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Gipfelglück: Marie Hofmann (rechts) klatscht ab mit Kadertrainerin Dörte.

Interview mit Marie Hofmann

Erstbesteigung einer imposanten Göttin

Peiting/Tadschikistan - Marie Hofmann aus Peiting durfte Teil des DAV-Expeditionskaders sein. Zum Abschluss der zweijährigen Ära ging es für sechs Wochen ins wilde Tadschikistan, nordöstlich von Afghanistan. Im SN-Gespräch spricht das Kader-Küken über eine imposante Göttin, herzliche Eseltreiber, selbstgebaute Toiletten und Gipfelmomente, die kein Mensch zuvor erleben durfte.

Frau Hofmann, worin unterscheidet sich die Abschlussexpedition von anderen Touren?

In sehr vielen Dingen. Ich war noch nie auf einer Expedition in einem so großen Gebiet, in das man erst mal zwei Tage lang hineinlaufen muss.

Wie war denn die Anreise bis zu diesem Fußmarsch?

Der Flug mit Zwischenstopp in Istanbul war echt O.k. Allerdings sind wir nach der Ankunft in Tadschikistan nochmals 16 Stunden mit einem Jeep über eine grobschottrige Straße entlang der afghanischen Grenze gefahren. Das war echt anstrengend.

Und auch gefährlich?

Aus politischer Sicht war alles friedlich. Die Straße war nicht so ohne, aber es ist alles gut gegangen.

Wer war denn alles mit Ihnen im Team?

Im Basislager waren wir zu neunt. Trainerin Dörte, unsere Ärztin Steffi, eine einheimische Köchin und wir sechs Kader-Mädels.

Basislager?

Das haben wir auf 4100 Meter eingerichtet. Und von dort aus weitere Hochlager.

Wow, auf über 4000 Meter... Wie schläft es sich dort oben?

In ihrem Element: Marie Hofmann beim Felswand-Klettern.

Das Schlafen war ehrlich gesagt ganz O.k. Echt anstrenged war aber das Aklimatisieren. Wobei wir das Schritt für Schritt gemacht haben. Die erste Nacht verbrachten wir in einer Stadt auf rund 2000 Metern, dann eine Nacht auf 3200 Meter. Dann sind wir die zwei Tage reingelaufen, haben nochmals auf 3800 Metern Höhe geschlafen.

War die Ärztin bis dahin schon im Einsatz?

(grinst) Verletzt hat sich zum Glück keine von uns. Ganz am Anfang hatte eine, am Ende mehrere Magen-Darm-Probleme gehabt. Dafür sind zum Schluss alle Infusionen draufgegangen.

Weil das Essen verdorben war?

Hmm... Gute Frage. Das Essen war jetzt nicht so gut. Es gab die kompletten 25 Tage nur drei Gerichte. Buchweizen, Suppe mit ganz viel Öl und Fett, verpackte Fertignudeln aus China und zum Frühstück immer Milchreis oder Grießbrei.

Das lassen wir mal so stehen... Aber wie sah’s in Sachen Toiletten aus?

(grinst) Fürs Basislager haben wir selbst eine gebaut.

Ernsthaft?

Ja. Wir haben einfach ein Loch in den Boden gegraben und Gesteinsplatten darüber gelegt. So machen es die Einheimischen auch. Selbst unten in der Stadt waren überall nur Löcher im Boden.

Im Fels sieht diese Sache natürlich ganz anders aus. Wie waren denn die Touren?

Fantastisch. Wir haben vier Erstbesteigungen gemacht.

So richtig mit Gipfeltaufe?

Jap. Den ersten Berg haben wir Göttin getauft, weil er so imposant war und schon auf dem Weg ins Tal ständig zu sehen war. Er ist 5400 Meter hoch.

Und die anderen drei?

Mousse au Chocolat, der hat 5100 Meter. Drache auf 5300 Meter, weil er einen Rücken mit vielen Zacken hat. Und Weißer Riese, der höchste und schneereichste Berg unserer Expedition mit 5500 Metern.

Klingt alles sehr beeindruckend...

War es auch. Im Vergleich zu unseren Bergen ist dort alles viel imposanter. Wenn man auf einem der vier Gipfel steht und um sich blickt, entdeckt man überall riesige Klötze. Das war schon cool.

Habt Ihr auch Kontakt zu den Einheimischen gehabt?

Ja. Die Menschen dort sind super offen und herzlich. Als wir noch in der Stadt auf den Markt gegangen sind, um Trockenfrüchte für die Touren einzukaufen, hat uns kaum einer verstanden. Das beste aber war, dass die sofort ihr Handy gezückt und jemanden kontaktiert haben, der Englisch kann.

Tolle Gastfreundschaft... Wie freundlich war denn das Wetter?

Fast noch besser. Es hat nur einmal kurz geschneit. Ansonsten gab’s keine Niederschläge. Die Einheimischen haben uns erzählt, dass es im September und Oktober immer sehr niederschlagsarm ist, erst im November wieder losgeht.

Temperaturmäßig?

In der Nacht minus fünf bis minus zehn Grad, tagsüber, wenn es windstill war, konnten wir aber mit dem T-Shirt herumlaufen, ich schätze, dass es rund 15 Grad waren.

Ideale Bedingungen also. Was konnten Sie in Sachen Klettern und Bergsteigen dazulernen?

Packesel: Der Weg zum Basislager war beschwerlich und für Geländewagen nicht zugänglich. 

Sehr viel. Zum Beispiel einen noch verantwortungsbewussteren Umgang mit dem Berg, weil man weiß, dass es keine Rettung wie bei uns zuhause gibt, die einen im Notfall rausfliegt. Das Team ist komplett auf sich alleine gestellt. Und natürlich habe ich auch beim Klettern dazugelernt...

Inwiefern?

Ich habe noch nie eine Erstbesteigung gemacht. Man steht dann vor einer Wand mit vielen, unterschiedlichen Risssystemen und muss sich erst einmal selbst überlegen, welche Linie am Besten kletterbar ist. Zum Glück hatten wir ein großes Fernglas dabei!

Schwiergkeitsgrad?

Eine Tour lag im achten Schwierigkeitsgrad, das war ganz schön schwer. Die Göttin haben wir über eine 80 Grad steile Eisflanke erstbestiegen. Die restlichen zwei Touren waren eher schnee- und gletscherlastig mit kurzem Felsaufbau hoch zum Gipfel.

Die sie erfolgreich und unbeschadet erreicht haben. Wie fühlt sich das an?

Voll gut. Überhaupt war die Zeit im Expeditionskader speziell mit dieser Abschlussexpedition echt cool. Vor allem, weil wir Mädels uns so gut verstanden haben.

Alle im gleichen Alter?

Nicht ganz. Ich war mit 20 die Jüngste, eine noch 22, die anderen alle um die 25. Schon traurig, dass die Zeit jetzt vorbei ist.

Sie haben doch bestimmt schon weitere Pläne wie eine Ausbildung zur Berg- und Skiführerin?

Ich bin ja noch recht jung, dafür bleibt also noch genug Zeit. Vielleicht bewerbe ich mich im nächsten Winter, sicher bin ich mir aber noch nicht. Erstmal weiterhin viel Klettern! Und nächstes Jahr im Herbst fliege ich höchstwahrscheinlich mit meinem Freund Tobi wieder nach Amerika ins Kletterparadies Yosemite.

Mit oder ohne Erlaubnis ihrer Eltern?

(grinst) Meine Eltern unterstützen mich total beim Bergsteigen, sie haben mich ja auch schon von klein auf mitgenommen. Darüber bin ich sehr froh. Auf unserer Expedition konnten wir nicht besonders oft heimtelefonieren, da haben sich vor allem Mama und Oma schon Sorgen gemacht. Ist ja auch verständlich! Aber es ist zum Glück ja nichts passiert.

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