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Regisseurin Doris Dörrie kam persönlich zum Kino Open Air Bernbeurenflimmern und erzählte vor Filmbeginn über die Begebenheiten während den Dreharbeiten zu „Grüße aus Fukushima“.

Bernbeurenflimmern

Filme aus dem Schatzkästchen

Bernbeuren - Die zweite Auflage von Bernbeurenflimmern steigerte die Besucherzahlen zum vergangenen Jahr - sowohl bei den Kinder- als auch bei den Erwachsenenvorstellungen.

Der Tourismusverein unter neuer Führung von Michael Schilling hatte mit weiteren Helfern das Programm ausgewählt und dabei geschaut, dass für alle Altersgruppen etwas dabei war, sozusagen vom Kleinkind bis zum Jugendlichen oder von traurig über spannend bis lustig. Das Wetter machte zwar den Open Air-Wunsch teilweise zunichte, aber alle Filmfans hatten dafür Verständnis.

Der erste Abend lockte mit „Hape Kerkeling – Ich bin dann mal weg“ die meisten Leute an, wobei hier aufgrund von plötzlich auftretendem starken Wind kurzerhand alles zusammengepackt wurde und es im Filsersaal weiterging. Die drei Nachmittagsevents mit „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“, „Tom und Hacke“, sowie der Klassiker „Heidi“ brachten insgesamt rund 160 Besucher. Hier hatte das Mädchen von der Alm klar die Nase vorne.

Draußen war es einfach zu frisch

Regenschauer und kalte Temperaturen zwangen die Kurzfilmnacht ebenfalls ins Filserhaus. Diesmal baute das Team nicht nur auf auswärtige und preisgekrönte Streifen, sondern Vorstandschaftsmitglied Sepp Wohlfahrt schlug den Fundus von örtlichen Filmwerken vor, welcher sich bei Anton Baur befindet. Wohlfahrt verriet dem Publikum auch, dass sich in „Baur Antons Schatzkästchen noch Material für ein paar Jahre finden lässt“. Dabei sind die Sequenzen nicht nur von Baur gefilmt worden, sondern auch von anderen Bernbeurern wie Michael Dreher sen., Siegfried Holzmann oder Johann Jäger. Sie reichen weit zurück, und so kann man sich das „Wasenstechen“, die Milchseilbahn vom Kollmannshof nach Riedhof, winterliche, halsbrecherische Schlauchrennen am Skilifthang oder natürlich die legendären Auerberg-Rennen mit Tourenwagen wieder in Erinnerung rufen.

Das Maibaumstellen von 1980 oder die „Downhill-WM“ im Jahr 2004 gehörten da schon zu den jüngeren Filmstreifen. Dass der Georgiritt 1972 wirklich auf einem schneebedeckten Auerberg stattfand, erstaunte so manchen Zuschauer. Die Fahrt nach Passau zum Glockengießen für die Kapelle Maria Heimsuchung neben der Pfarrkirche wurde samt Einweihung am Pfarrfest ebenfalls gezeigt. Die Videos der Bernbeurer Filmer regten zu Gesprächen an, die vorkommenden Personen wurden gemeinsam identifiziert und man wunderte sich, wie schnell doch die Zeit vergeht.

Dagegen ging es in der anderen Hälfte der Kurzfilmnacht beispielsweise im preisgekrönten „Neuschwanstein Conspiracy“ aus dem Jahr 2005 um einen terroristischen Anschlag auf das Königsschloss. Ein Thema, das in der momentanen politischen Lage nicht hätte treffender sein können – vor allem, wenn man bedenkt, dass dies alles aus einem Missverständnis mit den Amerikanern heraus passierte.

Die Regisseurin selbst erzählte von den Dreharbeiten

Höhepunkt war aber am Samstagabend der Schwarzweiß-Film „Grüße aus Fukushima“, zu dessen Beginn die Regisseurin Doris Dörrie direkt aus dem Urlaub in ihre Wahlheimat Bernbeuren gekommen war. Dörrie erzählte von den Dreharbeiten und ihrer Wohnsituation dort in Containern. „Die Häuser und Menschen im Film sind alle echt, nur die Hauptdarsteller Rosalie Thomass und Kaori Momoi waren Schauspieler, wobei Momoi als die Meryl Streep von Japan gilt“, erzählte Dörrie weiter.

Die Menschen dort mussten im März 2011 mit dem Erdbeben, dem Tsunami und dem Reaktorunfall drei Katastrophen in gut 20 Minuten erleben. Für die Filmemacherin stand es außer Frage, ob sie wieder nach Japan reisen möchte, denn Dörrie war bereits 25 mal dort. Die Drehzeit dort sei eine der härtesten gewesen, „denn man sollte sich nicht ins Gras setzen, nicht in der Erde graben und musste immer mit dem Geigerzähler umherlaufen“.

Doris Dörrie bedankte sich für die Ehre, dass ihr Film in Bernbeuren gezeigt wurde und hoffte am Schluss: „Sie werden am Ende beschwingt nach Hause gehen und sich leicht fühlen, denn ich habe mit meinen Werken immer das Bedürfnis, Dinge leichter zu machen. Schweres schwerer machen, wäre zu einfach.“ Die über 100 Zuschauer auf dem Marktplatz applaudierten und genossen die letzte Vorstellung von Bernbeurenflimmern wieder unter freiem Himmel.

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