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Den Zweimeter-Waller packt Lucas Nittmann, damit das Prachtexemplar künftig in einem anderen Gewässer schwimmt.

Das Ende einer einzigartigen Fischzucht

Ein 100 Kilo-Waller zum Abschied

Sameister/Prem - Herbert Heißerer war Unternehmer und Fischzuchtimperator. Ein Jahr nach seinem Tod nimmt Tochter Helga den Kescher in die Hand. Ein Besuch beim letzten Abfischen der natürlichsten Karpfen, Waller und Hechte Bayerns.

Lucas Nittmann, 20, sieht aus wie ein geschaffter Motocrossfahrer im Gummianzug. Verdreckt von Kopf bis Stiefel. Patschnass. „Meine Oberschenkel brennen, meine Hände frieren“, seufzt er. Trotzdem grinst er bis über beide Ohren. Er ist glücklich und zufrieden, weil er an diesem kaltnassen Samstag Aufregendes erlebt. Und weil das letzte Abfischen der natürlichsten Fische Bayerns etwas ganz besonderes ist. Für ihn, und für die anderen 40 Helfer, die an diesem Samstagmorgen zum Sameistersee bei Roßhaupten (Ostallgäu) gekommen sind.

100-Kilo-Waller zum Abschied

Traditionelles Abfischen? Dahinter steckt das Lebenswerk von Herbert Heißerer aus Prem (Kreis Weilheim-Schongau). 2015 ist der ehemalige Unternehmer verstorben, hinterlässt einen Sägewerksbetrieb – und ein Fischzucht-Imperium. Mehr als 30 Weiher hatte er an der oberbayerisch-allgäuerischen Grenze angelegt. Die Zucht der heimischen Süßwasserfische war sein Mittel zum Abschalten. Dabei hatte er stets darauf geachtet, die Natur walten zu lassen. Kein Zusatz-Futter. Keine Trennbecken. In Heißerers Seen teilen sich Süßwasserhai (z.B. der Hecht) und Larvenfresser (z.B. der Karpfen) ein und dasselbe Becken. Gefressen und gefressen werden – so auch im Sameistersee.

Vier Tonnen Groß- und Kleinfische werden zusammengetrieben

Um 8 Uhr fangen Nittmann und die anderen Helfer an diesem Samstag an. Sie treiben stolze vier Tonnen Groß- und Kleinfisch aus der brustbeintiefen Bachmutter des Sameistersees (50 Hektar groß) Richtung offene Luke direkt unter dem großen Steg. Schweißtreibende Schwerstarbeit, die sich lohnt. Nach und nach flutschen 2,20-Meter-Waller, 30-Kilo-Karpfen, Ein-Meter-Hechte und Millionen fingerlange Weißfische in den tieferliegenden Sortiergraben. Am Ende dieses länglichen Beckens ist ein massives Eisengitter mit vier Zentimeter Stangenabstand angebracht. Es fängt die Kilo-Kolosse auf, während die zappelnden Futterfische noch etwas weiter schwimmen.

Der ausgelassene Sameistersee bei Roßhaupten im Ostallgäu. Der Graben des Sees heißt Bachmutter.

Damit in diesem wilden Durcheinander keiner den Überblick verliert, sagt Heißerers Tochter Helga, 31, was die fleißigen Fischer-Männer zu tun haben. Sie hat nach dem Tod ihres Vaters die Abfisch-Organisation übernommen. Auch sie packt tatkräftig mit an. Nittmann und Co. sind inzwischen im untersten Wassergraben angelangt, fangen mit engmaschigen Keschern und großen Kübeln die letzten Fische aus dem flachen baatzigen Wasser. Die anderen Helfer warten derweil am grasbewachsenen Ufer, nehmen die eingenetzte Fisch-Ware ab und tragen sie blitzartig zu den finalen Sortierbecken, die mit Frischwasser versorgt werden.

Klein- und Großfisch werden darin vom Schlamm befreit, ehe sie von Fischern aus der Umgebung in Spezialbecken abtransportiert werden. Die Fischer freuen sich, dass sie ihre Seen und Teiche mit solch gesunden Exemplaren besetzen dürfen.

Allerdings zum letzten Mal. Familie Heißerer hat weder die Kraft noch Zeit, dieses intensive und teure Hobby des verstorbenen Unternehmers fortzuführen. Ein großer Teil der Weiher wird an andere Züchter verpachtet. Die müssen wirtschaftlicher agieren. Mit Trennbecken und Zusatzfutter. „Das ist schade, aber anders lohnt sich das nicht“, betont Helga, die inzwischen mit ihren Helfern in der aufgeheizten Fischerhütte sitzt. Bei Leberkäse und Bier sind aber nicht die riesigen Waller, sondern ein Geflügeltier Thema Nummer eins: Der gefräßige Kormoran, der seine Viren von See zu See schleppt.

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