Vorbei sind die Party-Nächte in der Kutsche.

Nach viereinhalb Jahren Kutsche in Altenstadt

Die letzte Party ist gefeiert

Altenstadt - Viereinhalb Jahre betrieb der gebürtige Schongauer Matthias Hiemer die Diskothek Kutsche in Altenstadt. Jetzt hat er das Traditionslokal für immer geschlossen – nach einer großen Abschlussparty, die über zwei Abende und Nächte lief.

„Wir schließen für immer“ lautete dann auch der Titel für die erste große Party am 24. Juni, tags darauf wurde bei der „Closing Party“ dann auch noch mal mit allen Stammgästen bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Spricht man mit Hiemer, so ist es ein Mix aus Wehmut und Frust, die er mit der Schließung des Lokals verbindet. „Es ist in den vergangenen Monaten immer schlechter gelaufen und hat sich nicht mehr gerechnet. Da musste ich die Notbremse ziehen“, sagt er ziemlich desillusioniert.

Im Februar 2012 hatte er das Lokal, das seinerzeit von Philipp Hauch und seiner Frau Biggy zu einer wahren Kultstätte im Schongauer Land gewachsen war, übernommen.

Doch nachdem die Hauchs die Kutsche, die sie ab 1975 und bis 1999 geführt hatten, aufgegeben hatten, war diese nie mehr so richtig in die Spur gekommen. Wechselnde Pächter hatten sich daran versucht – keiner mit wirklich großem Erfolg. So folgten auf das Neuschwanstein das Cross Over, die alte Kutsche und das La Roi, bis Hiemer kam. Der wollte alles ändern, Altenstadt sein Traditionslokal zurückgeben.

Immer wieder Ärger mit den Nachbarn

Dabei führte er die Lokalität zunächst unter dem Namen „No Name“ und später wieder unter Kutsche. Letztlich half alles nichts, die Gäste blieben zunehmend aus. „Anfangs lief alles recht gut“, blickt er zurück, dann sei eine kleine Flaute gekommen. Doch nach dem Umbau zogen die Gästezahlen wieder an. Das war aber leider nicht von langer Dauer. „Das Rauchverbot hat das Seine dazu beigetragen“, ist Hiemer überzeugt. Fortan hätten die Gäste zum rauchen immer das Lokal verlassen müssen, was in der Konsequenz mehr Lärm im Außenbereich verursacht und damit die Nachbarschaft auf den Plan gerufen hätte.

„In der Folge gab es immer mehr Beschwerden, weshalb die Gemeinde schließlich reagierte und meine Öffnungszeit um zwei Stunden nach vorn reduzierte.“ Somit musste in der Folge immer um drei statt um fünf Uhr zugesperrt werden. „Der Anfang vom Ende“, ist Hiemer heute überzeugt. Und macht keinen Hehl daraus, „dass der jetzt gefasste Entschluss ein sehr schwerer für mich war“. Und er fügt noch hinzu: „Weil ich unendlich viel Arbeit und Herzblut reingesteckt habe.“

Als bekannt wurde, dass das letzte Stündlein für die Kutsche geschlagen hatte, habe es viele Nachrichten gegeben, die seinen Entschluss beklagten, schrieben, wie schade es sei, dass er die Diskothek aufgeben wolle. Hiemer resigniert: „Doch was nützt das, wenn die Leute nicht kommen.“Aber auf den Besuch habe man nur bedingt Einfluss, „man kann nichts erzwingen“. Dabei habe er sich in all den Jahren viele Gedanken gemacht, die unterschiedlichsten Motto-Partys angeboten. Ob Musik aus den 70er, 80er und 90er Jahren, Rockabende oder andere Highlights – man habe nichts unversucht gelassen. Und habe auch etliche Erfolge gehabt. „Aber man kann das dann auch nicht jede Woche wiederholen“, sagt er.

Sind gute Zeiten der Gastronomie vorbei?

Doch er sieht die Probleme nicht nur für seinen eigenen Betrieb. „Ich habe den Eindruck, dass die guten Zeiten für die Gastronomie generell in unserer Region vorbei sind“, glaubt er und führt diverse Schließungen aus Schongau und Peiting an. „Da hat sich etwas verändert, auch Vereinsveranstaltungen wie Beach- oder Poolpartys werden nicht mehr so angenommen“, stellt er ernüchtert fest, glaubt, „dass immer mehr im Privaten stattfindet“. Das sei vielleicht auch auf weniger Geld in den Portemonnaies der Jugend zurückzuführen.

„Und wenn man dann mal weggeht, wird vorher gespart und dann gleich weiter weggefahren.“ Er selbst will sich aus der Gastronomie vorerst zurückziehen und wieder in seinem erlernten Beruf als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik arbeiten. Ob er noch mal in die Gastronomie zurückkehrt? „Das hängt ganz davon ab, wie sich alles entwickelt. Aber ich würde es sehr gern tun.“

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