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Blick ins Innere der Pfarrkirche: Chorraum und vorderes Kirchenschiff mit Maialtar.

Feierlichkeiten St. Michael Denklingen

Neubau der Pfarrkirche wird 250 Jahre alt

Denklingen - Die Denklinger begehen am kommenden Sonntag, 2. Oktober, nicht nur das diesjährige Patrozinium ihrer Kirche. Zugleich wird der Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten des Kirchenbaus, der vor genau 250 Jahren erfolgte, begangen.

Eine rege Bautätigkeit herrschte damals auf dem Denklinger Kirchberg. Anlass war der Neubau der Denklinger Pfarrkirche St. Michael, nachdem bei dem großen Dorfbrand am 26. Mai 1668 die Kirche bis auf das Chorgewölbe und die Außenmauern niederbrannte. Der massive Kirchturm wurde im Jahre 1407 erbaut, 1638 bei einem Sturm jedoch bis auf die Höhe des Glockenstuhls abgerissen und 1663 durch den Schongauer Zimmermeister Hans Jakob Klingensteiner ein Satteldach angebracht, das schon fünf Jahre später in Flammen aufging. Die Not nach dem 30-jährigen Krieg erlaubte damals nur provisorische Wiederherstellungsarbeiten, was dazu führte, dass die Kirche nach 100 Jahren schon wieder baufällig war.

Zahl der Gläubigen wuchs

Nachdem die kleine Vorgängerkirche, die östlich des Turmes in dem steil abfallenden Gelände tief im Boden steckte, die anwachsende Zahl der Gläubigen kaum mehr aufnehmen konnte und auch der umgreifende Friedhof an seine Aufnahmekapazität stieß, beschloss der damalige Pfarrer Joseph Schmid mit dem damaligen Heiligenpfleger (Kirchenpfleger) Joseph Anton Egger, die neue Kirche westlich des Turmes, „auf einen komodlicheren Ort zu transferieren“, wie sie im Jahre 1764 an den Fürstbischof schrieben. Erbaut wurde sie von dem aus Unterpinswang/Tirol stammenden Baumeister Franz X. Kleinhans (1699 – 1776) der im Hochstift Augsburg als Land- und Hofbaumeister in der Zeit von 1731 bis 1767 vornehmlich in den Altlandkreisen Füssen, Marktoberdorf, Kaufbeuren, Schwabmünchen und im Großraum Augsburg insgesamt neun Kirchen erbaut und 22 Kirchen geplant bzw. renoviert hat.

Im Jahre 1766 wurde mit dem Neubau begonnen 

Nach dem Plan von Kleinhans sowie unter der Bauführung des örtlichen Baumeisters Stephan Socher, der als Polier eingesetzt war, und mit Unterstützung seines Sohnes, dem Maurermeister Johann Michael Socher, entstand ein Gotteshaus, das bis heute Bestand hat, wofür die jeweiligen Pfarrer und die Einheimischen im Laufe der Jahrhunderte Sorge trugen.

Wer die 79 Stufen, davon 29 mit Doppelschritt, den Kirchberg hinauf gestiegen ist, kann vom umgebenden Friedhof den mächtigen Außenbau dieses Spätrokokobaus mit seinem massiven Satteldachturm bewundern. Das rechteckige Langhaus in Saalbauform mit großen, lichten Fenstern und rückwärtigen Doppelemporen ist geräumig und „durchflutet von Licht“, wie ein Kunsthistoriker einmal die Kirche beschrieb. Der Dachboden wird durch ein Walmdach abgeschlossen. An der Rückseite der Kirche ist eine Krangaube angebracht: Auf dem Lande wurden Kirchendachböden früher häufig als Schüttböden für Getreide verwendet.

Das zwölf Meter hohe Kirchenschiff mit seiner Decke, die eine Spannweite von 14 Metern und 26 Metern Länge aufweist, ruht auf kaum einen Meter dicken Seitenwänden. Im Chorgewölbe ist das Wappen des Bauherrn, Fürstbischof Joseph Ignaz Philipp, Landgraf von Hessen-Darmstadt (1699 – 1768), angebracht.

Bedeutende Künstler Schwabens haben im neuen Stil des letzten Drittels des 18. Jahrhunderts ihr ganzes Können eingebracht: Stuckator war Ignaz Finserwalder (1708 – 1772), Augsburger Stuckateur, hervorgegangen aus der Wessobrunner Stuckaturenschule. Die Fresken fertigte Johann Joseph Anton Huber (1737 – 1815), späterer Augsburger Akademiedirektor. Joseph A. Fischer (1704 – 1771) war ein vielbeschäftigter Rokoko-Stuckator aus Füssen, der die Marmorarbeiten an der Kanzel fertigte. Johann Richard Eberhard (1739 – 1813) bzw. seine Söhne Franz Xaver und Konrad fertigten die Altäre und die Plastiken der Bistumsheiligen, des Kirchenpatrons und der Schutzpatrone an den Seitenaltären. Von Lorenz Luidl (1645 – 1719) aus Landsberg stammen die Figuren von Petrus und Paulus, die noch aus der Vorgängerkirche stammen.

Stattliches Erscheinungsbild: Kirche St. Michael.

Bis sich die Pfarrkirche in der heutigen Ausstattung präsentieren konnte, sollten aber noch gut 20 Jahre ins Land gehen. Die Kosten des Kirchenbaus beliefen sich bis dahin – ohne Inneneinrichtung – auf 15.862 Gulden. Der im Jahre 1996 neu geschaffene Volksaltar mit Ambo durch den damaligen Kunstreferenten der Diözese Augsburg, Felix J. Landgraf, bildet das im Laufe der 250 Jahre zuletzt hinzugekommene Ensemble.

Das monumentale Hauptfresko (16 Meter lang und 9 Meter breit) an der Kirchendecke sowie die Skulpturen über dem Hochaltar veranschaulichen den Sturz Luzifers und geben einen Hinweis auf den Kirchenpatron. Wie die Vorgängerkirchen, wurde sie dem Erzengel Michael geweiht. Die Gründungszeit der Pfarrkirche kann noch in die Zeit der Christianisierung der heidnischen Alemannen in der Region um 740 n. Chr. durch St. Mang (Magnus) fallen. Vermutlich ist die Kirche einst an die Stelle eines heidnischen Heiligtumes getreten.

Kirche und Turm sind geschütztes Kulturdenkmal

Die beiden letzten großen Renovierungen fanden in den Jahren 1999/2000 (Sakristei, neue Beleuchtungseinrichtung und Neu-Elektrifizierung der Kirche) und 2010/2012 (Kirchenschiff, Dachstuhl und Turm) statt. Seit 65 Jahren lassen die am 5. November 1950 geweihten Glocken ihr Geläute erklingen. Deren Vorgänger mussten im Frühjahr 1943 zu Kriegszwecken abgegeben werden. Eine Plakette am Fuße des Kirchturmes weist darauf hin, dass es sich beim Turm mitsamt der Kirche um ein international geschütztes Kulturdenkmal handelt.

Paul Jörg

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