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„Lieber Qualität statt Masse“

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Die Grünen im Dachsbräu Weilheim 23102015Foto Ruder
Für die Stärkung von ländlichem Raum und Bio-Landwirtschaft: Gisela Sengl und Ludwig Hartmann (stehend). © ru

Weilheim - Für eine Stärkung des ländlichen Raums und der Bio-Landwirtschaft haben sich die Grünen ausgesprochen. Bei einer Tagung in Weilheim diskutieren sie über Landwirtschaft und die Probleme beim Milchpreis.

„Mehr Wertschöpfung im ländlichen Raum“ zu behalten sieht Gisela Sengl, die agrarpolitische Sprecherin von „Bündnis 90 / Die Grünen“ im bayerischen Landtag, als eine Möglichkeit, die Situation der Bauern zu verbessern. Landwirte müssten versuchen, ihre Produkte selbst zu verarbeiten und in der Region zu vermarkten. Nach ihrer Einschätzung sind die Verbraucher durchaus bereit, für regionale Spezialitäten etwas mehr zu zahlen als für Standardprodukte, die überall in gleicher Qualität erhältlich sind.

Milch zu Joghurt zu verarbeiten, wie es auf dem Westenrieder-Hof in Söchering gemacht werde, sei eine Möglichkeit, ein traditionelles Bier zu brauen, wie es der „Dachs-Bräu“ in Weilheim mache, eine andere. Die beiden Produktionsstätten hatten die Abgeordnete und ihr Kollege Ludwig Hartmann in Begleitung von örtlichen Parteifreunden besucht, bevor sie am Freitagabend in der Wirtschaft des „Dachsbräu“ mit Besuchern über die Agrarpolitik – „neben Energiepolitik und Bildungspolitik“ laut Sengl „ein Urthema der Grünen“ – diskutierten.

Sengl sieht in der Mengensteigerung keine Lösung des aktuellen Problems im Grünlandgürtel. Im Gegenteil: Je mehr Milch produziert werde, desto weiter falle der Preis. „Qualität statt Masse“ laute die Losung. Bauern sollten auf die Produktion von Biomilch umsteigen. Derzeit würden in Deutschland 178 Prozent der benötigten konventionellen Milch produziert, aber nur 68 Prozent der Bio-Milch. Bis 2020 will Sengl erreichen, dass 20 Prozent der Bauern Bio-Bauern sind.

„Der Windkraft eine Heimat in Bayern geben“ ist ein weiteres Ziel, das sich Sengl gesetzt hat. „Auf dem Land Strom produzieren und in die Stadt exportieren“ würde den ländlichen Raum stärken. Auch von Tourismus könnte die Region profitieren. Die Tagesgäste müssten aber „mit dem Zug zum Wandern fahren“, damit das Alpenvorland nicht durch zunehmenden Autoverkehr unattraktiv werde. Dafür müsse die Bahnstrecke von München nach Garmisch-Partenkirchen ausgebaut werden.

Der Kreisvorsitzende des BDM (Bund deutscher Milchviehhalter), Bernhard Heger, der unter den 30 Besuchern des Wirtshausdiskurses war, stimmte Sengl nicht zu, als diese gesagt hatte, die Bauern dürften nicht nur jammern. „Es kommt nicht gut an, wenn es heißt: Die Bauern jammern bloß“, so Heger.

Vize-Landrat Karl-Heinz Grehl sieht ein grundsätzliches Problem darin, dass zu sehr „auf Masse produziert“ werde. „Soja aus Brasilien“ führe zu einer Übermenge an Milch, was deren Preis drücke. Bauern sollten mit eigenem Futter weniger Milch produzieren und diese dann teurer verkaufen.

st

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