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Anfangs lebten in dieser Wohnanlage 40 Asylbewerber. Zwischendurch waren es 59, jetzt sind es 78

Schon länger am Rande der Eskalation

Krätze: Asyl-Helfer stellen Arbeit ein

Wildsteig - Der Asyl-Helferkreis in Wildsteig hat seine Aktivitäten vorerst eingestellt. Fünf der derzeit rund 80 Flüchtlinge in der Wohnanlage haben die Krätze.

„Wir haben jetzt da oben die Krätze.“ Es waren deftige Worte, mit denen Bürgermeister Josef Taffertshofer zum Problemfall Nummer eins der Gemeinde, den Asylbewerbern, überleitete: „Die Entwicklung der letzten Monate hat sich fortgesetzt“, sagte Taffertshofer. „Wir haben wieder 14 Asylbewerber gekriegt. Fünf davon mit Krätze.“ Deshalb habe es Tage zuvor schon eine Sitzung des Helferkreises gegeben, führte er weiter aus. Und setzte nach: „Nachdem des nicht ernst genommen wird mit der Krätze da droben, haben wir sämtliche Aktivitäten des Helferkreises eingestellt.“

Mittlerweile habe man Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufgenommen, damit es vor Ort tätig werden solle. Der Leiter des Gesundheitsamtes in Weilheim, Dr. Karl Breu, der diese Woche auf einem Ärztekongress in Norddeutschland weilte, hatte bislang nur Kenntnis von einem Fall, ein niedergelassener Arzt in Schongau hatte diesen vergangene Woche gemeldet. Zum Hintergrund: Krätze ist eine parasitäre Hauterkrankung, die, so Breu, durch intensiven Körperkontakt, beispielsweise, indem man in einem Bett schläft, übertragen wird. Eine Übertragung durch die Luft oder normale soziale Kontakte ist auszuschließen. Nach dem Infektionsschutzgesetz dürfen schon beim bloßen Verdacht die erkrankten Personen sich nicht mehr in Gemeinschaftsunterkünften aufhalten oder dort arbeiten.

Der erste Erkrankte sei deshalb isoliert worden, so Breu. Behandeln könne man die Erkrankung mit einer speziellen Salbe. Dass die Zahl der Infizierten inzwischen angestiegen ist, wusste Breu bis dato nicht, aber auch hier gelte, diese nur weitgehend zu isolieren. Man habe auch die Helferkreise mittels Flugblättern über die Symptomatik informiert. Über den aktuellen Stand und die weiteren Maßnahmen konnte er abwesenheitsbedingt gestern keine Auskunft geben. Taffertshofer betonte, dass der Helferkreis erst dann wieder aktiv werde, wenn alle Bewohner der Unterkunft gesund sind.

Gemeinde: Mit 59 Asylbewerbern habe Eskalation gedroht

Doch das ist nicht der einzige Punkt, der Taffertshofer und der Gemeinde aufstößt. Denn mit Stand vom Freitag sollen in der Unterkunft 78 Asylbewerber leben. Anfangs, mit rund 40 Bewohnern, hatte noch alles bestens funktioniert. Doch schon vor einem Monat mit 59 Asylbewerbern habe eine Eskalation gedroht - das Landratsamt hatte selbst von 70 Bewohnern als Maximalkapazität gesprochen und sie jetzt deutlich überschritten. Wildsteig sehe „sich misshandelt vom Landratsamt“, meinte Taffersthofer gegenüber seinen Gemeinderäten und den anwesenden Bürgern. „Und die Landrätin versagt in der Sache.“

Man sei längst an einem Punkt angelangt, so der Bürgermeister weiter, „wo die Landrätin Zwangszuweisungen veranlassen müsste“. Dann wären auch leidige Diskussionen vor Ort vom Tisch, wie man sie gerade in Peiting habe beobachten könne, wo sofort die Kritiker auf den Plan getreten seien. „Wenn die Landrätin die Zwangszuweisung erlässt, ist das halt so“, meinte Taffertshofer. Der Integrationsprozess in der Bevölkerung wäre dann auch einfacher und vieles rund ums Thema Asyl könnte entschärft werden, wenn man versuchte, das gleichmäßig auf alle Schultern zu verteilen. „So wie jetzt geht es nicht.“

Was damit gemeint ist, sollte sich zeigen, als Taffersthofer ein Gutachten verlesen ließ, das der Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta geschrieben hatte und auf einer Feuerwehrübung im April basiert. Seinerzeit hatte Sobotta die Gegebenheiten inspiziert und die Löschwasserentnahmen sowie die baulichen Gegebenheiten in Augenschein genommen. Damals habe er, so Sobotta im Gespräch mit den Schongauer Nachrichten, schon angemerkt, dass die Grenze des Verträglichen erreicht sei. Und meinte damit, dass nicht mehr Bewohner in der Unterkunft in Wildsteig untergebracht werden sollten.

Denn aus Sicht der Feuerwehr könne man nur eine bestimmte Zahl an Menschen über die Feuerwehrleitern, den zweiten Flucht- und Rettungsweg neben der Treppe, im Brandfall retten. Man gehe von zehn Personen pro Fenster und Leiter aus, sagte Sobotta, und setze dafür etwa zwei Minuten pro Person an, um diese zu evakuieren. Mit der nun aktuellen Belegung - die Zahlen kannte Sobotta noch nicht - sei aber die Grenze des Machbaren überschritten.

Was auch Taffersthofer in der Sitzung thematisierte und meinte, dass das Landratsamt als genehmigende Behörde seine eigenen Auflagen nicht einhalte, insbesondere angesichts der aktuellen Belegungszahl. Weiterhin monierte Taffersthofer, dass man das Bauamt kontaktiert habe, um die Immobilie hinsichtlich des Brandschutzes zu überprüfen. Hier fehle noch eine Antwort.

Ohnehin sei es so, dass man eine Reihe von Schreiben zu der Thematik verfasst habe, auch aus Reihen des Helferkreises, so Taffersthofer weiter. „Ich denke so um die zehn waren das schon. Aber wir haben bis jetzt noch auf kein einziges Schreiben eine Antwort erhalten.“

Oliver Sommer

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