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Das Orchester Kurzweil beim Auftritt im Kuhstall. Die fünf Musiker tragen alle Hut.

Kultur im Kuhlstall

Orchester Kurzweil mit schräg-schöner Musik

Schwabbruck – Wenn der Name Programm wird, dann ist das Orchester Kurzweil im Raum. Und auch wenn der Markus heuer Bürgermeister „Essig“ vermisst hatte, das Publikum kam beim Konzert im Kuhstall wieder voll auf seine Kosten.

Ein gutes Jahr ist es her, dass das Quintett aus dem Pfaffenwinkel zuletzt im Kuhstall war, also der Veranstaltungsarena in Schwabbruck. Doch da müssen sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Denn auch wenn Norbert Essich gewollt hätte, einen Platz beim Schäferwirt hätte er nicht mehr gefunden. Rappelvoll war der alte Kuhstall, wo sich heute die Künstler, aktuell eben das Orchester Kurzweil, die Klinke in die Hand geben.

Nun standen sie also auf der Bühne, sehnsüchtig erwartet von ihrem Publikum, der Christian, der Franz, Markus, Robert und der Tom und legten auch gleich los. Festlegen, in welche Richtung das geht, was die Fünfe spielen werden, kann man nicht. Zu weit gestreut ist das Repertoire, reicht vom Bayerischen über das Italo- Irische bis zum Country- und Western-Style und zieht sich von Ost über Süd nach West – ohne Migrationshintergrund, wie dem Markus wichtig war zu betonen. Der hatte sich ja auf den Bürgermeister gefreut, wollte ihn was fragen, bloß Norbert Essich war diesmal nicht gekommen. Sehr zur Enttäuschung von Huglfings bestem Geiger.

Umso mehr freute ihn aber die Tatsache, dass die Blaskapelle Schwabbruck die wöchentliche Probe hatte ausfallen lassen, um sich etwas Kurzweil zu geben. „Basst scho‘“, das ist die Überzeugung Christians, der, in der Mitte sitzend, die Fäden zieht bei seinen Bandmitgliedern, die zwischen Sax, Geige und Pfeife, Akkordeon, Posaune und Blockflöte sowie Waschbrett und dem „Bass“ (der Tom) hin- und herwechseln.

Glaubt man, dass nun – wie angekündigt – ein schamanischer Regentanz folgen könnte, entwickelt sich ein keltisch-irisches Musikstück. Bluegrass gibt es, zum Mitklatschen und wippen ebenso wie gute alte Country- und Westernsongs, neu verspielt und interpretiert auf oberbayerische Weise. Darauf legt das Quintett aus dem Osten des Pfaffenwinkels wert, alles handgemacht und von hier. Wobei, so weit im Westen? „Ihr hört Brucker sicher auch lieber als Schwaben?“ waren sich die Fünf sicher.

Eigenkompositionen dürfen natürlich bei dem vielsaitigen Orchester nicht fehlen, das Pistolenduell namens „El Gringo“ ist von uns und auch die Memories an das Fräulein Huster. An die erinnere man sich gerne, so der Christian, hätten doch viele noch den strengen aber eben strengen Musikunterricht bei ihr in Böbing genossen. Die Vorstellung, wie man der Guten Pfeffer geben könnte, in der Flöte, lässt dann schon den einen oder anderen schmunzeln, und mit dem Flötenduell leben die Erinnerungen eben wieder auf.

In Erinnerungen schwelgen kann man auch beim Trauermarsch, den die Fünf zu Ehren Italiens spielen und dem damaligen Ergebnis vor der EM, jenem 4 zu 1 gegen die Squaddra Azzurra. Wie sich dieser Trauermarsch dann entwickelt, kann man aus dem Spitznamen der Fußballelf ablesen. Oder kennen Sie nicht jenen Wunsch, den einst Adriano Celentano so schmollend genial vorgetragen hat? Die Sehnsucht, die Tagträume und das Fernweh an einem Sommertag in der Stadt nach dem blauen Himmel, nach der Liebe: Azzuro. Halt nur a bisserl schräg interpretiert vom Orchester Kurzweil. Das macht den Charme der Boys aus dem östlichen Pfaffenwinkel aus, ihre Art der Interpretation. Was auffällt beim Hosenfalter-Walzer und dem Huad-Leid, nicht zuletzt auch beim Gratlersong, dem Lied des Ostens, wie der Christian meint.

Und so vergeht mit Kurzweil ein Abend, bei dem einem bestimmt nicht langweilig wird. Genialer Name, Chapeau, meine Herren. Die im Übrigen – auch das ein Markenzeichen des Quintetts – alle mit Hut auf der Bühne stehen. So dass ihnen mit der Beleuchtung und ihrer schmissigen Musik garantiert warm wird. Aber sie sollen ja dem Publikum einheizen, nicht der Wirt. Was die Fünf auch diesmal wieder geschafft haben dürften.

Oliver Sommer

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