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Der Wiederaufbau läuft: In den blauen Containern ist die Verwaltung untergebracht.

Nach Großbrand in Prem

Viel Geduld beim Wiederaufbau

Prem - Es war der verheerendste Brand im vergangenen Jahr im Landkreis Weilheim-Schongau: Ein Feuer in der Premer Holzmanufaktur Sieber&Haslach zerstörte nahezu den gesamten Betrieb, und trotzdem kündigte Firmengründer Ludwig Sieber damals an: „In einer Woche produzieren wir wieder.“ Es hat dann drei Wochen gedauert bis zur ersten Auslieferung. Doch der Weg in die Normalität ist noch weit.

Am Tag nach dem Brand am 23. März 2015 glich die Schreinerei einer Ruine.

Das große Gartenhaus schaut prächtig aus. Wie ein Fremdkörper steht es auf dem Gelände der Schreinerei, das einzige intakte Gebäude inmitten von Baustellen, Provisorien und Containern. Erst innen wird klar, dass es sich auch um eine Notlösung handelt: „Wir haben es aufgestellt, damit wir wenigstens unsere Holzfußböden herzeigen können“, sagt Firmenchef Ludwig Sieber. Schließlich muss eine Schreinerei ihre Produkte herzeigen können. Möbel- und Treppenmodelle haben in der Gartenhütte natürlich keinen Platz, dafür müssen Abbildungen in Ordnern reichen. Und weil die Baustelle abschreckt, kommen eher weniger Besucher vorbei. „Aber es ist besser als am Anfang. Da haben wir gar nichts herzeigen können“, sagt Sieber.

Am Anfang. Damit meint der Firmengründer die Tage und Wochen nach dem 23. März 2015. Bei Reinigungsarbeiten war das Feuer in dem erst fünf Jahre zuvor errichteten Neubau ausgebrochen und hatte neben der Produktionshalle auch Büro-, Lager- und Ausstellungsräume komplett zerstört. Bei der Schadenshöhe müssen Sieber und seine Frau Silke kurz überlegen: „Das Gebäude waren 1,2 Millionen, das Material wie Maschinen 1,8 Millionen plus 600.000 Euro Betriebsunterbrechungsschaden“, rechnen beide vor – also 3,6 Millionen Euro insgesamt. Das hat sich aber erst nach und nach herausgestellt.

Auch wenn die Zusammenarbeit mit den Sachverständigen gut war, wie Sieber betont, sei die Versicherungsabwicklung sehr zeit- und arbeitsintensiv gewesen. Wichtiger war den Siebers und ihren Partnern Gerhard und Andrea Haslach, die Produktion wieder zum Laufen zu bekommen. „Wir haben viele große Geschäftskunden. Die bleiben einem erhalten, wenn die Unterbrechung nicht zu

lange dauert“, sagt er.

Zum Glück hatte Ludwig Sieber in einem Geistesblitz den Server aus dem brennenden Gebäude gerettet, so konnten alle Daten erhalten werden. Nur fünf Aufträge mussten storniert werden, dann war die Schreinerei wieder lieferfähig – wenn auch mit viel Provisorien und Hilfe von außen. Neben den Mitarbeitern, die sich Tag und Nacht reingehängt haben, gab es zahlreiche Hilfsangebote andrer Schreinereien, Firmen und Privatleute, für die sich die Siebers noch einmal herzlich bedanken wollen. So wurde die Schreinerei in eine leerstehende Halle der Zimmerei Jörg verlagert, nur rund 100 Meter entfernt. In Biessenhofen wurde eine Halle angemietet und schließlich der Lagerhallen-Rohbau – das einzige Gebäude, das den Brand überstanden hatte – zur Produktion genutzt.

Ludwig Sieber ein paar Tage nach dem Brand auf dem Trümmerhaufen, der einmal seine Schreinerei war.

Die Transportkosten sind wegen der vielen Fahrerei enorm gestiegen, auch ein eigener Lkw wurde angeschafft – und sogar drei Angestellte zusätzlich eingestellt, um die vielen Aufträge unter erschwerten Bedingungen bewältigen zu können. Parallel liefen die Planungen für den Wiederaufbau, die sich auch viel länger hinzogen als gedacht. Im Februar habe das Landratsamt den Bauplan genehmigt. „Wir dachten, wir fangen im Mai an und sind im Herbst fertig“, so Sieber. Doch viel höherer Anforderungen bei Statik und Brandschutz, die es beim Bau 2010 in dem Ausmaß noch nicht gab, sorgten für wochenlange Verzögerungen. Erst Ende August ging es richtig los, und die Zeit drängt: Ende des Jahres läuft der Mietvertrag für die Halle in Biessenhofen aus, die wird anderweitig benötigt – bis dahin muss die neue Produktionshalle zumindest im Erdgeschoss fertig sein, komme was wolle.

Ludwig Sieber an der selben Stelle, wo ab Januar wieder produziert werden soll.

Wann alles komplett fertig und die Produktion wieder am Sitz in Prem konzentriert ist, können die Siebers noch nicht sagen. Irgendwann müssen sie nach dem monatelangen Stress auch mal durchschnaufen. Weil das Maschinen- und Werkzeugunternehmen Hipp, das damals Räume im Gebäude gemietet hatte, nicht mehr zurückkehrt, hat die Holzmanufaktur mehr Platz – der soll vor allem für zusätzliche Ausstellungsflächen genutzt werden. Dann wird die Gartenhütte frei – und vielleicht in Siebers Garten aufgestellt. Als kleine Erinnerung an schwere Zeiten.

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