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Verfolgen die aktuellen Stimmauszählungen im Büro des Bürgermeisters im Rathaus (von links): Die Gemeinderäte Peter Ostenrieder (CSU), Michael Deibler (CSU), Nicole Gindhart (SPD), Norbert Merk (CSU), Herwig Skalitza (CSU), Franz Seidel (Bürgervereinigung Peiting) und Gemeindechef Michael Asam.

Bürgerentscheid Peiting

80 Prozent stimmen für den Straßenausbau

Peiting - Die Entscheidung und die Bäume an der Bahnhofstraße sind (so gut wie) gefällt: Fast 80 Prozent der Peitinger wollen den Ausbau der Bahnhofstraße. So haben sie beim Bürgerentscheid am gestrigen Sonntag abgestimmt. Die Baumretter erhielten gerade mal 20 Prozent aller Stimmen.

Mit versteinerter Miene verfolgt Reinhard Böttger die Entwicklung der Stimmauszählung in der Ratsstube von Bürgermeister Michael Asam. Neben ihm ein stiller Bernhard Maier. Sie, die Initiatoren des Bürgerentscheids, stehen am Rand. Zusammen mit vielen Gemeinderäten aller Fraktionen, die sich hier zusammengefunden haben. Am Bildschirm des Bürgermeisters verfolgen sie alle die aktuellen Auszählungs-Ergebnisse. Pro ausgezählter Stimm- und Briefwahlbezirk wird der Jubel größer. Es darf wieder gelacht werden. Die Erleichterung ist spürbar. Zumindest bei den gewählten Volksvertretern.

Als schließlich um kurz vor 19 Uhr das Endergebnis feststeht, ist es für die treibenden Kräfte des Bürgerentscheids eine bittere Enttäuschung: Nur 20 Prozent aller Wähler, genau genommen 850, haben für den Erhalt der Bäume an der Bahnhofstraße gestimmt. 80 Prozent für den Ausbau und damit für die Fällung der Bäume.

Wahlbeteiligung liegt bei tollen 45 Prozent

Ein Ergebnis, an dem – nicht zuletzt wegen der bombigen Wahlbeteiligung von fast 45 Prozent (4201 Stimmen) – nicht zu rütteln ist. Reinhard Böttger ist gut vorbereitet. Ein offizielles Statement hat er schon auf einen Zettel gekritzelt. Scheint, er hat es kommen sehen, das große Elend am Stichtag.

Um es gleich vorwegzunehmen: Er fühlt sich betrogen. Von Berichterstattern, von den Gemeinderäten, den drei großen Parteien in Peiting. Kurzum: alles unfair. Dass keine staatlichen Zuschüsse für den Ausbau der Bahnhofstraße fließen könnten, werden die Bäume nicht gefällt: „voll daneben“.

Die höchst-amtliche Erhebung eines Verkehrsgutachters, der bestätigt hat, dass täglich 4000 Autos auf der Bahnhofstraße fahren, bezeichnet er als „nicht richtig“. „Die Autos befahren nur den vorderen Teil der Straße. Dort, wo die Bäume gefällt werden, da ist kein so hohes Verkehrsaufkommen.“ Böttger sieht „die Zukunft Peitings in Gefahr“, spricht vom „permanenten Getöse“ der Gemeinderäte, dass die Bebauung in Gefahr sei.

Verschwörungstheoretiker hätten jedenfalls ihren Spaß an diesen Ausführungen. Zumindest in einer Sache stimmt Böttger ganz sicher mit den Lokalpolitikern überein: „Das ist ein Beweis für Bürgerdemokratie, das zeigt die Wahlbeteiligung.“ Auch wenn er einräumt: 20 Prozent, das ist schon bitter. Mit 30 Prozent hätte man schon gerechnet.

Gemeinderäte sind begeistert

Dass nur 850 insgesamt für den Baumerhalt stimmten, obwohl doch fast 1300 auf den Unterschriftenlisten unterschrieben hatten, das jedenfalls schreibt Böttger dem fehlenden Interesse und Umweltbewusstsein zu.

Die Freude hingegen seitens der Lokalpolitiker und des Bürgermeisters: riesig. Über die hohe Wahlbeteiligung sind alle begeistert. Peter Ostenrieder, Fraktionschef der CSU, sieht diese gar als nachträgliche Legitimation der Gemeinderatsarbeit.

Ein Stein fällt Bürgermeister Michael Asam vom Herzen: „Eine zeitlang war ich mir nicht sicher, ob wir durchkommen.“ Der zukunftsweisenden Ortsentwicklung in Peitings Osten stehe jetzt nichts mehr im Wege.

Jubel auch in der SPD-Fraktion: „Peiting hat gewonnen“, freut sich Christian Lory. Er hofft – auch für die Gemeinderatsarbeit – dass sich jetzt die „verbalen Auseinandersetzungen wieder auf einem normalen Level einpendeln.“

Hinterlassen hat der Bürgerentscheid tatsächlich einen fahlen Nachgeschmack, was den Umgangston untereinander angeht. Und einen Berg an Kosten. Zirka 25 000 Euro, hat Kämmerer Christian Hollrieder gestern ausgerechnet – inklusive Personalkosten am Entscheid-Tag. Demokratie kostet eben manchmal – nicht nur Geld. Sondern auch Nerven. Und zwar auf allen Seiten.

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