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Selbst Profis kaufen bei ihm: Werner Prinzing berät Zimmerermeister Christoph Ried aus Oberdießen.

Der Meister der Schrauben lebt im Lechrain

Das ist Bayerns kleinster Baumarkt

Leeder - Im Lechrain gibt es einen Mann, dem macht so schnell keiner was vor, wenn es um Werkzeug geht. Er wollte, dass die Handwerker in seiner Gemeinde nicht mehr weite Strecken zum nächsten Baumarkt fahren müssen – und hat kurzerhand selbst einen eröffnet. Den vielleicht kleinsten Baumarkt Bayerns.

Bei Steve Jobs war es eine Garage – bei Werner Prinzing ein Keller. Gerade für drei Regale Schrauben war Platz. Doch dem 46-Jährigen haben diese 20 Quadratmeter vor neun Jahren gereicht, um den Obis, Hornbachs und Tooms die Stirn zu bieten. Inzwischen hat sich Prinzing mit seinem 225 Quadratmeter-Laden zur wertvollen Stütze der Hand- und Heimwerker weit über die Grenzen des Marktes Leeder (Kreis Landsberg am Lech) entwickelt.

Der kleine Baumarkt im Lechrain: Vergangenes Jahr hat Prinzing für seinen Laden ein Haus gebaut.

Vielleicht hinkt der Vergleich zwischen dem Mini-Baumarkt Lechrain und dem Apple-Imperium. Und es ist fraglich, ob es die Baumarktbranche mit ihrem Jahresumsatz von mehr als drei Milliarden Euro in Bayern kratzt, dass da einer in ihrem Revier wildert. Naja, ein bisschen vielleicht doch: Landsberg am Lech und Schongau – beide rund 15 Kilometer von Leeder entfernt – fehlen inzwischen ein paar Kunden. Die sparen sich den Weg – und schätzen die Beratung von Prinzing.

„Hast du keine Kreuzschlitzschrauben da?“, fragt ein Kunde, am großen Fendt-Traktor vor der Tür unschwer als Landwirt zu erkennen. „Du weißt doch, dass ich nur noch Torx hab “, sagt Prinzing. Bedeutet: Nimm, was die Profis nehmen. Prinzing weiß was und kann was.

Der gelernte Werkzeugmacher hat jahrelang in einer Landwirtschaft und beim Hausbau der Nachbarn geholfen. Den Keller des Maibaumvereins baute er fast allein. „Oft steht einer in der Tür, und sagt: Ich brauche eine Schraube“, sagt Prinzing. Holzgewinde, metrisch, was hast du vor? Mit so einer Kompetenz können Baumärkte selten dienen.

Prinzing ist ein Mann wie ein Bär – und zwar einer von der Teddysorte. Sommer wie Winter im XXL-T-Shirt, immer mit Schlappen. Gemütliche Ausstrahlung. Da kriegt man Lust, bei ihm zu kaufen. Bei ihm gibt’s für alle was: Weidenkörbe, Grillkohle, Gartengeräte, Kleber, Pinsel, Nägel. Für Kinder: Spielzeugtraktoren. Und Werkzeug von Bosch, die blaue Profiqualität.

Viele Jahre hat Prinzing beim Automobilzulieferer Hirschvogel gearbeitet. Er hat sogar die Meisterschule gemacht, aber „die hatten keine Stelle für mich“. Als er vor neun Jahren von zu Hause auszog, benötigte er Schrauben und Werkzeug. Fand im Internet einen günstigen Anbieter, ein befreundeter Zimmerermeister gab ihm den Tipp. Mach du das, habe der damals gesagt, ich kauf dann bei dir. Es folgten die besagten drei Kellerregale. Immer ein paar Stunden neben dem Job, die Kundschaft wuchs stetig. „Ich hab noch nie Werbung gemacht“, sagt Prinzing. Man weiß nicht recht, ob man ihn für das Wachstum beglückwünschen oder bemitleiden soll: Für die Blaskapelle hat er längst keine Zeit mehr. Längst kommen seine Kunden nicht mehr nur aus der 1900-Einwohner-Gemeinde. Einer von ihnen ist der 34-jährige Zimmerermeister Christoph Ried, der in Leeder gerade zwei Baustellen hat. „Der Werner ist meine Vergesslichkeitshilfe“, sagt er. Ein paar Bauschrauben oder ein ordentliches Stemmeisen, wenn man beim Balkenabbinden gerade eines zerhauen hat.

Anfang 2015 hat Prinzing seinen Job aufgegeben und ein neues Gebäude am Ortseingang gebaut. Ohne Gründungszuschuss, nur mit ein paar Beratungsterminen bei der IHK, um einen Businessplan zu erstellen und die Buchhaltung zu verstehen. „Ich habe nie gezweifelt“, sagt er. Sein Vater Georg, 73, der im Laden hilft, sagt: „Bewundernswert, wie er das macht.“ Mutter Hannelore hilft bei der Buchhaltung, ein echter Familienbetrieb. Inzwischen führt er nebenbei eine Postagentur – damit platzte sein Laden aus den Nähten. Wohin mit den Paketen? Da Prinzing sich zu helfen weiß, folgte schnell die Lösung: Ein Wanddurchbruch, ein Schiffscontainer, in den er einen Durchgang schnitt – fertig war das zusätzliche Lager. Natürlich, das weiß er, wird er erweitern müssen. Aber nicht gleich. Und Prinzing verrät gleich noch ein Erfolgsrezept: „Langsames Wachstum ist das beste.“

Klaus Mergel

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