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Die Mönche aus Kyoto singen in der Altenstadter Basilika mit gesammelter Konzentration.

Musica Sacra in der Altenstadter Basilika

Türen, Ohren und Herzen geöffnet

Altenstadt - Den fünf großen Weltreligionen verleiht das Festival Musica Sacra seit 1992 Stimme und Gehör. Musica Sacra ermöglicht Begegnungen, Entdeckungen und erstaunliche künstlerische Impulse, öffnet nicht nur Türen und Ohren, sondern Sinne wie Herzen.

Acht japanische Mönche eröffnen den Abend unter dem Motto „Stimmen der Religionen“. In prächtigen Gewändern betreten sie singend das Kirchenschiff der Altenstadter Basilika. Sie gehen unhörbar würdevoll, verneigen sich tief vor dem Altar, jeder einzelne. Sie alle stellen ihr Leben in den klösterlichen Dienst der Tendai-Schule, einer der bedeutendsten Strömungen des japanischen Buddhismus, keineswegs zu verwechseln mit dem deutlich moderner orientierten Zen-Buddhismus. Ihre Shõmyõ-Gesänge bilden den zentralen Bestandteil der Liturgie. Reinigung, Buße und Sammlung stehen dabei im Vordergrund.

Die Wurzeln dieser ritualen Gesänge reichen weit zurück bis zu den vedischen Hymnen des alten Indiens. Nachwuchssorgen kennt man übrigens im japanischen Buddhismus nicht. Allein in Kyoto, der Heimat der acht Mönche, gibt es rund 6000 Tempel. Die Stimme des ältesten Führers füllt die Basilika bis in den letzten Winkel. Die Transformation des Weltenlärms in eine friedvolle Ruhe steht im Fokus dieser Eröffnung von Vokallauten.

Auch wenn man als Hörer auf die angekündigten Blütenblätter vergeblich wartet, faszinieren Fremdartigkeit wie Intensität des Vortrags. Auf und abschwellend breitet sich der schleifende, einstimmige Grundgesang aus.

Auch wenn sich buddhistische Lehren in europäischen Kulturkreisen großer Beliebtheit erfreuen, sich ungezählte Buddha-Figuren in deutschen Gärten und Wohnzimmern befinden, lässt sich nachspüren, dass rasch übergestülpte westliche Maßstäbe hier nicht greifen können. Das Tor zu dieser fernöstlichen Welt schwingt nur mit äußerster Behutsamkeit. Die Mönche singen mit gesammelter Konzentration, geschlossenen Augen, jeder ganz Stimme. Jetzt figurativer, nun auch textgebunden schwellen die Litaneien stetig stärker an. Immer intensiver, immer brennender drängen die Stimmen durch den Raum beim Versprechen, von den fünf Sünden zu lassen. Kann man sich als Hörer einstimmen auf die ornamentalen Verzierungen der einzelnen Zeichen der Amida-Sutra, tragen sie einen weit fort.

Sehr bunt: Die Inszenierung des Laienensembles rund um die Iranerin Maryam Akhondy.


Im krassen Gegensatz dazu gestaltet sich der zweite Teil des Abends. Die in Köln beheimatete Iranerin Maryam Akhondy gründete ein Laienensemble aus in Deutschland lebenden persischen Frauen, das sich traditionellen Gesängen über weibliche Alltagsthemen verschrieben hat. Bunt gewandet und geschmückt, plaudert und gestikuliert man im Wechselgesang zwischen Maryam Akhondy als Solistin und der Gruppe. Sinniert wird in einfachen Strukturen vorzugsweise über fröhlich machenden Rebensaft als Synonym für ewiges Leben. Dabei wird Akhondy nicht müde, die Zuhörer an ihrer eigenen Erkenntnis „Wenn Du Dich kennst, kennst Du Gott“ teilhaben zu lassen, was zu einer gewissen Eindimensionalität des Programms führt.

Ein in allen Facetten beeindruckendes Herrentrio an Santur, Tombak und Daf sorgt nicht nur für ein ungemein farbiges wie feinfühliges Rhythmusgerüst, sondern auch für mitreißende Soli. Kioomars Musayyebi, renommierter iranischer Santurspieler und Komponist, brilliert virtuos am psalterähnlichen Hackbrett. Herausragend das berührende Solo von Syavash Rastani an der Daf. Zehn Finger und die großformatige Rahmentrommel genügen, um tief in das Bild eintauchen zu dürfen, das der junge Percussionist beim Thema „Befreiung“ entwickelt. Im spannungsgeladenen Dialog entsteht die Improvisation zwischen Mashi Madani und Rastani an der hölzernen Bechertrommel Tombak.

Das in zeitlich verkürzter Form inszenierte „Zaar-Ritual“ geriet bei aller Begeisterung für Toleranz zu einer eher peinlich berührenden Zirkusnummer statt zu einer authentisch wirkenden Beschreibung gelebter Traditionen im Südiran. Unter den ausgebreiteten Armen des Altenstadter Gottes exorziert man im Rufgesang klatschend, trommelnd und die Hüften werfend eine vermeintliche Krankheit aus dem in fiktive Trance geratenden Körper einer verhüllten Chorsängerin. Ohne dem Ort der Aufführung Respekt zu zollen, schwenkt Maryam Akhondy lustig Weihrauch, salbt am Ende die vermeintlich Geheilte, kann sich obendrein am Schluss die unverblümte Werbung für eigene CD-Produktionen nicht verkneifen. Für den sonst so sensiblen Stil der nicht genug zu lobenden Musica Sacra-Veranstalter ein künstlerisch wie inhaltlich grenzwertiger Beitrag.

Dorothe Fleege

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