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Nager greift Biotop bei B 472 an

„Der Biber muss hier sofort weg“

Peiting - In Peiting herrscht wieder Biber-Alarm. Diesmal an einem Weiher direkt an der B 472. Heinrich Gruber fordert nun: „Der Biber muss hier weg, sonst ist bald alles zerstört.“

Seit rund zehn Tagen wütet auch am Haslachweg in Peiting ein Biber. Betroffen sind zahlreiche Bäume am großen Weiher südlich der B 472. Entdeckt hat den wilden Nager Heinrich Gruber, 74 , der nur eine Feldlänge davon entfernt wohnt und über viele Jahre hinweg nicht nur viel Herzblut in dieses idyllische Platzerl investiert hatte. Er sagt klar und deutlich: „Der Biber muss hier sofort weg, sonst zerstört er das komplette Gelände.“

In der Tat ist dieser Weiher ein wahres Paradies für die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Im Wasser fühlen sich Hecht, Schlaie, Regenbogenforelle und Karpfen pudelwohl. Am Ufer tummeln sich Eidechsen, Käfer, Raupen, Würmer und Fliegen. Sogar der streng geschützte Eisvogel taucht in aller Regelmäßigkeit auf. Zudem bieten Äsche, Kastanie, Weide und Ahorn weiteren Lebensraum für diverse andere Vögel und Insekten.

Gruber bezeichnet dieses Fleckerl auch als „Musterbeispiel für gelungene Flurbereinigung“. Umgesetzt von ihm selbst. Hintergrund: Als um 1990 die B 472 gebaut wurde, mussten für den Eingriff in die Natur Ausgleichsflächen geschaffen werden. Die damaligen Räte sowie Bürgermeister Klement Sesar schlugen Pflanzungen entlang der naheliegenden Wankstraße vor. In Heinrich Grubers Augen ein absoluter Schwachsinn, da dort viel zu viel landwirtschaftliche Nutzfläche zerstört würde.

Stattdessen schlug er die dreieckige Fläche an der Peitnach vor, die für den Landwirt weniger wirtschaftlich lukrativ war. Durchgesetzt hat Gruber seinen Vorschlag erst vor Gericht. Sein Anwalt, „einer der besten aus München“, kostete ihm 4500 Mark. Es war sozusagen eine stattliche Investition in die Natur.

Noch heute kümmert sich Gruber um dieses ein Hektar große Areal. Er sammelt den Müll auf, pflanzt neue Bäume und lässt seine Schäfchen darauf grasen. Vorbeispazierende Rentner, junge Familien, Jogger und die heimische Tierwelt danken es ihm. Nur einer eben nicht: Der gefräßige Biber.

Die Frage ist nur: Was kann man dagegen tun? Nach wie vor ist das schwimmende Nagetier streng geschützt. Bejagt wird der Biber in Bayern nur dann, wenn aufgrund seiner Arbeit massive Schäden entstehen oder gar Gefahren für die Umwelt ausgehen, zum Beispiel umstürzende Bäume ausgehen. Doch dafür muss wirklich viel passieren.

Peitings Bürgermeister Michael Asam kann davon ein Liedchen singen. 2015 hatte er sich mächtig ins Zeug gelegt, um den Biber aus dem Peitinger Gumpen zu vertreiben. Dort waren die Schäden aus Sicht des neutralen Betrachters immens. Trotzdem wurde die erhoffte Fangerlaubnis abgelehnt, weil der Schaden offenbar nicht groß genug war.

Bauhofleiter Franz Multerer ließ daraufhin die Baumstämme mit engmaschigem Hasenzaun umwickeln. Seitdem ist es ruhiger. Trotzdem ist Multerer der Meinung, dass die Biber-Population in Bayern wieder groß genug ist, er deshalb wieder bejagt werden sollte. „Eine Fangerlaubnis würde uns gar nichts mehr bringen, weil alle Gewässer, ob Lech oder Ammer, schon von anderen Bibern besetzt sind.“

Das weiß auch Heinrich Gruber, der dennoch auf eine schnelle Ausnahme hofft. Er sagt: „Der Biber gehört bekanntlich keiner Gewerkschaft an, der arbeitet Tag und Nacht durch.“ Schon in wenigen Tagen könnten einige seiner Pracht-Laubbäume Geschichte sein – und das Biotop zerstört.

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