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Am Grenzstein: Feldgeschworener Sebastian Brömauer zeigt einen seltenen Grenzstein auf Hohenfurcher Flur. Daneben ehrfürchtig niedergekniet Altschulmeister Dietrich Kothe, das wandelnde Hohenfurcher Geschichtslexikon.

500 jahre feldgeschworene

Der Wastl: Ein „Siebener“ der alten Schule

Hohenfurch - Seit 500 Jahren gibt es den Feldgeschworenen, der für das genaue Setzen und die Überwachung von Grenzsteinen Verantwortung trägt. Im weitesten Sinne ein „Reinheitsgebot für Grundstücksgrenzen“. Wer kennt dieses Amt eigentlich noch? Und wer führt es noch aus?

Sie sind die Hüter der Grenzen und Abmarkungen auf den Fluren in ihrem Gemeindegebiet. Feldgeschworene, im Volksmund auch „Siebener“ genannt. Ein ehrbares Nebenamt, aber ein überaus verantwortungsvolles. Nichts für Schlitzohren, eine weiße Weste ist Grundvoraussetzung.

Einer, der dieses ehrwürdige Amt vertritt, ist Sebastian Brömauer. Ein echtes Urgestein, ein echtes Hohenfurcher Gewächs. Man muss schon mehrmals nachfragen um wirklich sicher zu sein, richtig gehört zu haben. Seit 1948 ist Brömauer Feldgeschworener. 68 Jahre ist er quasi voll mit diesem Amt verschmolzen. Seit dieser Zeit ist er ein wandelndes Tagebuch in Sachen Grenzen im Gemeindebereich.

Der „Siebener“ von damals ist noch einer der alten Schule. Wo ein Handschlag noch ganz genau genommen wird, bei dem dieser noch was zählt. Dieser Mann weckt Interesse, der kann was erzählen.

Aber es ist gar nicht so einfach, bei Wastl Brömauer einen Termin zu bekommen. Die beste Möglichkeit ist, sich an einem Sonntag an seine Fersen zu heften und mit ihm die Flurgrenzen abzugehen. Richtig gelesen: Dieser Mann Jahrgang 1924 ist immer noch wöchentlich unterwegs, um nach dem Rechten zu sehen. Seine ganz persönliche Flurbegehung. So wie es früher Pflicht war, mit dem Gemeinderat dies zu tun. Da ist er stundenlang in seinem Revier unterwegs. Genießt die Natur, wirft ein Auge auf die Grenzsteine und erinnert sich an Geschichten seiner langjährigen Tätigkeit.

Rückblick: 1948 wurde Brömauer nach Schongau ins Landratsamt bestellt. Die vorangegangene Durchleuchtung nicht zu vergessen, von wegen weißer Weste und so. Wastl war über die Grenzen bekannt für seine Genauigkeit. „Dort hat mich der damalige Amtsrat vereidigt“, erinnert er sich und erzählt im gleichen Atemzug, dass das zuständige Vermessungsamt erst in Schongau war, dann in Landsberg und jetzt in Weilheim.

„Viele haben früher ihre Grenzen versetzt, so Stück für Stück“, erzählt Brömauer. „Und gar nicht wenig, da waren schon mal 30 Meter mit dabei.“ Aber das wurde alles aufgedeckt. Zwar nicht ganz einfach, da man am Anfang dazu als Grenzmarkierungen einfache Steine genommen hat. Aber jeder Feldgeschworener hatte ein besonderes Zeichen. Eine bestimmte Art von Tonscherbe, die er unter dem Grenzstein vergrub. So konnte bei einem Streitfall dieses kleine Stück den Ausschlag über die Glaubwürdigkeit geben.

Ganz besonderen Stein entdeckt - mitten in der Wildnis

Bei einer seiner Flurbegehungen hat Sebastian Brömauer einmal einen ganz besonderen Stein entdeckt, über dessen Herkunft er nie was gehört oder gelesen hat. Nicht mal die Hohenfurcher Chronik gibt Auskunft. Der Stein steht mitten in der Wildnis im Wald. Absolut versteckt, aber den Wastl muss er wie ein Magnet angezogen haben.

Wenn die Geschichte um den großen Stein weder Wastl weiß, noch die Chronik, dann muss ein alter Schulmeister zu Rate gezogen werden: der Hohenfurcher Dietrich Kothe. Der weiß eigentlich alles in und über Hohenfurch. Und so machten sich die beiden jüngst gemeinsam auf den Weg in den Wald Richtung Norden.

Dort, wo es keine Wege mehr gibt und Stechmücken über einen herfallen, ist Wastl Brömauer in seinem Element. Im ersten Moment ist noch nichts zu erkennen, alles verwachsen. Dann schnelles Ausrupfen des Unkrauts und der Brennesseln – und das gute Stück steht vor den beiden. Brömauer steht ein Siegerlächeln ins Gesicht geschrieben, bei Kothe rattert es in Sekundenschnelle im Oberstübchen.

Jahreszahl 1785, PF und B, dann noch das Wappen. Das ist was für ihn, jetzt gibt’s einen Unterricht in Geschichte in freier Natur. „Wir stehen an der Grenze von Hohenfurch zu Kurpfalzbaiern. Nördlich davon das Fürstbistum, das Hochstift Augsburg. Es war also der Nachbar des Kurfürsten der Augsburger Bischof mit seinem Herrschaftsbereich“, sagt Kothe. Und da sich die weltlichen Territorialherren schon immer geistliche Fürstentümer unter den Nagel reißen wollten, wurde 1785 noch mal genau vermessen und dieser wunderbar erhaltene Stein gesetzt.

Ein zweiter Versuch, den Stein ohne Sebastian Brömauer wieder zu finden, schlägt fehl. Zu versteckt steht dieser, vielleicht auch gut so. Auf alle Fälle steht auf Hohenfurcher Flur ein seltenes steinernes Stück deutscher Geschichte, und der Wastl hat’s gefunden.

Hans-Helmut Herold

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