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Die ganz eigene Fotografik

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- Ottilie Gaigl nutzt den Beruf für die Kunst

VON SABINE HEINE Markt Schwaben - Ein typisches Atelier, wie man es sich so unbedarft vorstellt, hat Ottilie Gaigl nicht. Ihr künstlerischer Arbeitsplatz wirkt eher wie ein Büro. Mehrere verschiedene Drucker, eine professionelle Computeranlage, Regale, Unterlagen: Das alles erinnert stark an die eigene Arbeitsumgebung im Verlag. Kein Wunder: Ottilie Gaigl ist ausgebildete Grafikerin. Für ihre künstlerische Tätigkeit nutzt sie folgerichtig das, mit dem sie am besten umgehen kann: den Computer.

Doch entstehen ihre aussagekräftigen Bilder nicht aus dem Nichts heraus. Eingabegerät ist immer noch die konventionelle Kamera, wenn auch inzwischen umweltfreundlich digital ohne die störenden Zwischenschritte der Filmentwicklung und des Einscannens. Dabei läuft die Künstlerin nicht einfach durch die Gegend und knipst herum, um dann hinterher zu sehen, was dabei herausgekommen ist.

Am Anfang steht immer die Idee. Sie gilt es später umzusetzen. Zum Beispiel die Serie mit Blumen und Pflanzen, die sie gerade in der obersten Baubehörde in München ausstellt. Anfang des Jahres haben ihr all die negativen Schlagzeilen und Fernsehberichte um Kriegstreiberei und Verbrechen gereicht. "Da wollte ich etwas Positives machen", erinnert sich Ottilie Gaigl. Sie ging in ihren blühenden Garten am Rande Markt Schwabens und fotografierte Frühjahrsblumen. Die Angst, möglicherweise ins Kitschige abzudriften, war dabei allgegenwärtig. Unbegründet. Denn auch in dieser Bildserie herrscht die grafische Strenge vor, viel Dekoratives, aber keineswegs zu Liebliches.

Ottilie Gaigl bearbeitet die Fotografien schließlich am Computer. Da geht es nicht nur um Farbveränderungen, die die Wirkung der Bilder hervorheben sollen. Ungewöhnliche Ausschnitte und Überblendungen sind die Mittel, mit denen die Künstlerin ihre Arbeiten verfremdet. Diese Mittel wendet sie an, um gewohnte Sehweisen zu durchbrechen und so die Aussagekraft des Bilder hervorzuheben. "Mit meinen Arbeiten möchte ich eine andere Art der Wahrnehmung erreichen." So sind es auch nicht nur die schönen Dinge des Lebens, wie die leuchtenden verfremdeten Blumenbilder, die Ottilie Gaigl in ihren Arbeiten thematisiert. Gesichter von Menschen treten da auf, Sozialkritisches und gelegentlich unsere Umwelt. Diese dann aber so, wie sie ist: Hässliche Architekturen oder Gerätschaften, Dinge, bei denen man sonst lieber wegschaut - die aber jeder braucht.

Zur Wirkung ihrer Bilder - 1998 hat Ottilie Gaigl einen Förderpreis gewonnen - tragen neben den Sujets auch die großen Formate bei. Dafür nutzt die Grafikerin neueste Technologien. Die am Computer bearbeiteten Bilder werden mittels Großformat-Tintenstrahldruck auf die Leinwand oder andere Materialien gebracht. Dabei gibt es viel zu experimentieren.

Früher habe sie auch viel gemalt und gezeichnet, erinnert sich Ottilie Gaigl. Zur Fotografie kam sie während ihres Studiums. Heute verbindet sie sie optimal mit dem Arbeitsgerät Computer.

"Ich brauche die Zweigleisigkeit", sagt Ottilie Gaigl, die neben ihrer künstlerischen Tätigkeit als Grafikerin für Verlage und andere Auftraggeber arbeitet. "Würde ich ausschließlich Künstlerin sein, hätte ich wohl häufiger das Gefühl, dass mir der Boden unter den Füßen weggezogen wird und die Sinnkrise eintritt." Allerdings meint sie, dass der ausschließliche Künstler auf jeden Fall konsequenter sei. Diese kleine Unentschiedenheit sei ihr verziehen. Es kommt schließlich darauf an, was bei der Arbeit herauskommt. Und die spricht bei Ottilie Gaigl seit langem für sich.

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