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Informations-Plakate erklären das Naturwaldreservat Ammerleite. Bayerns Forstminister Helmut Brunner mit konzentriertem, interessierten Blick.

Naturwaldreservat Ammerleite

Pilgern durch den bayerischen Urwald

Peiting/Rottenbuch - Hoher Besuch: Am Mittwochvormittag stieg Bayerns Forstminister Helmut Brunner zum König-Ludwig-Weg hinunter. Das Gebiet zwischen Ammer und B23 ist jetzt ein Naturwaldreservat.

Zwitschernde Vöglein, goldbraun herabfallende Blätter und das beständige Rauschen der Ammer. Die Stimmung am Mittwochmorgen im Waldgebiet „Ammerleite“ ist Balsam für die Seele. Bayerns Forstminister Helmut Brunner empfindet das auch so. „Es ist immer wieder schön, vom Bürotisch auch mal wegzukommen“, sagt er beim Hinuntersteigen über die nassen, batzigen Stufen. Nur noch wenige Schritte, dann ist er am Ziel angelangt – dem jüngsten Naturwaldreservat im Freistaat.

Offiziell eröffnet haben das Projekt (v.l.) Hans-Peter Schöler (Revierleiter), Nikolaus Stöger (Forstbetrieb Oberammergau), Michael Lang (Förster), Markus Bader (Bürgermeister Rottenbuch), Helmut Brunner (Forstminister) und Markus Schmorell (Leiter Forstamt Weilheim-Schongau).

Der Jakobsweg zwischen Peiting und Rottenbuch, auch bekannt als König-Ludwig-Weg, führt ab sofort und ganz offiziell durch ein 76 Hektar großes Naturwaldreserverat. Das heißt konkret: Die Waldwirtschaft wird in diesem Gebiet komplett eingestellt, damit sich der dortige Mischwald möglichst natürlich entwickeln kann. Minister Brunner, der sich für die Eröffnung extra aus München nach Peiting kutschieren ließ, spricht von einer „Attraktion für die Einheimischen“ und einem „El-Dorado für Wanderer“.

Allerdings dient diese Urwald-Strategie in erster Linie nicht dem Naturfreund, sondern der Forschung. Wissenschaftler möchten durch langfristiges „die Natur walten lassen“ nachhaltige Erkenntnisse in Sachen Artenerhalt und Klimawandel gewinnen. Und dafür ist das steil abfallende Waldgebiet oberhalb der Ammer ideal.

Bis zu 170 Jahre alte Tannen, mächtige Buchen oder Edelbäume wie Bergahorn und Esche: Nicht nur Naturschützer sind begeistert von der Artenvielfalt, die in diesem Gebiet schon jetzt reichlich vorzufinden ist. Immer wieder Thema an diesem Vormittag ist auch der Tannenstachelbart, die weiße Koralle unter den Pilzen. Er gedeiht am Totholz, fühlt sich nur in Mischwäldern wohl und ist deshalb ein äußerst seltener Zeitgenosse in den meist von Fichten dominierenden Wäldern.

Treppensteigen: Minister Brunner (zweiter von unten) genoss die Bewegung an der frischen Luft, fernab seines Schreibtisches im Münchner Landtag.

Brunner steht inzwischen neben drei großen Informations-Plakaten, die direkt am Wegrand zwischen zwei Bäumen mit Schnur und Wäscheklammern aufgehängt wurden. Sie weißen den Wanderer auf das Projekt hin, erklären mit wenigen Sätzen, Bildern und einer Grafik, was es mit dem Naturwaldreservat auf sich hat.

Das heißt zugleich: Wanderer, ob aus der Region oder Santiago de Compostela, sind auf dem König-Ludwig-Weg zwischen Peiting und Rottenbuch auch weiterhin herzlich willkommen. Für die größtenteils ehrenamtlichen Wegebauer und Instandhalter bedeutet das Mehr-Arbeit. Sie müssen die Stufen, Brücklein und Wurzelpfade von noch intensiverem Wildwuchs und herabstürzendem Totholz befreien.

Und auch die Jäger nimmt Markus Schmorell, Leiter des Weilheim-Schongauer Forstamtes, verstärkt in die Pflicht. „Die sollten eher mehr schießen“, sagt er, damit Pflanzen- und Tierwelt im gesunden Gleichgewicht bleiben. 

Nach knapp einer Stunde Vortrag und Begehung in der idyllischen Ammerleite blickt Minister Brunner auf seine goldene Armbanduhr: „Zeit zu gehen“, sagt er. Der nächste Termin im Landtag in München warte schon, so die Erklärung. Beim Rückweg über die batzigen Stufen fallen wieder goldbraune Blätter herab, die Vögel zwitschern, und das Ammerwasser rauscht.

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