Peitinger können Schongauer Angebot nutzen 

Keine Onleihe in Peiting

Peiting - Die Gemeinde Peiting ist künftig Trittbrettfahrer in Schongau. Zumindest was das Ausleihen von Online-Medien in der Bücherei anbelangt. Statt sich selbst das Online-System aufzubauen, schickt der Gemeinderat mit seinem Beschluss die hiesigen Leser in die Schongauer Bücherei.

Anschieben wollte das Online-Projekt Thomas Elste von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Neben eines ausgearbeiteten Konzepts hatte er dem Gemeinderat auch einen Film mitgebracht: Die „Onleihe“ in der Stadtbibliothek Paderborn. Tatsächlich muss man so weit nicht gehen, um sich einen Eindruck von der Online Medien-Ausleihe in einer Bücherei zu verschaffen. In Steingaden betreibt man bereits erfolgreich die „Onleihe“. In Schongau will man das System einrichten. Und genau das ist der Punkt: Warum eine eigene Onleihe einrichten, wenn die Nachbarn das eh schon haben. Man muss ja nicht mal hinfahren. Die Onleihe läuft von der heimischen Couch aus – alles online eben. So zumindest der Tenor vieler Gemeinderäte.

Das Interesse sei durchaus auch in Peiting vorhanden, hob Thomas Elste hervor. Er hatte auch mal nachgerechnet. An die 5000 Euro Anschaffungs-Kosten dürfte die Onleihe verursachen. Und dann jährlich nochmal 2000 Euro. Tatsächlich sind es wohl ein bisschen mehr. Aber was macht das schon, stellt man die 50 000 Euro Kosten gegenüber, mit denen die Gemeinde- und Pfarrbücherei jährlich zu Buche schlägt? Trotzdem: Müssen diese Mehrkosten sein? Das hinterfragte auch Peter Ostenrieder (CSU). Der Sinn eines E-Books sei doch, dieses von Zuhause auf das Lesegerät zu laden. Anbieter solcher Dienste gäbe es auf dem freien Markt zuhauf. Hinzu kommt, der E-Book-Reader, der in Deutschland am meisten verbreitet ist, der Kindle des Anbieters Amazon, ist mit dem Onleihe-System nicht kompatibel. „Damit schließen wir 60 Prozent der E-Book-Reader aus“, so Ostenrieder.

Die heimische Bücherei ist auch ein Ort der Begegnung.

Argumente, die Elste so nicht stehen lassen wollte. Sich einfach nur an Schongau ranhängen, sei keine Lösung: „Der Medienbestand im Verbundsystem kann so nicht heranwachsen.“ Außerdem könne die Peitinger Bücherei von der eigenen Onleihe profitieren. „In Steingaden sind auch neue Leser hinzugekommen“, hat sich Elste informiert. Ein Peitinger Amazon? Von wegen. Schließlich koste die Onleihe nur zwei Euro mehr Mitgliedsbeitrag. So günstig könne kein Amazon der Welt sein, so Elste.

Ein ganz anderes Argument gegen die Einführung der Onleihe brachte Bernhard Huber (Freie Wähler) ins Spiel: Man könne doch nicht wollen, dass die Leute alle bloß noch Zuhause an ihrem Kasten rumtippen. „Man muss die Gesellschaft pflegen. Pflegen, dass die Leute zusammenkommen.“ Und die Bücherei sei genau der richtige Platz, um Leser zusammenzubringen.

Und dabei bleibt es dann auch künftig für Peiting. Aufgrund der interkommunalen Zusammenarbeit im Mittelzentrum Schongau-Peiting-Altenstadt sollen Peitinger Leser, die an einer Onleihe interessiert sind gegen einen kleinen finanziellen Mehraufwand Mitglied der Schongauer Bücherei werden und dann die Onleihe aus der Nachbarschaft mitnutzen. Das gleiche gilt natürlich auch umgekehrt: Schongauer dürfen sich auch in der Peitinger Bücherei etwas ausleihen

Rubriklistenbild: © dpa

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