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Max Socher (links) in Siegerpose. So will er sich auch bei den Deutschen Meisterschaften feiern lassen.

Aktuelles Interview

Erst anreißen lassen, dann rüberziehen

Bernbeuren - Das Fingerhakeln gehört zum unverzichtbaren Brauchtum unter weiß-blauem Himmel. Ein hoffnungsvolles Talent in dieser volkstümlichen Disziplin ist der 17-jährige Max Socher aus Bernbeuren. Wir haben mit ihm gesprochen. 

Max Socher aus Bernbeuren ist angehender Landwirt und in der Jugendklasse die Nummer Eins der Republik. Die robuste Nachwuchskraft möchte an Mariä Himmelfahrt, das ist der 15. August, bei den 57. Deutschen Meisterschaften in Isargau der Konkurrenz erneut den dicken Finger zeigen und seinen Titel verteidigen. Vorher hat Max Socher die besten Tricks verraten.

Mit Ihnen sollte sich wohl besser niemand anlegen, will man nicht sofort über den Tisch gezogen werden...

Max Socher: Respekt wird mir entgegengebracht, auf jeden Fall. Obwohl im Freundeskreis der eine oder andere hin und wieder im Scherz sagt, „pass bloß auf, das nächste Mal zieh’ ich dich rüber!“ Aber das bleibt natürlich alles nur Spaß.

Obwohl Ihr Sport für eine Generation, die ihre Finger vorwiegend beim Rumtippen auf dem Smartphone einsetzt, eigentlich eher fremd sein dürfte.

Socher: Sicher, einige Leute fragen, „du machst dir deine Finger kaputt, warum machst du das?“ Aber dann sage ich, „ich hab’ meine Gaudi, weil meine Freunde immer dabei sind, und außerdem hat das Tradition in unserer Familie, und das finde ich einfach schön“. Vater Paul sowie einer meiner Onkel, alle waren bzw. sind Fingerhakler. Als kleiner Junge habe ich denen zugeguckt und gedacht, das interessiert mich, das probiere ich aus, und dann hat es mir gefallen. Damals war ich fünf Jahre alt.

Sie gehören demnach zu einem richtigen Fingerhakler-Klan. Aber welche Befriedigung ziehen Sie persönlich aus diesem Sport? Ist es das Niederringen des Gegners? Und dann gerade nicht stumpf wie beim Boxen, wo der andere umgehauen werden muss, sondern quasi souverän mit einem Finger?!

Socher: Genau, so kann man das ausdrücken. Außerdem bin ich eben ehrgeizig, und das muss man sein, anders funktioniert das nicht. Wenn du dir vorher sagst, ich ziehe sowieso nix, dann ist es klar, du verlierst, aber wenn du dir sagst, den zieh’ ich um, dann wirkt das meistens, und du gewinnst.

Unter Kumpels haben wir das früher auch versucht, jedoch habe ich das regelmäßig verrissen. Nie konnte ich den Griff halten, weil mein Finger sofort rausflutschte.

Socher: Sie brauchen trockene Finger, vor dem Wettkampf benutze ich immer Magnesium. Aber vor allem müssen Sie das trainiert haben, allein schon, um Verletzungen zu vermeiden.

Sie kräftigen demnach gezielt Ihren Mittelfinger?

Socher: Dafür benutze ich ein spezielles Gerät, mit Gewichten an einem Drahtseil, das geführt wird über eine Umlenkrolle. Am Ende befestigt ist ein Karabinerhaken, da hänge ich einen Lederriemen ran. Wir hakeln ja nicht direkt Finger an Finger, sondern stets ist ein Riemen dazwischen, und mit dem Mittelfinger bewege ich die Gewichte, über den Lederriemen am Haken. Das sind bis zu 120 Kilogramm, und tust du das 500 bis 700 Mal am Tag, merkst du hinterher im Turnier, deine Sehne spannt a bisserl, aber sie hält den Druck aus.

Sie haben eine kräftige Statur, bringen 110 Kilo auf die Waage bei 1,87 Metern Körpergröße. Das dürfte von Vorteil bei Meisterschaften sein.

Socher: Ganz klar. Allerdings gibt es Ausnahmen, die sind klein und dünn, aber gleichzeitig bockschnell. Die ziehen von null auf hundert in nullkomma-was-weiß-ich Sekunden, und der Gegner wird überrumpelt und macht die Hand auf, lässt den Riemen fahren, rüber zum Angreifer, der die Runde für sich entscheidet. Umgekehrt, ist einer der beiden am Tisch ein Bodybuilder, muss das auch nicht unbedingt etwas bedeuten. Mein Papa wurde mal herausgefordert von einem Muskelmann, der getönt hat, er zieht alle rum. Die Antwort meines Vaters: „Da ziehe ich mit!“, und entsprechend hat er den Typ glatt rübergezogen, und das Bodybuilding hat dem überhaupt nichts geholfen.

Die beste Taktik am Tisch?

Socher: Möglichst tief sitzen, dann kann dich der andere nicht so leicht rauslupfen. Hockst du ziemlich hoch dran, wirst du locker rausgelupft, landest auf dem Tisch und hast verloren.

Wie gehen Sie am liebsten vor?

Socher: Den Gegner zuerst kurz anreißen lassen und anschließend langsam rüberziehen.

Demnach ein Konter nach der ersten Attacke. Welchen Vorteil hat das?

Socher: Ich merke, wieviel Kraft der eigentlich hat. Nebenbei: Beim ersten Riss reißt nicht selten die Haut etwas ein, der Finger schmerzt, und aus ist es.

Klingt fies. Einige holen sich blutige Finger in Ihrem Sport?

Socher: Kann passieren. Aber im Saal sind Sanitäter, die behandeln das, und es gibt Salbe drauf. Dass manchen die Haut wegfliegt, liegt oft an zu wenig Training. Übst du fleißig, kriegst du Hornhaut am Mittelfinger, und die verringert das Risiko.

Wie lange dauert eine Runde Fingerhakeln?

Socher: In der Regel sind das ein bis fünf Sekunden. Aber es hat schon Hakler gegeben, die haben zwei Minuten lang gezogen, ohne Ende hin und her.

Sie stehen erst am Anfang Ihrer Karriere, haben sicher noch einiges vor. Dennoch stellt sich wie in jedem anderen Sport die Frage: Gibt es eine Altersgrenze nach oben?

Socher: In unserem Verein ist einer der Aktiven weit über 80 Jahre alt, und der zieht noch immer mit. Du bleibst so lange dabei, wie du willst.

Hinweis:

Die 57. Deutsche Meisterschaft im Fingerhakeln findet am 15. August im Isargau, Festzelt Gaißach - Schule Wetzl (Beginn: 10 Uhr) statt. Weitere Infos: www.schlierachgauer-fingerhakler.de/termine.html.

René Gralla

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