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Volles Zelt beim BDM-Milchbauernabend in Prem. „Freie Märkte führen nicht zu mehr Freiheit für die Bauern, sondern zur Befreiung ganzer Landschaften von den Bauern. Wir brauchen unsere Bauern, gesunde Lebensmittel und Perspektiven und dafür kämpfen wir“, so der BDM-Bundesvorsitzende Romuald Schaber in seinen Ausführungen.

BDM-Milchbauernabend in Prem

„Steh auf, wenn du ein Bauer bist“

Prem - „Hilfspakete für die Milchbauern – Die Lösung der Probleme?“ lautete das Thema des BDM-Milchbauernabends am vergangenen Donnerstag im Festzelt in Prem.

„Die einzige Lösung für diese Milchmarktkrise sind wir. Wir sind die wahren Experten, nicht die, die mit Schlips und Kragen durch die Gegend rennen und uns irgend einen Blödsinn erzählen“, war sich Referent Erwin Schöpges, Vorstandsmitglied der European Milk Board (EMB) und Beisitzer der Milcherzeugergemeinschaft Belgien, sicher und erntete dafür viel Applaus.

Seit zehn Jahren setzt sich der belgische Milchviehhalter nun für die Belange seiner Branche ein. Durch die EMB seien die Landwirte in allen europäischen Gremien vertreten und kämen dabei als Experten auch zu Wort.

Zum ersten Mal werde es nun in Europa ab Oktober 2016 aufgrund der Forderung der EMB einen freiwilligen Lieferverzicht geben, für den die Bauern, nicht wie bei den Lieferstreiks 2008 und 2009, nun auch entschädigt würden. Aber die europäische Politik habe diesen Lieferverzicht nicht bis zu Ende gedacht, denn dieser Lieferverzicht könne nur mit einer Deckelung – einer Oberbegrenzung der Produktion – funktionieren. Das sei die Basis des Erfolgs, doch die deutsche Politik habe mit aller Gewalt verhindert, dass es zu dieser Deckelung in Europa komme. Dies müsse nun mit Druck eingefordert werden.

Ein Landwirt versorgt rund 300 Menschen

„Ein Landwirt versorgt rund 300 Personen, aber diese 300 Personen schaffen es nicht, einen Landwirt zu versorgen“, machte auch Prems BDM-Ortsvorstand Ulrich Jörg seinem Ärger Luft. „Viele Politiker sagen mittlerweile, sie seien für eine Regulierung. Doch welche Regulierung wollen sie denn haben? Wir sind für eine Regulierung der Menge. Doch viele Politiker, Molkereien und vor allem der BBV wollen eine Regulierung der Bauern, und dieser Unterschied ist gravierend.“

„Jeder Landwirt hat das Recht, seinen Hof zu behalten“, forderte Schöpges. Es dürfe nicht sein, dass in Zukunft die Nahrungsmittelproduktion in den Händen von großen Konzernen, Banken und Industriellen sei. Dieser Kampf sei für die Landwirte eine Lebensaufgabe.

Prems BDM-Ortsvorsitzender Ulrich Jörg (Mitte) präsentiert beim BDM-Milchbauernabend stolz seine hochrangigen Referenten Erwin Schöpges (links) und Romuald Schaber.

„Wenn du eine hilfreiche Hand brauchst, suche sie am Ende deines Armes“, erinnerte auch Prems Bürgermeister Herbert Sieber die Landwirte, sich selber zu helfen. „Wir wollen keine Prämien, Hilfspakete und Subventionen – aber die Menge muss dem Markt angepasst werden, um kostendeckende Preise für unsere Produktion und einen gerechten Lohn für unsere Arbeit zu erhalten und gute und hochqualitative Nahrungsmittel produzieren zu können“, fasste Erwin Schöpges zusammen. „Es ist niemals zu spät – steh auf, wenn du ein Bauer bist, steh auf, wenn du ein Schlauer bist.“

Den Nagel auf den Kopf getroffen

„Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen“, pflichtete Romuald Schaber, Bundesvorsitzender des BDM, seinem Vorredner bei. Leider seien immer noch viele der Meinung, dass kein Engagement nötig sei, sich alles von selber regle und man sich nur auf die eigene Produktion und den eigenen Betrieb konzentrieren müsse. „Außerdem erliegen wir heute einer Ideologie, nämlich der Marktliberalisierung“, verdeutlichte Schaber. Es sei in der Geschichte schon mehrmals versucht worden, landwirtschaftliche Märkte zu liberalisieren und es sei jedes Mal schiefgegangen.

Die Schaffung der europaweiten Milchquote 1984 sei ein Meisterstück gewesen, die Abschaffung 30 Jahre später hingegen völliger Nonsens. Man könne es nicht begreifen und es sei unverantwortlich, dass ein Instrument, das in 28 europäischen Ländern funktioniert habe, abgeschafft werde, ohne überhaupt einen adäquaten Ersatz zu haben.

„Ein Vollerwerbsbetrieb, der im Jahr 400 000 kg Milch produziert, verliert momentan 80 000 Euro jährlich“, kennt auch BDM-Kreisvorstandsmitglied Thomas Bertl aus Wildsteig die Sorgen seiner Kollegen. Allein im Landkreis Weilheim-Schongau seien es 40 Millionen Euro Wertschätzungsverlust.

„Es geht nicht nur um das Überleben der Branche, sondern um das Herzstück des ländlichen Raums“, sieht auch Weilheim-Schongaus Landrätin Andrea Jochner-Weiß die Dramatik der aktuellen Situation.

Gwendolin Sieber

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