+
Ein Präsent für Landrätin Andrea Jochner-Weiß hatte Prems Bürgermeister Herbert Sieber vorbereitet.

Bürgerversammlung Prem

Premer mit Pro-Kopf-Guthaben von 105 Euro

Prem - Im Juni steht in der Gemeinde Prem traditionell die Bürgerversammlung an. Anlass für Bürgermeister Herbert Sieber, Resümee zu ziehen. Heuer konnte Sieber dabei auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß begrüßen.

Er freue sich, so Herbert Sieber, dass Andrea Jochner-Weiß nach Prem gekommen sei. „Es ist schon lange her“, erinnerte Sieber, „dass sich ein Landrat Zeit genommen hat für die kleinste Gemeinde im Landkreis“. Dass nicht nur die Landrätin, sondern auch die Bürger gekommen seien, wertete der Bürgermeister als Zeichen, dass es wichtigere Dinge gebe als Fußball, der in diesen Tagen bei vielen im Vordergrund stehe.

Eine Bürgerversammlung ist ein Pflichttermin, erinnerte Sieber, vor allem für den Bürgermeister, der Rechenschaft ablegen soll. Es sollte aber auch ein Pflichttermin für die Bürger sein, denn „heute haben sie die Gelegenheit, die Zusammenhänge zu erkennen und die Entschlüsse des Gemeinderates nachzuvollziehen“. Es gehe darum, zu schauen, „wo ist Prem gut, wo ist es schwach. Woher kommen wir, wohin geht die Reise?“.

Und wenn er schon dabei sei, sich auf den Abend vorzubereiten, merkte Sieber an, um den Bürgern das Hintergrundwissen für die Arbeit des Gemeinderates zu vermitteln, sei es auch immer für ihn Gelegenheit, seine und die Arbeit des Gemeinderates zu reflektieren.

Im renovierten Ausflugslokal Lechaue fand heuer die Premer Bürgerversammlung statt, zu der zahlreiche Einwohner gekommen waren.

Dafür nahm sich Sieber ausgiebig Zeit, fing unter anderem mit den verschiedenen Bürgern an, die in Prem gemeldet sind, unter anderem Argentinier, Italiener, Österreicher, Polen, Slowenen, Ungarn und Letten sowie Menschen aus Bosnien und der Herzegowina. Für diese Neubürger, vor allem für junge Familien, gebe es den günstigen Baugrund, erinnerte Sieber und meinte aber: „Baugrund ist keine Geldanlage.“

Nicht minder kritisch ging Sieber mit Entscheidungen seitens der Verwaltung und Behörden ins Gericht, erinnerte etwa an die geplante Vererdung des Klärschlammes. Heute werde man gezwungen, diesen thermisch zu entsorgen, was zu Mehrkosten von rund 20 000 Euro pro Jahr geführt habe. Um Zuschüsse für das Kanalkataster zu bekommen, müsse man eine ganze Litanei von Vorschriften und weiteren Bedingungen abarbeiten, gebe über 100 000 Euro aus für 19 000 Euro, die man dazugezahlt bekomme. „Ihr seht“, machte Sieber seinem Unmut Luft, „wie man uns zwingt, Euch das Geld abzunehmen!“.

Dabei hatte der Bürgermeister auch Positives zu verkünden, gerade erst komme er von der Schreinerei Sieber und Haslach: „Die baut neu auf.“ Ein Dank galt den Mitarbeitern seiner Verwaltung, deren Verdienst es sei, dass Prem finanziell so gut dastehe. Sie seien sparsam und gingen mit dem ihnen anvertrauten Material sorgsam um, so Sieber.

Wie gut die Gemeinde dasteht, verdeutlicht die Pro-Kopf-Verschuldung. Die liegt im bayerischen Durchschnitt bei über 800 Euro, in Prem bei Minus 105,34 Euro. Oder anderes ausgedrückt: die Rücklagen übersteigen die Schulden deutlich, anstatt einer Pro-Kopf-Verschuldung müsste man beim Beispiel Prem von Pro-Kopf-Guthaben in Höhe von 105,34 Euro reden.

Eine Zahl, die auch der Landrätin Respekt abnötigte. Dabei habe er seinerzeit als Bürgermeister die Gemeinde mit Schulden von mehr als vier Millionen Euro übernommen und damals lange nicht gewusst, ob und wie man diesen Schuldenberg abbauen könne, erinnerte Sieber. Dass die Gemeinde dabei wahrlich nicht untätig geblieben ist, konnte man am Ort der Bürgerversammlung, dem Ausflugslokal Lechaue, erkennen, das in dem einen Jahr der Schließung von der Gemeinde saniert und auf den neuesten Stand gebracht worden war.

Auch das Thema Renovierungen im Rathaus, die Bäume, die gefällt worden waren und die man hergerichtet hatte, die Linde am Dorfpatz und das Thema Milch streifte Sieber.

So sei ein Jahr vergangen, meinte Sieber, gleich einem Intercity, an dem die Ortsschilder vorbeirauschen würden, sei das Jahr vergangen und die Ereignisse wie eben die Ortstafeln vorbeigerauscht. Ein bedeutendes Stück Lebensqualität aber könne man im Zusammenwirken der Gemeinde, der Kirche und der Vereine im Ort erleben, zog Sieber sein Resümee für dieses Jahr.

Bis auf die Nachfrage einer Bürgerin aus Gründl, ob man denn nicht auch dort mal etwas gegen die Raser unternehmen könnte, die vor allem die Lechbrücke als Startrampe für ihren Durchflug nutzen würden, gab es seitens der Bürger keine Anfragen. Sieber versprach, dass man auch dort Tempomessung und vielleicht sogar eine Verkehrsüberwachung hinbeordern werde.

Oliver Sommer

Auch interessant

<center>Fächer "Liebestaumel"</center>

Fächer "Liebestaumel"

Fächer "Liebestaumel"
<center>Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin</center>

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin
<center>Münchner Häuberl Pralinen</center>

Münchner Häuberl Pralinen

Münchner Häuberl Pralinen
<center>Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch</center>

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Meistgelesene Artikel

„Partys an Karfreitag müssen nicht sein“

Schongau - Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe, dass das bayerische Feiertagsgesetz zu streng gefasst ist und gegen das Grundgesetz verstößt, …
„Partys an Karfreitag müssen nicht sein“

Anpacken, wo Not ist

Peiting  - „Die Zukunft gehört Gott und den Mutigen.“ Pastoralreferent Thomas Tralmer stellte bei der 90-Jahrfeier der Kolpingsfamile Peiting deutlich heraus, dass …
Anpacken, wo Not ist

Jubiläumskonzert mit Dirigentenwechsel

Schwabsoien  - Zum 150-jährigen Jubiläum lud die Blaskapelle Schwabsoien unter der Leitung von Gerhard Schmid auf die großen Bühnen der Weltmusik. Einziger …
Jubiläumskonzert mit Dirigentenwechsel

Vergewaltigung in Kirche: Haft für Mesner

Steingaden - Wegen Vergewaltigung einer ehrenamtlichen Kirchen-Mitarbeiterin muss der ehemalige Steingadener Mesner Robert B. (Name geändert) für zweieinhalb Jahre in …
Vergewaltigung in Kirche: Haft für Mesner

Kommentare