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Mit großen Baggern kann in Burggen gewerkelt werden.

Neue Attraktion

O'baggert is jetzt in Burggen

Burggen - Heute schon gebaggert? Wer schon immer einmal die Hebel eines echten Baggers bedienen wollte, kann dies in Burggen tun. Lange hat Stefan Zech aus Marktoberdorf warten müssen, bis die Dieselmaschinen im Gewerbegebiet anspringen durften, jetzt werden Erdberge versetzt. Von wem? Vor allem vom weiblichen Geschlecht!

Rein in die Gummistiefel, rauf ins Führerhaus und anschnallen. Zwar darf man den 21-Tonnen-Liebherr nicht vom Fleck bewegen, das Fahrwerk ist aus Sicherheitsgründen stillgelegt. Aber alles andere funktioniert wie bei jedem anderen Bagger auch. Stefan Zech, der sich mit dem Baggerpark in Burggen einen großen Traum verwirklicht hat, erklärt erst einmal alle Funktionen. Zwei Hebel sind zu bedienen: Mit dem rechten bewegt man Hauptarm und Löffel, mit dem linken den Stiel, also quasi Unterarm des Baggers, und die Baumaschine um seine eigene Achse. Gar nicht schwer zu merken. Also vorglühen, Zündschlüssel rumdrehen, und schon schnurrt der Motor – erstaunlich leise übrigens.

Die ersten Bewegungen mit dem Hauptarm des Baggers und dem Löffel sind einfach. Dann klettert Zech mit ins Führerhaus für die nächste Übung: Probeweise den linken Hebel nach rechts und links schieben zum Drehen des ganzen Baggers. Das schwere Arbeitsgerät bewegt sich ganz ruhig. Aber jetzt alleine und alles zusammen: Stiel ausrichten, Baggerarm senken, Löffel ins Erdreich eintauchen, Erde aufnehmen und an anderer Stelle wieder abkippen. Alles kinderleicht mit 130 PS, der 6,4-Liter-Maschine und vor allem 300 bar Hydraulikdruck. Ein tolles Gefühl, als die erste Ladung wieder nach unten prasselt.

Ohne gute Konzentration geht das aber nicht. „Das darf man nicht unterschätzen“, so Zech. Grube ausheben, wieder zumachen und Oberfläche glattziehen – das ist ein leichtes Spiel für Maschine und Motor, aber erst einmal harte Arbeit für die grauen Zellen. „Den meisten reicht das schon fürs erste, damit ist man schon eine gute Stunde beschäftigt“, weiß Zech.

Bis es jetzt soweit war, hat der Marktoberdorfer einen langen Atem und gute Nerven gebraucht. Von der Idee bis zum Start des Freizeit-Baggerparks in Burggen sind sechseinhalb Jahre vergangen. In einer Kiesgrube – die elterliche wäre sogar vorhanden gewesen – ist so ein Freizeitpark in Deutschland nicht umsetzbar, also machte sich der 35-Jährige auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück. „Ich bin ganz schön rumgekommen, das Allgäu hatte ich nach dreieinhalb Jahren durch“, erzählt der Maschinenbautechniker.

Als er vom Gewerbegebiet Burggen erfuhr und sich Bürgermeister Joseph Schuster dem Vorhaben gegenüber sehr offen zeigte, begannen die Behördengänge. Denn Erfahrung hatte mit so einem außergewöhnlichen Genehmigungsverfahren natürlich niemand. Sogar jede Menge Papiere sind notwendig. Vor allem das Lärmschutzgutachten war wichtig. Jedes einzelne Fahrzeug – neben dem 21-Tonner stehen zwei Kubota mit 1,7 Tonnen zur Verfügung sowie zwei kleine Elektro-Bagger mit Münzeinwurf für die Kinder – wurde abgenommen. Auch wenn alles seine Zeit dauerte, „die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt war super, ich habe insgesamt bei allen viel Glück gehabt bei der Unterstützung“, blickt der dreifache Vater zurück. Den Rücken gestärkt habe ihm vor allem seine Frau, „ohne Carmen wäre es nicht gegangen“.

Das erste Gespräch mit Burggen war im Herbst 2013, im Juni lief der Freizeitpark im Probebetrieb an. „Die Kinderkrankheiten sind ausgeräumt, wir haben alles im Griff“, so Zech. Bei Baggerbegeisterten hat sich der Freizeitpark schon längst herumgesprochen. Kein Wunder, bietet sich schließlich die nächste Möglichkeit, ein großes Erdloch auszuheben, erst wieder in Bamberg.

An die Hebel der kleinen Bagger darf man ab sechs Jahren, in den großen ab 14 oder auf dem Schoß vom Papa. Und wer denkt, dass hauptsächlich die Herren der Schöpfung am Baggern sind, täuscht sich. „Zwar gehört das Bagger- oder Schlepperfahren wohl zum Basis-Instinkt bei den meisten Männern, aber es ist ein Phänomen, dass wahnsinnig viele Frauen kommen.“ Und von wegen Frauen und Technik, das geht nicht zusammen: Die Damen gehen laut Zech eher unbedarft an die Sache ran, während jeder Mann ja per se schon Baggerfahren können muss. Zech: „Wir hatten einen Firmenausflug: neun Damen und der Chef. Am Ende wollten sie vom Bagger gar nicht mehr runter.“

Info:

Geöffnet ist der Baggerpark im Gewerbegebiet (Adresse Energiepark 11) samstags von 9 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung. Buchung unter www.freizeit-baggerpark.de. Die Kinderbagger sind jederzeit zugänglich.

Elke Robert

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