+
Seit Ende 2008 sind die gewohnten weiß-blauen Lint-Triebwagen unterwegs. Vielleicht nicht mehr lange.

Übergangs-Neuvergabe für zwei Jahre

Ausschreibung: BRB bangt um Weiterbetrieb

Weilheim-Schongau - Seit Ende 2008 ist die Bayerische Regiobahn für den Schienenpersonen-Nahverkehr auf der Strecke Schongau-Weilheim und weiter bis Augsburg verantwortlich, es klappt reibungslos. „Von uns hört man wenig, weil wir so zuverlässig sind“, sagt BRB-Sprecher Christopher Raabe. Doch Ende 2019 endet der Vertrag – es droht das jähe Ende der funktionierenden Beziehung.

Groß war der Jubel bei der BRB, als sie im Mai den Zuschlag für das sogenannte Dieselnetz Augsburg I erhalten hat: Bei einer europaweiten Ausschreibung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrag des Freistaats den Schienenpersonen-Nahverkehr plant, finanziert und kontrolliert, bekam sie den Zuschlag für die Strecken von Augsburg nach Füssen, Augsburg nach Landsberg und München nach Füssen. Ab Ende 2018 bis 2030 wird die BRB diese Strecke bedienen und freut sich laut Sprecher Raabe schon drauf: „Da ist viel touristischer Verkehr mit den Königsschlössern, das ist sehr attraktiv“, so Raabe.

Strich durch die Rechnung gemacht 

Doch gleichzeitig könnte der BRB, die zur französischen Transdev-Gruppe gehört (betreibt noch den Meridian München-Salzburg und die Bayerische Oberlandbahn), ein empfindlicher Verlust drohen. Nämlich der angestammte Betrieb auf dem bestehenden Netz, der örtlichen Pfaffenwinkel- und Ammerseebahn sowie der Paartal- und Altmühlbahn nordöstlich von Augsburg. Der Vertrag mit dem Freistaat für dieses sogenannte Dieselnetz Augsburg II läuft Ende 2019 aus. Zu diesem Zeitpunkt wollte die BEG eigentlich diese Verbindungen mit dem E-Netz-Augsburg zu den Augsburger Netzen zusammenfassen.

Doch diesem Plan machten die Probleme beim Bahnhof-Umbau Stuttgart 21 einen Strich durch die Rechnung. „Der Fernverkehr wird sich auch durch die Fertigstellung von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm wesentlich ändern, was einen weitreichenden Einfluss auf die Augsburger Netze haben wird“, sagt BEG-Sprecherin Agnieszka Urban. Deshalb wurde die Vergabe kurzerhand um zwei Jahre verschoben. Die BRB wiederum dachte, dass ihr Vertrag um diese beiden Jahre verlängert wird und sie bis Ende 2021 die örtlichen Strecken bedienen darf. Schließlich wäre es nicht wirklich sinnvoll, sich als außenstehendes Bahnunternehmen für nur zwei Jahre für den Betrieb zu bewerben.

Deutsche Bahn hat bereits ihr Interesse bekundet

Doch dabei hat die BRB die Rechnung ohne die BEG gemacht – beziehungsweise die Konkurrenz. „Weil wir nach dem Verfahrensverlauf davon ausgehen mussten, dass die BRB nicht der einzige mögliche Betreiber der zu vergebenden Leistungen ist, war eine wettbewerbsfreie Beauftragung der BRB aus vergaberechtlichen Gründen nicht möglich“, so Urban.

Über diese anderen möglichen Betreiber darf sie aus Gründen der Vertraulichkeit nichts sagen, doch ist es ein offenes Geheimnis, dass die Deutsche Bahn nach jedem Strohhalm greift. Sie hat zuletzt – wie beim Dieselnetz Augsburg I gegen die BRB oder bei der S-Bahn Nürnberg, wo sie sich seit eineinhalb Jahren durch alle Instanzen klagt – viele Ausschreibungen verloren. „Das ist für uns interessant, wir schauen uns das an“, bestätigte auch DB-Regio-Sprecher Franz Lindemair auf Anfrage. Gebrauchte Fahrzeuge vom Typ Desiro hat die DB genug zur Verfügung, die könnten also kurzfristig statt der derzeit gewohnten weiß-blauen Lint-Triebwagen der BRB zum Einsatz kommen.

Wer erhält den Zuschlag?

Bis Ende 2019 dauert es zwar noch einige Zeit, doch die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren: „Voraussichtlich im ersten Halbjahr 2017“ soll laut Urban entschieden werden, wer für die zwei Übergangsjahre den Zuschlag für das auch Weilheim-Schongau umfassende Dieselnetz Augsburg II erhält.

Sollte die BRB verlieren, könnte es ein Abschied für lange Zeit werden. Denn der Übergangs-Betreiber dürfte zwei Jahre später die größeren Chancen bei der Bewerbung für die Augsburger Netze haben.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weniger Höfe, mehr Rinder

Weilheim-Schongau - Milchkühe, Mastrinder, Mutterkühe und Kälber: Im Landkreis Weilheim-Schongau werden aktuell 76.530 Rinder gehalten. Das sind 136 mehr als vor einem …
Weniger Höfe, mehr Rinder

Bundestagswahl: Corongiu setzt sich gegen Burger durch

Murnau - Dem Gewinner zittern die Knie: Enrico Corongiu setzt sich bei der Aufstellungskonferenz  gegen Felix Burger durch und kämpft für die SPD um den Einzug in den …
Bundestagswahl: Corongiu setzt sich gegen Burger durch

Kommentare