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Im großen Auslauf für die Hühner: Nicole Schilcher aus Kinsau, die als Landwirtin freigesprochen wurde.

Nicole Schilcher aus Kinsau

Eine Landwirtin und die Legehennen

Kinsau - In der Ausbildung zum Landwirt habe sie als Frau all das gelernt, „was die Burschen auch machen“. Das sagt Nicole Schilcher aus Kinsau. Die 25-Jährige gehört zusammen mit Verena Huster aus Weil zu den zwei Frauen, die im Landkreis Landsberg heuer in diesem Beruf freigesprochen wurden. Nach der Lehre kümmert sich Nicole – in Vollzeit angestellt – auf dem elterlichen Betrieb um die Legehennen.

Die Ausbildung ging über zwei Jahre. Bei den meisten Jugendlichen sind es drei Jahre. Nicole Schilcher musste aber das Berufsgrundschuljahr (BGJ) nicht machen. Das hat mit ihrem Werdegang zu tun. Sie hatte in Weilheim das Fachabitur im sozialen Zweig gemacht. Doch ist ihr im Lauf der Jahre klar geworden, dass sie nicht im Büro, nicht in der Industrie und auch nicht im sozialen Zweig arbeiten möchte.

In Weihenstephan begann sie ein Studium im Fach Landwirtschaft. Doch ganz hat sie es nicht durchgezogen. So begann sie eine Lehre. Das erste Jahr war sie auf einem Ackerbaubetrieb in Aubing am Münchner Stadtrand. Das zweite Lehrjahr machte sie auf dem elterlichen Hof in Kinsau.

3000 Legehennen im Stall

Die junge, zierliche Frau mit den langen dunkelblonden Haaren soll den Betrieb übernehmen, den ihr Vater Andreas Schilcher und die Mutter Franziska, die vorwiegend die Arbeiten im Büro erledigt, seit gut 20 Jahren führen. Der Landwirt hatte sich Mitte der neunziger Jahre, als er den Hof überschrieben bekam, zusätzlich zum Milchvieh ein anderes Standbein gesucht. Er entschied sich für Legehennen. Im Jahr 2000 wurde die Milchwirtschaft ganz eingestellt.

Heute werden die Legehennen, die im Alter von 18 Wochen vom Aufzüchter gekauft werden und nach einem Jahr zur Schlachtung abgegeben werden, in drei Herden gehalten und in drei Ställen untergebracht. Nach den Demeter-Kriterien für biologische Landwirtschaft ist eine Auslauffläche von vier Hektar notwendig. Der neue große Stall wurde 2011 im Süden von Kinsau errichtet. Dort werden 3000 Legehennen gehalten.

Als Futter bekommen die Legehennen meist eigenes Getreide, das Familie Schilcher auf 20 Hektar Ackerfläche anbaut. Hauptsächlich ist es Weizen. Hinzu kommt auch Hafer, der zudem fürs Einstreuen verwendet wird. Zugekauft werden Eiweißkomponenten. Diese sind in Ölfrüchten enthalten, aus denen vorher der Saft herausgepresst wurde. Ein Huhn brauche 18 Prozent Eiweiß im Futter, erklärt Andreas Schilcher.

Der Betrieb mit den Legehennen hat keinen Hofladen, sondern beliefert ungefähr 40 Geschäfte. Die werden meist einmal pro Woche angefahren. Fünf Läden und ein Großhändler in Garching werden zweimal in der Woche bedient. Alle Geschäfte werden im Voraus abtelefoniert, um abzuklären, wie groß die Lieferung ausfallen soll. Auf diese Weise gelangen jede Woche 40 000 Eier vom Schilcher-Hof zu den Verbrauchern. Normal erledigt das Ausfahren ein separater Mitarbeiter. Als der aber im August im Urlaub weilte, musste bzw. durfte Nicole Schilcher mit dem Lieferwagen die Touren bewältigen.

5000 braune und weiße Eier

So wie im Grünland oder wie im Ackerbau spielt auch die Technik auf dem Hof eine gewichtige Rolle. Doch Nicole muss nicht nur den Traktor mit dem Pflug lenken oder den Lieferwagen kutschieren. Herzstück ist bei dem Betrieb mit den Legehennen vielmehr die Sortieranlage. Dort werden täglich 5000 braune und weiße Eier für den Vertrieb fertig gemacht.

Nicole Schilcher, die noch zwei ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder hat, schätzt an der Arbeit, dass man sich „mit Pflichtbewusstsein“ um die Tiere kümmern müsse. Das sei bei Hennen nicht anders als in Herden mit Großvieh. Von Vorteil sei, dass sie nicht die strengen Stallzeiten einhalten muss, wie sie z. B. für einen Grünlandbetrieb typisch sind.

Die gelernte Landwirtin wohnt zusammen mit ihrem Freund, der als Vermessungsingenieur tätig ist, in Weilheim. Von dort hat er es nicht so weit nach München in die Arbeit. Nicole fährt täglich zum Hof nach Kinsau. Und was ist nach getaner Arbeit angesagt? Ihre Leidenschaft ist Volleyball. Da spielt sie selbst in der Mannschaft und ist zudem Jugendtrainerin in Schongau. Weitere Hobbys sind Fotografieren und Pilze suchen.

Johannes Jais

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