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Nicht mehr zu retten: Dieser Baum ist bereits vom Borkenkäfer befallen, wird deshalb innerhalb der nächsten zehn Tage gefällt. Das Tückische: Auf den ersten Blick sieht diese Fichte kerngesund aus. Spätestens nach Abschaben der Rinde wurden die rotbraunen Furchen sichtbar, in denen der Buchdrucker (Borkenkäferart) sein Unwesen treibt.

Mit dem Förster auf Borkenkäfer-Suche

Tödlicher Hinweis: Der Schnupftabak am Fichtenstamm

Hohenfurch - Strömender Regen? Völlig egal! Fast 100 Waldbesitzer sind der Einladung des Forstamtes gefolgt, um sich über den Borkenkäfer zu informieren. Förster Michael Lang hat ganz genau erklärt, wie man den Schnupftabak am Fichtenstamm ausfindig macht – und zwar flott, sonst ist es für viele Fichten zu spät.

Donnerstagabend, kurz vor 18 Uhr am östlichen Ortsrand Hohenfurchs. Auf Höhe Waldrand bildet sich eine große Menschentraube. Die meisten tragen Gummistiefel oder Bergschuh, wasserdichte Jacke, Cappy oder Filzhut. Schubweise regnet es in Strömen. „Deshalb habe ich nur mit maximal 20 Leuten gerechnet“, sagt Förster Michael Lang. Dass es letztlich fast 100 sind, „ist wirklich unglaublich“. Und der eindeutige Beweis dafür, wie brisant das Thema Borkenkäfer für die Waldbesitzer heuer ist.

Wie entdecke ich rechtzeitig die vom Borkenkäfer befallenen Fichten? Und wie gehe ich bei der Käferbekämpfung am besten vor? Das sind die zwei wichtigsten Fragen, die Michael Lang und sein Försterkollege Friedrich Maier an diesem Abend beantworten.

Rund 200 Käfer reichen aus, um Baum zu vernichten

Wegen des starken Sturmwurfs durch Niklas sowie der hartnäckigen Trockenperiode konnte sich der Borkenkäfer im vergangenen Jahr besonders stark einnisten, vermehren und obendrein gut durch den milden Winter kommen. Heißt: Die Populationsdichte ist diese Saison überdurchschnittlich hoch, die Gefahr des Fichtensterbens durch Befall des Borkenkäfers besonders groß. Eine grobe Hausnummer besagt, dass 200 Käfer ausreichen, um einen Baum zu vernichten.

Waldbesitzer suchen Schnupftabak am Fichtenstamm

In diesem Moment zieht Lang einen Schnupftabak aus seiner rechten Hosentasche. Es ist der Klassiker in hellblauer Dose, Gletscherprise. Sie dient als perfektes Anschauungsmaterial zum Aufsuchen des Borkenkäfers. Warum? „Weil der Schnupftabak ganz genau so aussieht wie Bohrmehl“, sagt Lang. Und darum geht es die nächsten Tage und Wochen für alle Waldbesitzer, völlig gleich, ob ein oder eintausend Hektar Besitz: Ausschau halten nach Bohrmehl! „Nur so und nur jetzt kann ich rechtzeitig erkennen, dass der Baum vom Borkenkäfer befallen ist.“

Tausende Arten, gefährlich sind in unserer Region aber nur zwei

Obwohl es weltweit mehrere Tausend Käferarten gibt, sind für das Fichtensterben in der Region nur zwei verantwortlich: Der Buchdrucker, der sich vom Boden aus in den Baumstamm bohrt, sich von unten nach oben arbeitet. Und der Kupferstecher, der die Bäume anfliegt, sich stets in der Krone einnistet. In Hohenfurch und Umgebung haben sich die ersten Käfer vor eineinhalb Wochen auf den Weg gemacht.

Die Waldbesitzer stehen inzwischen dicht gedrängt um eine von Lang auserwählte Fichte, die am Rande dieses Hohenfurcher Waldstückes steht. Der rund 30 Meter hohe und 60 Zentimeter dicke Stamm sieht kräftig und gesund aus. Kaum zu glauben, dass dieser Baum vom Borkenkäfer befallen ist – zumindest, bis Lang eindeutige Beweise liefert.

Bohrmehl sieht aus wie Schnupftabak

Wegen des anhaltenden Regens hat der 1,90 Meter große Förster mit Filzhut und Brille vorgesorgt, auf dem Boden rund um den Baumstamm Plastiktüten ausgelegt – mit Erfolg. Das vom Regen hinuntergeschwemmte Bohrmehl hat sich auf den Säcken fleckerlweise gesammelt. Und tatsächlich: Das Zeug sieht aus wie Schnupftabak. Bei genauerer Betrachtung des Baumstammes entdeckt man davon auch einiges zwischen der Rinde. Aber: Man muss schon sehr genau hinschauen, um so eine befallene Fichte zu entdecken.

Dass diese bereits jetzt vom Absterben bedroht ist, möchten die meisten Anwesenden noch immer nicht glauben – bis Lang den endgültigen Beweis des Befalls liefert. Mit seiner frisch gewetzten Machete zieht er an mehren Stellen die Rinde ab. Gefunden. Alle paar Zentimeter tut sich zwischen dem hellen Holz eine rotbraune Furche auf, in der die Käfer sitzen, die dort saftigen Schichten (Bastgewebe) fressen, sich paaren, die Eier ablegen und schließlich vermehren.

Borkenkäfer vermehren sich vielfach, bis zu drei Mal im Jahr  

Am Bohrmehl zwischen den Rinden erkennt man, dass der Baum vom Borkenkäfer befallen ist. 

Letzteres tun sie besonders fleißig. „Ein Käfer kann 20 bis 30 Eier absetzen“, sagt Lang, der mit dem Begriff „Rammelkammer“ für reichlich Gelächter sorgt, vom Wesentlichen jedoch nur kurz abschweift. „Nach fünf, sechs Wochen schlüpfen sie aus den Larven.“ Und tun es ihren Eltern gleich: Fressen, sich paaren (maximal drei Mal pro Saison), Eier ablegen und vermehren, bis der komplette Baum besetzt ist.

Dann senden die Tierchen Duftstoffe aus, geben so das Signal, dass die Bude sprichwörtlich voll ist. Zeit, auszuschwärmen! Wohin? „Selbstverständlich zum Nachbar“, sagt Lang, der an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweist, auf gar keinen Fall den kompletten Wald auf Käferbefall abzusuchen. „Das ist erstens zeitlich gar nicht möglich, und zweitens auch nicht notwendig.“ Wichtig: „Nach dem Borkenkäfer immer dort suchen, wo er im vergangenen Jahr schon war, und natürlich auch an den umliegenden Bäumen.“

Immer dort suchen, wo der Käferbefall im Vorjahr war

Grundsätzlich gilt: Je trockener der Baum, desto beliebter ist er beim Borkenkäfer. Deshalb sind in der Regel immer die vom Wind geworfenen Fichten betroffen, oder die, die sich am Waldrand befinden und starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind.

So weit so gut. „Aber was genau muss ich tun, wenn ich jetzt einen befallenen Baum gefunden habe?“, tönt es aus der Menge. Langs kurze Antwort: „Fällen.“ Aber sei der Käfer mit dem Fällen allein schon besiegt? „Nein.“

Drei sinnvolle Möglichkeiten, den Schädling zu beseitigen

Der Buchdrucker zählt neben dem Kupferstecher zur gefährlichen Käferart. Er arbeitet sich von unten nach oben durch die Fichte. 

Es gibt drei Möglichkeiten, dem Schädling endgültig den Gar auszumachen. Erstens: Das befallene Holz zu einem Sammelplatz bringen, der mindestens 500 Meter vom Waldstück entfernt ist. „Weiter kann der Käfer nämlich nicht fliegen, verhungert sozusagen auf halber Strecke.“ Zweitens: Das Holz verbrennen. Wichtig dabei sei nur, vor dem Zünden die örtliche Feuerwehr zu informieren, um einen Fehlalarm vorzubeugen. „Das kann nämlich teuer werden“, sagt Lang. Oder drittens: Das Holz an ein Sägewerk verkaufen, wo der Stamm sauber geschält wird. „Das Entrinden überlebt der Borkenkäfer in der Regel sicher nicht.“

Nach rund zwei nasskalten Stunden sind schließlich alle wichtigen Borkenkäfer-Suche-und-Bekämpfungs-Fragen beantwortet. Vorsichtig stapfen die Waldbesitzer über das nasse Geäst zurück auf die Straße. Ein Blick in die leuchtenden Gesichter verrät, dass der lebendige Vortrag von Lang und Maier nicht nur wegen Schnupftabak und Rammelkammer größte Begeisterung auslöste – trotz Sauwetter.

Weitere Informationen

zum Borkenkäfer gibt Förster Michael Lang kostenlos unter der Telefonnummer 08861/930717

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