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„Nikolaus ist wieder im Bewusstsein“

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Mit Mitra und Bischofsstab ist der Nikolaus ausgestattet, wie man ihm auch in Peiting begegnet. Oft ist der Nikolaus gemeinsam mit dem Krampus unterwegs – und kleinen Engeln. © Hans-Helmut Herold

Am Montagabend ist es so weit: Der Nikolaus macht sich auf in die Häuser, um die Kinder zu besuchen. Wir haben den Nikolaus in Peiting beim Packen seines großen Sacks besucht und mit ihm über seinen Kontrahenten, den Weihnachtsmann, über Konsum und Bommelmützen geplaudert.

Grüß Dich Gott, lieber Nikolaus! Oder soll ich Dich lieber Weihnachtsmann nennen?

Nikolaus: Nein, auf keinen Fall. Der Weihnachtsmann kommt an Weihnachten und der Nikolaus zum Nikolaustag. Es ist schade, dass viele da nicht mehr unterscheiden.

Rein optisch seid Ihr aber schon recht unterschiedlich.

Nikolaus: Der Nikolaus verkörpert den gleichnamigen Bischof, der wirklich gelebt hat. Der Bischof von Myra. Er war Schutzpatron von so vielen, von Seeleuten – und von Kindern, für die er da war. Und ich will seine Botschaft überbringen.

Deshalb siehst Du auch so aus wie er?

Nikolaus: Genau. Ich trage eine Mitra, habe einen Bischofsstab dabei. Und natürlich mein Goldenes Buch.

Ganz anders als der Weihnachtsmann.

Nikolaus: Der ist ja auch eine reine Konsum-Erfindung.

Von Coca Cola?

Nikolaus: Nein, die hat das aufgegriffen. Aber den Weihnachtsmann gab’s schon vorher in den USA. Den haben die erfunden, um das Weihnachtsgeschäft anzukurbeln.

Wenn Du also Werbungen siehst und hörst, die den Weihnachtsmann ins Rennen schicken: Geht Dir da die Mitra hoch?

Nikolaus: Wenn er mit dem Nikolaus in einen Topf geworfen wird, dann schon. Aber eigentlich muss ich mich nicht mehr so oft ärgern. Bei uns im ländlichen Bereich haben sich viele den Nikolaus schon wieder ins Bewusstsein gerufen. Das ging damit los, dass der Trachtenverband und andere Heimatverbände vor ein paar Jahren eine Initiative für echte Nikoläuse aus Schokolade gestartet haben – damals gab es fast nur noch Weihnachtsmänner zu kaufen. Das Lustige ist: In Österreich gab es damals von den gleichen Marken noch die Schokoladenmänner als Nikolaus. Aber bei uns in Bayern nicht. So ist das eben mit Angebot und Nachfrage. Aber jetzt sieht man den Nikolaus aus Schokolade wieder öfter in den Regalen.

Apropos Regale: Wie sieht’s denn aus in Sachen Geschenke-Konsum zu Nikolaus?

Nikolaus: Es ist mir und dem Krampus auch schon passiert, dass wir am Nikolaus-Tag zu einem Haus gekommen sind und so viele Geschenke da waren, dass der Krampus mit seinem Sack gar nicht durch die Tür gepasst hat. Aber, ich muss sagen: Ich komme ja in viele Familien. Und bei den meisten geht das in Ordnung: Ein kleines Geschenk, damit man sieht, dass der Nikolaus da war. Und dazu Nüsse, Mandeln, Mandarinen. Damit sollte es dann auch gut sein. Der Nikolaustag ist ja kein zweites Weihnachten.

Und die Kinder: Sind die auch immer so lieb wie an Weihnachten?

Nikolaus: Für mich sind die Kinder einfach eine volle Freude. Die sind echt schwer in Ordnung. Manche schauen einfach nur mit großen Augen. Freche Kinder: Das habe ich noch nie erlebt. Wenn, dann hebt der Krampus nur einmal seine Rute.

Gab’s dann überhaupt schon mal ein Negativ-Erlebnis für den Nikolaus?

Nikolaus: Die sind die Ausnahme. Aber ich war auch schon in Familien, da war der Glühwein wichtiger als der Nikolaus, Da musste ich die Eltern ermahnen. Und ich musste auch schon zu Eltern sagen: „Jetzt schaltet’s doch mal den Fernseher aus!“ Aber das hatte ich schon lange nicht mehr. Es ist einfach ein wunderbares Fest um den Nikolaus herum.

Gibt es dann überhaupt etwas, dass Dich an dem Nikolaus-Dasein manchmal nervt?

Nikolaus: Manchmal, da kommt mir am Nikolaus-Abend ein Kollege entgegen, der auch Kinder besucht. Und dann sehe ich da Kleidungs-Kombinationen… Eine Mischung aus Bischof und Nikolaus. Und am liebsten würde ich dann schreien: „Sag a mal, wie läufst denn du umanand mit der Bommelmütze!“ Nikolaus ist und bleibt eben Nikolaus.

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