand, gefiel ihm. Die Fischbrut finde in der Schwaighofbucht ideale Bedingungen vor und reichlich Nahrung, meint Wunner. Was Badegäste abschreckt, lässt also das Herz der Fischer höher schlagen, weshalb Wunner eine radikale Räumung der Bucht ablehnt.

Ohnehin handle es sich bei der Verlandung um einen natürlichen Prozess, der nicht aufzuhalten sei, merkt Wunner an. Und: Eine Verklappung von Sedimenten im See könne der Fischereiverband keinesfalls mittragen, meint Wunner. Das habe er der Stadt mittlerweile auch in einer Stellungnahme mitgeteilt. „Da könnte es ein Fischsterben geben“, erklärt Wunner. Auch Bürgermeister Hagn hat Bedenken. Die technische Umsetzung des Verfahrens auf einem See sei noch nicht geprüft, berichtet er. Die Stadt werde nun ein Gutachten in Auftrag geben. Untersucht werde vorerst nur die Zusammensetzung des Schlamms – nicht die Möglichkeit, Sedimente zu beseitigen. 

Zunächst will Hagn wissen, ob der Schlamm mit Schadstoffen belastet ist oder Sauerstoff zehrt. Erst wenn dazu Ergebnisse vorliegen, wird der Stadtrat das weitere Vorgehen diskutieren. Klar ist: Der Verein Rettet den Tegernsee spricht für viele. Im Sommer 2015 hatte die Interessengemeinschaft Rettet die Schwaighofbucht unter der Regie von Gertraud Eberwein 1200 Unterschriften für die Entschlammung des Uferbereichs gesammelt. Scherzer und sein Team nahmen diese Forderung auf und machen sich seither für die Entfernung der Sedimente stark.

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