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Nahezu jeder Platz besetzt war bei der Bürgerversammlung in der Peitinger Schloßberghalle.

Bürgerversammlung Peiting

Stimmung für Bahnhofstraßen-Ausbau

Peiting - Volles Haus war bei der Bürgerversammlung in der Peitinger Schloßberghalle. Die Stimmung war aufgeregt. Doch das weniger wegen des Rechenschaftsberichts des Bürgermeisters. Eher wollten die Menschen ihre Meinung zum Ausbau der Bahnhofstraße kundtun.

Rathauschef Michael Asam hatte den traditionellen Termin der Bürgerversammlung vor dem Buß- und Bettag heuer bewusst verschoben. Grund war der anstehende Bürgerentscheid zum Ausbau der Bahnhofstraße. Und so stand auch alles im Zeichen der Abstimmung. Reinhard Böttger (Die Linke Oberland) verteilte am Eingang Flugblätter, um die Anwesenden im Sinne des Baumerhalts zu sensibilisieren, und Asam betonte, darüber hinwegzusehen, da er eine Entscheidung im Sinne der Demokratie wolle. Gesetzlich verboten, wie der Bürgermeister ausführte, war Böttgers Aktivismus zwar nicht, die Stimmung im Saal aber trotzdem eher pro Ausbau des Areals.

Modell und Imagefilm

So interessierten sich viele für das Modell der Firma Haseitl, das das ausgebaute alte Bundeswehrgelände zeigt. „Der Baumbestand bleibt trotz einiger Fällungen erhalten. Es werden neue gepflanzt. Uns als Baummörder anzuklagen, weise ich also zurück“, so Asam. Dafür kassierte er zustimmende Lacher aus dem Publikum. Bei einem Fahrzeugaufkommen von rund 4000 pro Tag sowie vielen Fußgängern seien eine Fahrbahnbreite von 6,50 Metern und ein Gehsteig unvermeidlich. Wie berichtet, würde das Wurzelwerk in jedem Fall bei den Arbeiten angegriffen. Asam habe mit Fachleuten gesprochen, die bestätigen, dass der Baumbestand im Ort kein Thema sei. „Außerdem wurden die fraglichen Bäume an der Bahnhofstraße zu einer Zeit gepflanzt, in der die Gruben oft nicht groß genug ausgehoben worden sind, damit sich die Wurzeln entfalten.“ Es sei also fraglich, wie lange sie überhaupt noch überleben.

Mit einem Imagefilm zeigte die Verwaltung dann noch, wie alles aussehen könnte – inklusive einem schicken Cineplex-Kino. Auch ein Verbrauchermarkt soll im neuen Wohngebiet entstehen. „Eines ist klar, wenn die Straße dort so bleibt, werden die Investoren wahrscheinlich abspringen“, warnte der Rathauschef. Denn die würden ihr Geld eben lieber in attraktive Gebiete stecken.

Reinhard Böttger von Die Linke Oberland fühlt sich unfair behandelt

Zu Wort meldete sich daraufhin ein aufgeregter Böttger: „Sie erwischen uns unvorbereitet, ich kann auf die Argumente jetzt gar nicht so eingehen. Uns hat keiner gesagt, dass dies eine Wahlveranstaltung wird. Das finde ich unfair.“ Dennoch bleibe man bei der Meinung, dass die rund 40 Bäume stehen bleiben sollen – auch im Sinne der schönen Ortserhaltung. „Man muss nicht immer der Wirtschaft einen Moloch bieten.“ Dies sei keine Wahlveranstaltung, maßregelte ihn der SPD-Rathauschef. „Im Gegensatz zu ihnen habe ich als Bürgermeister die Pflicht, die Peitinger in meinem Rechenschaftsbericht über die Entwicklungen im Ort zu informieren.“ Der Applaus gab dem Gemeindeoberhaupt Recht, und auch die Wortmeldungen (weitere siehe unten). Ein Bürger wollte noch wissen, inwieweit die Bürger finanziell belastet würden. Dies geschehe nach der Straßenausbaubeitragssatzung. Geklärt würden solche Fragen in einer Anwohnerversammlung, antwortete Asam. Und ein gleisebener Übergang vom Bahnhof zur Kapellenstraße sei in Planung, konnte er einen Seestraßen-Anwohner beruhigen.

Es hat sich also gelohnt, die Veranstaltung vorzuziehen – jedenfalls im Sinne der Verwaltung.

Stimmen aus der Bürgerschaft:

„Sozialwohnungen sind wichtig“

„Ich lebe selbst in der Bahnhofstraße und bin Baumschützer. Jedoch habe ich gehört, dass es Nachpflanzungen geben wird. Außerdem hat jeder Baum ein Ablaufdatum, wie der Mensch auch. Wichtig finde ich die geplanten Sozialbauten, die wir wegen steigender Mieten und der anerkannten Asylbewerber auch brauchen. Wenn wir die Möglichkeit haben, dies auf lokaler Ebene zu lösen, bin ich für den Ausbau.“ (Diakon Dietmar Pohl)

„Wir brauchen einen Bürgersteig“

„Wir schauen seit 20 Jahren zu, wie sich Mütter mit Kinderwagen und Omas mit Rollator zwischen parkenden Autos und Bussen ihren Weg bahnen. Wenn jemand sagt, dass wir keinen Gehweg brauchen, sag ich’s mit den Worten von Michl Dacher: ,Da hab’ ich mittelschwere Bedenken.‘ Wenn ich in 30 Jahren dort mit Rollator entlangdackel, bin ich froh über einen Bürgersteig.“ (Familie Albrecht)

„Kompromiss eingehen“

„Als wir hergezogen sind, haben uns die Bäume entgegen geleuchtet. Jedoch muss man Kompromisse eingehen. Und ich bitte den Bürgermeister, am Verbrauchermarkt dranzubleiben. Der ist hier sehr wichtig.“ (Anwohnerin)

„Wie wird der Verkehr gedrosselt?“

„Wir haben in Peiting ja unsere Erfahrungen mit Temposündern. Wie wird verhindert, dass die Autos in der Bahnhofstraße zu schnell fahren?“ (Reinhard Pantke)

Antwort vom Planer Roland Kindelbacher (Wipfler Plan): „Durch Neupflanzungen etc. wollen wir den Straßenraum einengen. Auch der Kreisverkehr trägt zu einer Drosselung bei.“

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