Aus dem Gericht

„Greislige Situation“ endet mit Freispruch

Fuchstal - Zwei Schüsse knallen am Ortsrand im Fuchstal, ein junger Jagdhund wird zum Apportieren losgeschickt und sieht sich einer wehrhaften Krähe gegenüber. Für seinen Besitzer eine unangenehme Situation, für eine Zeugin die reinste Tierquälerei.

Sich in dieser emotionalen Gemengelage einen Überblick zu verschaffen, war die Aufgabe von Richter Andreas Niedermeier am Landsberger Amtsgericht. Das Verfahren endete mit einem Freispruch.

Das Urteil quittierte die Zeugin mit einem Kopfschütteln, bei ihrer Aussage davor war der Angeklagte, ein Jäger aus dem Fuchstal, seinerseits mehrmals um Fassung bemüht. Klar ist: Freunde dürften beide Parteien nicht mehr werden.

Dabei hatten sie gar keine so grundverschiedene Sichtweise auf einen Vorfall im September vergangenen Jahres. Das sah auch Richter Niedermeier so: „Sie haben beide eine subjektive Wahrnehmung, doch objektiv liegen wir gar nicht so weit auseinander.“

Sorge und Peinlichkeit

Als Ursache für den Gerichtstermin schilderte der Angeklagte folgenden Sachverhalt: Er hatte auf einem Acker im Fuchstal mit der Schrotflinte auf eine Krähe geschossen. Der übrige Schwarm erhob sich, das getroffene Tier blieb vermeintlich tot liegen. Für den Schützen war die Sache klar, sein junger Hund machte sich auf zum Apport.

Bei der Beute angelangt, mobilisierte der Vogel jedoch seine verbliebenen Lebensgeister, hackte nach dem vierbeinigen Angreifer und flatterte einige Meter davon. Der Hund, nach Aussage des 50-Jährigen teuer ausgebildet und ein echtes Familienmitglied, setzte nach, packte die Krähe und schleuderte sie davon. Zu seinem Herrchen bringen wollte er den nun toten Vogel nach der ersten Auseinandersetzung aber nicht mehr. Für den Jäger, der beteuerte, oftmals bei der Nachsuche, zum Beispiel nach Autounfällen, mitzuhelfen, um Tieren ein möglichst schonendes Ende zu bereiten, eine unangenehme Situation: Denn zu der Sorge um seinen womöglich verletzten Hund gesellte sich die „Peinlichkeit“, die Lage falsch bewertet zu haben.

Doch es wurde noch unangenehmer: 

Eine Frau hatte das Geschehen beobachtet und war zu der Einschätzung gelangt, dass der Hund weniger das Apportieren, als vielmehr das Totbeißen üben sollte – was unter den Tatbestand der Tierquälerei gefallen wäre.

Am Ende setzte sich die Auffassung durch, dass dem Angeklagten kein Fehlverhalten nachzuweisen sei. Tatsächlich unterschieden sich die Standpunkte nur in einzelnen Aspekten, die dann aber jeweils zu den unterschiedlichen Schlüssen führten. Der Angeklagte schilderte immer wieder, welch große Stresssituation auf ihm gelastet habe, die Zeugin räumte „wahnsinnige Aufregung“ ein. „Für Sie beide war es eine greislige Situation“, summierte Richter Niedermeier, der sich mit seinem Freispruch dem Antrag des Verteidigers und der Darlegung von Staatsanwältin Julia Scholz anschloss.

Rasso Schorer

Rubriklistenbild: © dpa

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