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Jubilarin Hedwig Bayer mit (v.l.) Tochter Irmgard Stöhr, Schwiegersohn Emil Stöhr, Cordula und Falk Sluyterman.

95. Geburtstag

Lebensrettende Schneider-Lehre

Schongau - „Ich bin im Dreimäderlhaus aufgewachsen,“ erzählt Jubilarin Hedwig Bayer an ihrem 95. Geburtstag den Gratulanten, Bürgermeister Falk Sluyterman und seiner Frau Cordula, bei einem Stück Kirsch-Sahne-Torte.

Das Dreimäderlhaus stand in der kleinen Stadt Hombok in der Nähe von Olmütz, im heutigen Tschechien. „Nach Volks- und Bürgerschule wollte ich eigentlich Lehrerin werden. Dazu hätte ich aber nach Brünn ziehen müssen.“ Ihren Eltern war das zu teuer. So trat sie, vor allem auf Druck der Mutter, im Alter von 14 Jahren eine Lehre zur Schneiderin an.

Doch in diesem Beruf arbeitete sie nicht lange: Nach der Lehre folgte eine Fortbildung, die 18-Jährige arbeitete schließlich als Verwaltungsangestellte bei der Wehrmacht. In dieser Zeit war der Zweite Weltkrieg bereits im Gange, die Auswirkungen bekam die junge Frau bald zu spüren. „Es war 1945, fünf Angestellte des Büros waren noch bei der Arbeit“, erzählt sie. „Wir sollten den Lohn der Soldaten berechnen und ihn den Angehörigen zuschicken. Plötzlich hörten wir Schüsse.“ Russische und deutsche Soldaten lieferten sich unweit ein Gefecht. „Wir wollten sofort das Büro verlassen, aber nicht ohne die Karteikästen, die für die Berechnungen nötig sind. Wir dachten an die Frauen, die auf das Geld ihrer Männer angewiesen sind.“

Keine Freunde des Dritten Reichs

„Hitler kündigte ja immer noch an, der Krieg wird gewonnen. Obwohl auf dergleichen eine hohe Strafe stand, haben wir uns Witze darüber erzählt wie diesen: Wer gewinnt den Krieg? Die Amerikaner mit der Kasse? Der Russe mit der Masse? Der Brite mit der Presse oder der Deutsche mit der Fresse?“

Nach der deutschen Niederlage wurde Hedwig Bayer schließlich ihre Arbeit für die Wehrmacht zum Verhängnis: Schon unterwegs mit Koffern, wurde sie von einem Bürger verraten und ins Internierungslager Olmütz deportiert. Bei einer täglichen Ration von jeweils einem Teller dünner Suppe aus Wasser und Rüben und einem Stück Brot morgens und abends hieß es Steine klopfen am Bahnhof. „Zur Zwangsarbeit wurden wir mit aufgepflanzten Bajonetten getrieben, geschlafen haben über 40 Leute auf dem bloßen Holzboden.“

Das Leben gerettet hat ihr in dieser Zeit ihre Schneiderlehre, die sie ja ursprünglich gar nicht machen wollte. Für Tschechische Frauen wurden Haushaltshilfen gesucht. „Dafür habe ich mich gemeldet und habe die Dame des Hauses gleich mit Gnädige Frau angesprochen.“ Daraufhin seien ihr prompt Kaffee und Kuchen angeboten worden.

Der Zug hat in Peiting gehalten

Nach einem Jahr Internierungslager und der Arbeit in verschiedenen Haushalten bekam Hedwig Bayer 1946 den Bescheid für ihre Ausweisung. „Wir wurden in geschlossene Kohlewägen verfrachtet und waren zwei Tage ohne Essen und Trinken unterwegs. Der Zug hat dann in Peiting gehalten.“ In ihrer neuen Heimat machte sie sich selbstständig und war bald im ganzen Landkreis für ihre Fertigkeiten als Schneiderin bekannt. In Peiting lernte sie auch ihren Mann Gustav kennen, dessen geschiedene Mutter ihre Nachbarin war. 1949 heirateten die beiden, gemeinsam bekamen sie einen Sohn und eine Tochter.

1982 zog das Ehepaar dann nach Schongau ins Forchet. Dort lebt Hedwig Bayer auch heute noch. Ihre ganze Familie aus dem Dreimäderlhaus ist übrigens in der alten Heimat geblieben.

Franziskus Reich

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