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Das Dach ist ab: Die Zwiebelhaube wird in der Werkstatt neu gemacht und mit dem Kran wieder aufgesetzt.

Lorenzkapelle Epfach  

Auch der Zwiebelturm war kaputt

Epfach - Eigentlich hätte nur die Wetterseite der Epfacher Lorenzkapelle renoviert werden sollen. Heraus kamen bei der statischen Untersuchung jedoch gravierende Schäden: Eine ordentliche Dachsanierung war nötig. 

Es war eine spektakuläre Aktion für große Jungs. Mit einem Autokran wurde in der vergangenen Woche das Zwiebeldach der Epfacher Lorenzkapelle heruntergelupft. 900 Kilogramm schwer, 2,5 Meter breit und 3,4 Meter hoch. Also durchaus ein ordentliches Trumm – und komplett kaputt. „Das Dach war von Wasser und Insektenfraß komplett zerstört“, sagt Wolfgang Bichtele von der Holzbaufirma Taufratshofer-Bichtele. In seinem Betrieb in Blonhofen wird nun die hölzerne Unterkonstruktion neu gemacht, die Verblechung des Zwiebeldachs fertigt ein Spengler ebenso dort an.

Aber wie kam es so weit bei der Lorenz-Kapelle? Das geschichtsträchtige Kleinod aus dem 18. Jahrhundert war das letzte Mal Ende der 1970er Jahre saniert worden. 2006 hatte man noch an einigen Stellen den Holzwurm bekämpft und einige Balken notdürftig ausgebessert.

Nun, nachdem man das Gerüst aufstellte, um eigentlich nur auf Nord- und Westseite ein paar Reparaturen auszuführen, die böse Überraschung: Etliche Sparren und Zugbalken verfault, auch das Mauerband war stark in Mitleidenschaft gezogen, Gesimse waren zerfallen. „Da muss wohl über viele Jahre Wasser eingedrungen sein“, vermutet der Epfacher Kirchenpfleger Meinrad Klein bedauernd. Und: „Da hat man einfach ohne Gerüst nicht reingesehen. Aber nun mussten wir etwas machen und durften auch nicht mehr damit warten.“

Die Diözese Augsburg, die sich mit 60 Prozent an den Kosten beteiligt, schickte einen Statiker, der eine Bestandsaufnahme machte. Dies ist seit dem Einsturz der Halle in Bad Reichenhall 2006 bei solchen öffentlichen Gebäuden obligatorisch. Ende September legten die Zimmerer tatkräftig los: Balken wurden verstärkt und verschraubt, loses Mauerwerk nachgemauert, schadhafte Balken ersetzt. Das gesamte Mauerband wurde aus Eichenholz kunstvoll eingesetzt. Nach und nach konnte so die gesamte Balkenkonstruktion so ertüchtigt werden. Die kommenden Wochen wird das Dach von Chor und Hauptschiff mit Kirchenbiber neu eingedeckt. Auch nicht ganz einfach bei dem Baudenkmal. „Jede Dachplatte muss zwei Mal geschnitten werden“, so Bichtele. Das sind pro Quadratmeter Dachfläche etwa 110 Schnitte.

Zimmerer Bichtele ist froh, dass die Turmaktion in der vergangenen Woche gut über die Bühne lief. „Da hätten wir wegen der Witterung nicht mehr länger warten können, das war die letzte Chance in diesem Jahr“, sagt er sichtlich erleichtert. Denn die Zufahrt zur Kapelle ist eng und unwegsam, bei feuchtem Wetter wird der Boden zu Morast, bei Schnee zur Rutschpartie. Und die Kosten? Waren anfangs mit 190 000 Euro veranschlagt.

Nachdem sich die Schäden schlimmer als erwartet herausstellten, werden es wohl knapp 250 000 Euro werden. 60 Prozent davon trägt die Diözese. An öffentlichen Zuschüssen kommen von Gemeinde, Bezirk und Denkmalpflegern etwa 60 000 Euro zusammen. Bleibt für die Pfarrgemeinde St. Bartholomäus der Anteil von rund 50 000 Euro hängen.

„Gottseidank haben wir noch von der Kircheninnenrenovierung etwas übrig, bei dem wir bereits an die Lorenzkapelle gedacht hatten“, sagt Kirchenpfleger Klein. Die restlichen Kosten können, so Klein, wahrscheinlich aus Holzverkäufen aus dem Besitz der Pfarrgemeinde gedeckt werden.

Das fertige Zwiebeldach wird erst im kommenden Jahr auf den Turm montiert werden. Zusätzlich erhält die Kapelle dann einen neuen, denkmalgerechten Anstrich. Aber dann sollte die idyllische Kapelle in Epfach erst mal viele Jahrzehnte wieder sicher stehen.

Klaus Mergel

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