Auf dem Schulweg transportieren die Kinder die Batterien zur Ladestation und holen sie danach wieder ab.

Solar-Container in Myanmar

Der Strom-Gott

Peiting - Sobald es draußen dunkel wird, gehen in den Haushalten die Lichter an. Was zunächst völlig normal scheint, ist für viele abgelegene Dörfer der dritten Welt ein Luxusgut. Die Rede ist vom Strom. Ein Böbinger hat sich nun vorgenommen, das zu ändern.

Morgens, wenn die Kinder aus einem Dorf aus Myanmar zur Schule gehen, haben sie außer ihren Büchern noch eine Batterie dabei. Die brauchen sie aber nicht zum lernen, sondern sie geben sie an einem Container ab. Dort wird das Teil tagsüber geladen. Mit Energie aus der Sonne. Und dann, nach Schulende, nehmen die Kinder ihre Batterie wieder mit. Bis spät in die Nacht haben die Familien in ihren Hütten dann Strom. Ein Luxus, der bislang nur den Reichen vorbehalten war. „Die konnten sich rund zwei Stunden Strom am Tag erkaufen“, sagt Norman Abela.

60 000 Orte in Myanmar haben derzeit noch keine Energie. Das hat sich geändert. Zumindest in diesem einen Dorf, im Dala Village. Dort gibt es den Saft aus der Steckdose nun kostenlos. Ein soziales Projekt, das die Dorfbewohner dem Roten Kreuz, vor allem aber Abela, zu verdanken haben.

Mit dem Strom aus der Sonne kann ein ganzes Dorf in Myanmar bis spät Abends mit Energie versorgt werden.

Denn er hat einen Solarcontainer entwickelt, der ein ganzes Dorf versorgen kann. Zwölf KW Strom kann der erzeugen. „Dazu gekommen bin ich durch einen Investor aus Belgien. Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, so etwas zu bauen.“ Abela zögerte nicht lang. Er wusste, dass es an der Zeit ist, sich zu engagieren. „Ich wollte schon immer etwas zurückgeben. Da war das eine gute Gelegenheit.“

Abela ist 54 Jahre alt, Ingenieur, hat nach eigener Aussage viele Jahre lang Kraftwerke für die ganze Welt gebaut. Seit 25 Jahren macht er in Solarenergie. Der Mann, der eigentlich aus Malta kommt, lebt seit über zwei Jahren in Böbing. Dort gelandet ist er aus einem sehr schönen Grund: Der Liebe wegen. „Doch die ist Privatsache“, schmunzelt der 54-Jährige und kommt gleich wieder zur Sache. „Gebaut habe ich den Container noch in Malta.“ Der Ort, an dem er aufgestellt wurde, hat 150 Hütten im Umkreis von zwei Kilometern. Wegen der Entfernung sei es nicht so leicht gewesen, im Dala Village Leitungen zu verlegen. „Darum haben wir uns für ein Batterie-System entschieden.“ Wichtig war auch, dass der Energielieferant so einfach wie möglich bedient werden kann. Denn was nutzt so ein Gerät in einer unberührten Umgebung, wenn für die Wartung ein Fachmann hinzugezogen werden muss. „Unser Container ist aber in zwei Stunden aufgebaut und kann, sollte es zu technischen Problemen kommen, über das Internet gewartet werden“, erklärt Abela.

Eine tolle Entwicklung für den Ort 

„Die Menschen dort nennen mich sogar den Strom-Gottes“, erzählt der Böbinger und muss schmunzeln. Doch dabei soll es nicht bleiben. Abela hat noch mehr im Sinn. „Momentan ist die Wasserstelle sehr weit weg. Täglich tragen die Menschen bis zu 20 Liter von dort in ihr Dorf“, erzählt er. Eine Pumpe, angetrieben mit Solarstrom, könnte Abhilfe schaffen und für sauberes Wasser sorgen. Auch könnte der Container mit einem Telekommunikationsmasten ausgestattet werden und so den Mobilfunkempfang im ganzen Dorf garantieren.

Mittlerweile hat Abela schon viele Anfragen bekommen. Zum Beispiel aus Guatemala. Doch das Geld ist ein Problem. „Es fehlt oft ein Investor. Der würde die Sache erleichtern“, sagt er. Den Container in Myanmar habe er umsonst entwickelt, „doch es würde mich freuen, wenn bald mehrere solche Projekte an den Start gehen“.

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