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Sind schon seit einer Woche im Stall: Die Hühner vom Schilcherhof in Kinsau, im Bild Nicole Schilcher.

Geflügelpest: So reagieren die Tierhalter

Kalt erwischt von der Stallpflicht

Weilheim-Schongau - Auch wenn im Landkreis Weilheim-Schongau bislang kein Fall von Vogelgrippe aufgetreten ist: Seit gestern dürfen keine Tiere mehr nach draußen, der Freistaat hat eine komplette Stallpflicht angeordnet. Manche Geflügelbesitzer hatten das sowieso schon getan, andere wurden davon überrascht.

Nach dem Ammersee hatte die Geflügelpest im Landkreis Starnberg auch den Starnberger See erreicht: Bei einer toten Wildente, die bei Feldafing gefunden wurde, ist die Vogelgrippe festgestellt worden, wurde am Donnerstagabend bekannt. Alarmbereitschaft also im nördlichen Landkreis Weilheim-Schongau, wo rund um die Seen eine Stallpflicht eingerichtet wurde. Auch der Landkreis Landsberg war betroffen, von der Westseite des Ammersees.

Auf dem Schilcherhof sind die Hühner schon eine Woche drin

Auf dem Schilcherhof in Kinsau hatte sich das rege Treiben, Scharren und Flattern bereits zuvor unters Dach verlagert. Die 7800 Tiere auf dem Demeter-Hof sind schon seit einer Woche im Hühnerstall. Wie gut, dass – so wollen es schon die strengen Demeter-Richtlinien – auch dort genug Platz für friedliches Miteinander statt gegenseitiges Hacken ist. Dass Franziska Schilcher die Freiluft-Saison aus Angst vor der Vogelgrippe vorzeitig beendet hat, daran stört sich das Gefieder nicht, räkelt sich im eigenen Hühner-Wintergarten.

Den Stall-„Arrest“ haben sie und ihr Mann den Tieren freiwillig verordnet. Auch wegen der Lage des idyllischen Demeter-Hofs: „Der Lech ist nur 500 Meter von uns entfernt.“ Die Angst vor infizierten Zugvögeln und den Fäkalien, die diese vielleicht im Hofbereich abwerfen, ist groß.

Während sich das Geflügel im Wintergarten sonnt, machen sich die Besitzer düstere Gedanken. „Wenn du von so einer Seuche als Landwirt betroffen bist, dann ist das der Untergang“, sagt Franziska Schilcher. Eine Versicherung, die einen solch hohen Schaden – den Verlust einer ganzen Herde – abdeckt, gibt es nicht. „So etwas will man sich gar nicht ausmalen.“

Das will Barbara Fischer vom Fischerhof in Hohenfurch auch nicht. 5000 Hennen und 200 Gänse kannten sich hier bis gestern noch immer die frische Luft um den Schnabel wehen lassen. Das liegt in erster Linie an der Lage des großen landwirtschaftlichen Anwesens. Vom Lech ist der Fischerhof fünf Kilometer entfernt. Nicht nur deshalb verirren sich dort nur selten bis gar nicht Zugvögel hin. Die B 17 ist nicht weit entfernt, außerdem wirkt sich auch der rege Flugbetrieb der Kaserne in Altenstadt auf die Ruhe am Fischerhof aus. In diesem Fall positiv: „Lärm mögen die Zugvögel nicht“, sagt Barbara Fischer. Ebenso wenig die Hunde, die immer am Freilaufgehege aufpassen.

„Man darf sich da nicht verrückt machen“, sagte sie noch gestern Vormittag. Da hoffte sie noch, dass kein Stall-Zwang verordnet wird. Nicht wegen der Hennen, die auch drin gut klarkommen. Sondern vor allem wegen den Gänsen. „Die kennen nur Freilauf, die kriegen drin einen Lagerkoller.“ Vor allem die Erpel könnten unter diesen Umständen „radikal“ sein und aggressiv werden. Die Folge: „Wir müssten alle Tier sofort schlachten.“

Ausnahmeregelung für die Gänse?

Als die Fischers gegen 14 Uhr durch die SN erfuhren, dass es jetzt doch eine Stallpflicht gibt, musste sich Jürgen Fischer erst einmal sammeln: „Ich muss jetzt erst einmal mit dem Veterinäramt reden.“ Grundsätzlich sei die Stallpflicht für Hühner nicht schlecht – das fordere der Deutsche Geflügelverband schon seit einer Woche, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren. Aber für die Gänse würde er sich eine Ausnahmegenehmigung wünschen, eine Härtefallregelung. „Wer sind nicht nahe des Ammer- oder Starnberger Sees, wir sind kein Zugvogelgebiet.“ Die seien alle schon durch. Wer jetzt verendet ist, sei ein Nachzügler gewesen.

Räumlich sei die Stallpflicht kein Problem, so Jürgen Fischer, man habe noch einen freien Stall. Und durch die Anweisung des Freistaats muss er auch finanziell keine Nachteile befürchten: Übergangsweise dürfen Eier von Freilandhühnern, die durch die Stallpflicht nach drinnen gezwungen werden, weiter als Freilandeier angeboten werden.

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