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Hier hat alles begonnen: Im Garten seiner Oma in Tegernsee-Süd hat Johannes Schelle vor gut 20 Jahren sein erstes Baumhaus gebaut. Es war der Anfang einer erfolgreichen Geschäftsidee.

Firma in Waakirchen floriert

Johannes Schelle ist der Baumbaron vom Tegernsee

Waakirchen - Johannes Schelle ist 41, doch er lebt einen Kindheitstraum. Der Tegernseer baut Baumhäuser – von Berufs wegen. Das Geschäft des Baumbarons floriert.

Ein Baumhaus ist ein „Sehnsuchtsort“, glaubt Johannes Schelle. Nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Die legen für eine Übernachtung in einem Baumhaus-Hotel schon mal 180 Euro auf den Tisch. Denn nirgends, weiß Schelle, ist man der Natur so nah wie zwischen den Wipfeln von Bäumen. 

Es ist gut 20 Jahre her, da hat der 41-Jährige das Fundament für seine heutige Firma gelegt. Im Garten seiner Oma in Tegernsee-Süd erfüllte er sich einen Traum und baute sein allererstes Baumhaus. Die Augen Schelles blitzen begeistert auf, wenn er heute davon erzählt. Hinter dem urlaubsgebräunten Gesicht lässt sich der junge Baumeister von damals erahnen, der mit so viel Enthusiasmus und Freude zu Werke ging. „Ich habe das Baumhaus fotografiert und ins Internet gestellt“, erzählt Schelle, der damals nach abgebrochenem Architektur-Studium und einer Zimmerer-Lehre in der Münchner Baufirma seines Vater arbeitete. Vielleicht, so dachte er sich, will jemand ein Baumhaus in Auftrag geben. 

Doch es dauerte ganze sechs Monate, bis das Firmenhandy des jungen Baumhaus-Bauers zum ersten Mal klingelte. An das Telefonat erinnert sich Schelle noch genau: „Der Anrufer hat gesagt, ,Ihre Homepage ist so unprofessionell, aber auch so sympathisch‘“. Der Anrufer aus Gräfelfing gab dem Jungunternehmer eine Chance und ließ sich für seine Jungs ein Baumhaus bauen. Vom Erlös kaufte Schelle neues Werkzeug und ließ die Website überarbeiten. Mit Erfolg. Es folgten Auftrag Nummer zwei und Nummer drei. „Nach dem dritten Baumhaus hab ich dann gekündigt“, sagt Schelle. Der Vater schüttelte verständnislos den Kopf – der „Baumbaron“ war geboren. 

Heute ist die Familie mit dem risikofreudigen Filius versöhnt. Schelles Firma hat sich etabliert, zur Hauptsaison im Sommer beschäftigt er bis zu zehn freiberufliche Mitarbeiter. War die „baumbaron GmbH“ während der ersten sieben Jahre in München ansässig, so ist Schelle vor einem Jahr mit seiner Werkstatt nach Krottenthal in Waakirchen umgesiedelt. „Weil’s hier viel schöner ist“, sagt er. Auch privat wohnt er mit seiner Frau und den drei Kindern mittlerweile am Tegernsee – auf dem Grundstück der Oma. Da, wo heute noch der Baumhaus-Prototyp steht. Schelle ist Zimmermeister und Hochbautechniker. Doch um professionelle Baumhäuser zu bauen, braucht es noch mehr. 

„Wir haben viel dazu gelernt mit der Zeit“, sagt der Unternehmer. Ein gewisses Baumverständnis zum Beispiel ist unerlässlich. „Der Baum ist unser Fundament.“ Er muss Stabilität bieten, soll zugleich aber nicht beschädigt werden. Vor Ort beim Auftraggeber den richtigen Standort auszumachen, ist daher die erste – und wohl eine der wichtigsten – Aufgaben Schelles und seiner Mannschaft. Doch was sind das für Leute, die sich mal eben ein Baumhaus in den Garten stellen lassen? Immerhin kostet das Ganze ja ein beachtliches Sümmchen. Die Kundschaft ist so unterschiedlich wie am Ende die Baumhäuser selbst. Eltern, die ihren Kindern einen Traum erfüllen wollen. 

Gartenbesitzer, die sich einen Rückzugsort in den eigenen Baumwipfeln wünschen. Unternehmer, die ganze Anlagen für Baumhotels errichten. Jedes Bauwerk, versichert Schelle, ist ein Unikat und wird ganz auf die Wünsche des Kunden zugeschnitten. Die wenigsten Bauten sind im Übrigen reine Spielgeräte. „Überwiegend erhalten die Häuser eine komplette Dämmung und Stromversorgung“, berichtet Schelle. Je nach Größe, Aufwand und Beschaffenheit bewegen sich die Kosten für die luftigen Domizile meist zwischen 8000 und 30.000 Euro – nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Rund 140 Baumhäuser hat die Firma aus Krottenthal mittlerweile gebaut. Und die Aufträge werden jedes Jahr mehr. „In Deutschland gibt’s elf Baumhaus-Hotels, fünf davon haben wir gebaut“, berichtet Schelle. Ein schönes Beispiel ist das Baumhaushotel „Seemühle“ im Spessart. „Das haben wir aus meterdicken Eichenstämmen gebaut.“

Eine elegante Wendeltreppe führt die Gäste hinauf in ihren persönlichen Sehnsuchtsort. Stolz ist der 41-Jährige auch auf ein Projekt, das am Ufer eines Sees im Münchner Süden entstanden ist: ein zweistöckiges Baumhaus zum Spielen und Wohnen, getragen von fünf Buchen, mit Hängebrücke und Feuerwehrrutschstange. Kinder, weiß Schelle, haben meist eine sehr konkrete Vorstellung von „ihrem Baumhaus“. Da dürften eine Strickleiter, eine verschließbare Luke und ein hinaufziehbares Körberl fürs Picknick nicht fehlen. 

Erwachsene dagegen lassen sich gerne von den Modellen und Entwürfen Schelles und seines Mitarbeiters Christopher Richter inspirieren. Eines aber haben die Bauherren alle gemeinsam: Sie wollen ihren Traum vom Baumhaus Wirklichkeit werden lassen. Und auch Schelle selbst hat längst noch nicht ausgeträumt. Neben den Bäumhäusern bastelt er derzeit gerade an einem neuen – einem zweiten – Standbein: In seiner Werkstatt will der Hobby-Sportler und Baumbaron künftig auch eigenhändig Skier fertigen.

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