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Nach BR-Bericht: Waakirchner starten Gegenaktion

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Von: Gabi Werner

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Gegen rassistische Parolen: Fußballer, Asylbewerber und Helferkries haben gemeinsam ein Video gedreht. © kn

Waakirchen - Ein BR-Beitrag macht derzeit die Runde in Waakirchen. Ein Einheimischer äußert sich darin rassistisch zu den Asylbewerbern im Ort. Seine Mitbürger wollen das so nicht stehen lassen.

Schon im Mai war die Gemeinde Waakirchen wegen rassistischer Parolen und im Ort kursierender Hetzbriefe in die Schlagzeilen geraten. Wie berichtet, hatte sich die Stimmung gegen die 20 männlichen Asylbewerber gerichtet, die seit Ende April in einer provisorischen Unterkunft in der Waakirchner Turnhalle leben. Die Ablehnung ging so weit, dass einige Kegelbrüder das benachbarte Kegelstüberl nicht mehr aufsuchen wollten.

Just in dieser Gaststätte machte sich ein Kamerateam des BR-Jugendmagazins PULS jetzt auf die Suche nach Menschen mit rassistischem Gedankengut. Und wurde fündig. Vor laufender Kamera erklärt einer der Kegelstüberl-Gäste der Reporterin unumwunden: „I bin ned positiv eigstäit gegenüber de Asylbewerber. De Schwarzn passn ned zu uns.“ Und dann wird der Gesprächspartner, der sich selbst als Josef aus Schaftlach vorstellt, noch deutlicher: „De Neger – auf Bairisch gsogt – kennan mia ned braucha.“ Als Rassist würde sich der Schaftlacher, wie er auf Nachfrage der Reporterin betont, trotzdem nicht bezeichnen wollen.

Das Video mit dem unrühmlichen Beitrag aus Waakirchen ist seit kurzem auch übers Internet abrufbar und erreichte auf diesem Wege die Fußballer des SV Waakirchen-Marienstein. Und die waren sich schnell einig: Dieses Bild, wie es hier ein Einzelner von Waakirchen zeichne, werde man so nicht stehen lassen. „Wir waren alle fassungslos“, sagt SV-Torwart Thomas Kinshofer. Die Waakirchner Flüchtlinge seien im Sportverein von Beginn an bestens integriert worden. „Am Anfang waren es drei bis vier, die mit uns trainiert haben, jetzt sind es schon fünf bis sechs“, berichtet der Fußballer. Auch die Tischtennis-Abteilung habe sich der Asylsuchenden angenommen – ganz zu schweigen vom engagierten Helferkreis des Ortes.

Die Idee, ein Gegen-Video zu drehen und auf diese Weise dem BR-Beitrag zu kontern, hatte Sebastian Krüger. Der 21-Jährige ist sowohl Mitglied der Waakirchner Fußballmannschaft als auch des Helferkreises und absolviert derzeit ein Praktikum beim Fernsehsender Sport1. Der stellte auch die nötige professionelle Ausrüstung für den Dreh zur Verfügung. „Ich habe sofort von allen Seiten Unterstützung bekommen“, berichtet Krüger. Fußballer, Helferkreis, Bürgermeister und die Asylbewerber selbst – sie alle haben bei dem Video mitgewirkt. Darin ist unter anderem zu sehen, wie die Waakirchner mit den schwarzen Flüchtlingen sporteln, wie sich der Helferkreis engagiert, und was ein Flüchtling selbst zu sagen hat.

Die Gegenaktion: "Und da soll einer nochmal sagen, die Flüchtlinge passen nicht zu uns!"

Die Dreharbeiten fanden Anfang der Woche statt, danach machte sich Krüger ans Schneiden. Ab jetzt ist das Video im Internet zu sehen (siehe oben) – auch dem Bayerischen Rundfunk will es der junge Filmemacher zukommen lassen. „Ich lebe seit 21 Jahren hier in Waakirchen, und das Dorf hat mir so viel gegeben – da wollte ich einfach etwas zurückgeben“, erklärt Sebastian Krüger, warum er den Ruf seiner Heimatgemeinde wieder herstellen möchte. Dem BR ist er für seinen Beitrag aus Waakirchen sogar ein wenig dankbar. „Das hat uns allen die Augen geöffnet.“

Freilich hat der Beitrag auch für reichlich Unmut gesorgt. „Viele aus unserem Helferkreis haben ihn gesehen und sich sehr darüber geärgert“, sagt Bürgermeister-Gattin Silvia Hartl, die sich federführend für die Waakirchner Flüchtlinge engagiert. Dass sich Krüger und seine Spezln mit einem eigenen Video revanchieren, findet sie toll. Der Helferkreis ist mittlerweile übrigens auf etwa 40 Freiwillige angewachsen. Und demnächst will er sich sogar mit einer eigenen Seite im Internet präsentieren.

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