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Tipps vom Fachmann: Waldbesitzer Michael Waldmann (r.) hört sich aufmerksam an, was Ludwig Rabl in Punkto „Pflege“ zu sagen hat.

Beratung eines Waldbesitzers

Tipp vom Förster: Ausholzen, und zwar bald! 

Schwabniederhofen - Fichte, Erle oder Weißtanne? Eher dichter oder lichter? Lieber Ausholzen oder Anpflanzen? Für Waldbesitzer gibt es immer was zu tun. Umso wichtiger, Prioritäten zu setzten. Am besten mit einem Mann vom Fach. Ludwig Rabl ist so ein hilfreicher Berater.

Michael Waldmann, 54, wohnt mit seiner Familie in Schwabniederhofen. Er ist Heizungsbauer, stammt aber aus einem Bauernhof. „Die Landwirtschaft haben wir vor einigen Jahren aufgegeben“, sagt er. Was geblieben ist: der Wald. „Den gibt man nicht her“, sagt er. Der Wald ist ein Generationenvertrag. Eine Familienangelegenheit. Die gilt es zu pflegen und zu hegen. Bis ans Lebensende. Die Frage ist nur: Wie?

Immer eine passende Antwort parat hat Förster Ludwig Rabl, 41, blondes Haar, Bergschuhe, rotkariertes Holzfällerhemd, Outdoorhose mit gefühlt 500 Taschen, Spraydose in der Hand, Laptop über der Schulter hängen. Er ist im Schongauer Land auf die Beratung von Waldbesitzern spezialisiert. Schon öfter hat er sich mit Waldmann südöstlich des Sachsenrieder Forstes getroffen, um dessen 1,6 Hektar genauer unter die Lupe zu nehmen. Diesmal starten die beiden am silberdrahtenen Wildzaun, der sehr junge Pflänzlein umringt.

Finanzielles Zuckerl vom Staat

„Das sind Schwarzerlen und Weißtannen“, sagt Waldmann voller Stolz. Er selbst hat sie eingepflanzt. Vor zwei Jahren. Mit finanzieller Unterstützung des Staates. Ein Euro pro Bäumchen hat er bekommen. Der Kauf des Zaunmaterials sowie die Arbeit blieb bei Waldmann hängen. „Aber besser als nichts“, sagt er.

Verdreckter Baumstamm: An dieser Stelle ist der Boden ziemlich feucht - ein Paradies für Wildscheine, die ihr borstiges Fell nach dem Sulen in der Pfütze an diesem Fichtenstamm abgerieben haben. 

Hinter diesem finanziellen Zuckerl vom Staat steckt einganz bestimmten Grund: Es soll Waldbesitzer dazu bewegen, ihren reinen Fichtenwald vergessen zu machen. „Von der Monokultur zum gesunden Mischwald“, sagt Fachmann Rabl, der sich diesbezüglich immer wieder kritische Töne von Waldbesitzern anhören muss. Warum? Früher, über Jahrzehnte hinweg, schwörten die Förster auf einen reinen Fichtenwald. Einerseits aus wirtschaftlicher Sicht. Andererseits, weil dieser Nadelbaum so prächtig ins oberbayerische Landschaftsbild passt, auf den hiesigen Böden besonders gut wächst und gedeiht. Neueste Erkenntnisse zeigen aber, dass das gar nicht stimmt.

Genau das versucht Rabl den Waldbesitzern jetzt klar zu machen. Waldmann hat längst verstanden und akzeptiert, dass die Artenvielfalt für Pflanzen und Lebewesen am gesündesten ist. Andere dagegen schimpfen nach wie vor, befürchten, dass es in einigen Jahren wieder einen neuen Trend geben wird, sie wieder viel Geld und Arbeit in die Hand nehmen müssen, um des Försters Wunsch gerecht zu werden. Rabl ist sich aber sicher: „Die Zukunft ist der Mischwald.“

Bestes Beispiel: Die eingezäunte Fläche von Waldmann. Die liegt auf sehr feuchtem, zum Teil batzigen Boden. Ein Paradies für Wildschweine. Ganz in der Nähe weisen Sule und Dreck am Baumstamm eindeutig auf die borstigen Vierbeiner hin. Aber die Fichte, die fühlt sich an dieser Stelle alles andere als wohl. Sie bevorzugt trockenere, kiesigere Böden.

Erle und Weißtanne dagegen sind gut für feuchtere Böden geeignet, weil sie – entgegen der Fichte – mehr in die Tiefe als Breite wurzeln. Das macht den Baum trotz lockerer Bodenbeschaffenheit stabil. So stabil, dass er auch Orkanböen wie 2015 Sturm Niklas trotzen sollte.

Ziel Mischwald: 2011 pflanzte er Ahornbäume

Noch sind Waldmanns Erlen und Weißtannen jedoch so klein, dass jeder noch so starke Sturm wortwörtlich über sie hinwegfegen würde. „Bis auf das Ausmähen des hohen Grases musst du da die nächsten Jahre auch nichts machen“, sagt ihm Rabl.

Zwischen Laub- und Nadelbäumen: Der Wald von Michael Waldmann kommt dem gewünschten Mischwald schon sehr nahe. 

Einige Schritte weiter südwestlich sieht die Sache schon anders aus. Dort liegt Waldmanns zweite eingezäunte Fläche. 2011 pflanzte er dort Ahornbäume an. Die sind jetzt groß genug, um vor Wildbiss gefeit zu sein. Das heißt für Waldmann: Im Laufe der nächsten zwei Jahre muss er den Zaun abbauen, sonst verwachsen die Pfähle derart stark mit dem Boden, „dass du sie nicht mehr herausbringst“.

Waldmann nickt, notiert Ausmähen und Zaun abbauen schon mal in seinem Gedächtnis. Dann drehen sich die beiden um. Rabl schmunzelt und sagt: „Da muss man dringend was machen.“ Rund acht Jahre alte Fichten sind derart dicht aneinandergereiht, dass sie auch als Drei-Meter-Hecke in einem Wohnbaugebiet durchgehen könnten. Kurzum: Ausholzen, und zwar so bald wie möglich!

Da die Stämme mit acht bis zehn Zentimetern noch recht dünn sind, kann sich Waldmann ohne Probleme mit der Motorsäge durchschlängeln – eine Fieselarbeit, aber ohne großen Widerstand.

So einfach sind seine 25 Meter hohen und bis zu 40 Zentimeter dicken Fichten in der Tiefe des Waldes (noch weiter westlich) nicht zu fällen. Laut Rabl muss allerdings auch das gemacht werden.

Waldmanns großer Fichtenwald ist ebenfalls zu dicht. Deutlich wird das beim Blick nach oben. Die Kronen nehmen sich gegenseitig den Platz weg, können sich nicht sauber entfalten. Rabl spricht von Bürstenwuchs. „Optimal wäre ein Kronen-Bewuchs von ein bis zwei Drittel des kompletten Baumes“, sagt er. Waldmanns Fichten aber haben nur im obersten Viertel oder gar Fünftel Geäst mit grünen Nadeln. Das ist definitiv zu wenig. Und der eindeutige Hinweis darauf, dass die Fichte im hohen Alter fast kronenlos und äußerst instabil sein wird.

Waldbesitzer-Beratung ist kostenlos

Jeden vierten Baum markiert Rabl mit einer orangefarbenen Spraydose. Die Kennzeichnung zeigt Waldmann, welcher Baum gefällt werden soll. Am besten noch dieses Jahr. In diesem Moment atmet Waldmann kräftig durch und zieht die Stirn kurz nach oben. Er hatte gehofft, mit dieser Arbeit noch ein paar Jahre warten zu können. „Aber hilft ja nichts.“

Der muss weg: Förster Ludwig Rabl markiert einen Baum, der gefällt werden muss.

Nach rund einer Stunde haben die beiden den – übrigens kostenlosen – Rundgang beendet, listen Rabls Ratschläge nochmals auf und verknüpfen sie gleich mit einem Zeitplan: Im September das Gras zwischen Schwarzerlen und Weißtannen ausmähen. Im Oktober die Fichten-Dickung ausholzen. Und ab November die massiven Fichten fällen. Und das Abbauen des Wildzauns? „Da muss ich erst schauen, wann sich das zeitlich einrichten lässt“, sagt Waldmann. Dieses Jahr vermutlich nicht mehr.

So sehr Waldmann seinen Generationen-Vertrag auch liebt und schätzt. Er ist noch immer Heizungsbauer und Vater zweier Söhne, opfert sicherlich nicht den kompletten Jahresurlaub für Waldarbeiten. Oder etwa doch? „Die großen Fichten kosten mich händisch mindestens zwei, drei Wochen“, überlegt er. Dazu sagt Rabl nur eins: „Es gibt die Waldbesitzer, die für ihre Arbeiten Urlaub nehmen. Und die, die es machen lassen und mit dem damit verdienten Geld Urlaub machen.“ Waldmann ist sich noch nicht sicher, wo er seinen Urlaub verbringt.

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