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Nicht nur fragen, wie’s den Flüchtlingen geht, sondern auch, wie sich Asylhelfer fühlen: Erfahrungsaustauch in Peiting mit Asyl-Koordinator Jost Hermann (rechts).

Aussprache beim Helferkreis Asyl

Frust und Freude mit Flüchtlingen

Peiting - Die Bandbreite der Erfahrungen, die Frauen und Männer in den Helferkreisen Asyl machen, ist groß: Die Emotionen bei der ehrenamtlichen Arbeit für Flüchtlinge reichen von Frust bis zur Freude. Dies wurde nun diskutiert.

Bei einem Treffen in Peiting, zu dem auch der neue Koordinator der Asylhelferkreise, Jost Herrmann aus Weilheim, gekommen war, konnte man in lockerer Runde diskutieren, Dampf ablassen, aber auch Ratschläge und Ideen mitnehmen. Eine Frau aus dem Schongauer Land meinte nach eineinhalb Stunden Austausch: „Ich habe aus euren Erfahrungen viel mitgenommen.“ Die Frau schilderte, dass sie unter einem Dach mit einer Familie aus Afghanistan lebt. „Es greift bei uns ziemlich ins Familienleben ein“, beschrieb sie die Situation, zumal man Tür an Tür lebe und gemeinsam einen Garten nutze. Ein Ratschlag dazu war, klare Grenzen zu ziehen, indem z.B. abends nicht mehr geklopft bzw. angerufen werde und das Wochenende für Anfragen tabu ist.

Auf mehrere Schultern

Eine Frau aus dem Peißenberger Asyl-Helferkreis berichtete, dass einige Helfer aufgehört hätten, weil sie mit den Mentalitätsunterschieden zu den Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern nicht klar kämen. Es erfordere immer wieder Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Kulturen, um die Menschen besser verstehen zu können. Ein weiterer Ausspruch an diesem Abend war: „Wir können nicht unsere Werte aus Toleranz anderen gegenüber aufgeben. Wir müssen sie dem anderen verständlich machen und erklären, wie wichtig und zentral sie in unserer Gesellschaft sind.“ Dazu gehöre auch, dass sich in Deutschland eine Frau kleiden könne, wie sie möchte. Ein Thema in der Runde war auch, wie damit umzugehen ist, wenn Frauen aus anderen Kulturkreisen einem Mann mitunter beim Grüß Gott die Hand verweigern. Für diese sei eine Berührung schon fast wie sexuelle Annäherung, hieß es. Es gebe aber andere Formen der Ehrerbietung zwischen Frauen und Männern, z.B. das Verneigen. Andererseits bedeute das Kollisionen. Z.B. wenn eine muslimische Frau sich beim Personalchef einer Firma vorstelle und ihm die Hand nicht gebe. Dann könne sie gleich wieder nach Hause gehen, sagte ein Mann aus dem Peitinger Helferkreis. Wichtig wäre hier, im Vorfeld die Konsequenzen zu benennen. Weitere Stichwörter in der Runde, die vom Asylhelferkreis Peiting einberufen worden war und zu der Reinhard Böttger vom Ortsverband „Die Linke“ (selbst im Helferkreis engagiert) den Anstoß gegeben hatte, waren die Pünktlichkeit, der Respekt gegenüber den Betreuern, aber auch eine gewisse Lockerheit. Die Enttäuschung sei nicht so groß, wenn man nicht so hohe Erwartungen an die Flüchtlinge habe, kommentierte Gabi Sanktjohanser-Pfeffer, die zusammen mit Sabine Haser Koordinatorin des Peitinger Helferkreises ist.

Die Unterstützerkreise

Der neue Asyl-Koordinator Jost Hermann aus Weilheim erklärte auf Nachfrage unserer Redaktion, er möchte regelmäßige Runden zum Erfahrungsaustausch sowohl für den Weilheimer als auch für den Schongauer Bereich „anschieben“. Auch Gruppentreffen wie „einen Tag Auszeit“ könne er sich vorstellen. Und: Das Zusammengehörigkeitsgefühl solle gestärkt werden. Ziel sei ein Netzwerk „Asyl im Oberland“.

Johannes Jais

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