Leisteten gute Überzeugungsarbeit: Martin Holleschovsky (l.) und Christian Meier. foto: wk

Obdachlosenstelle: Böbing jetzt doch dabei

Böbing - Böbing ist ein Dorf mit gerademal 1800 Einwohnern. Aber auch dort gab es 2012 einen von Obdachlosigkeit bedrohten Bürger, dem von der „Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit“ geholfen wurde. Grund genug, jetzt der Fachstelle beizutreten.

Der Beitritt zur „Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit“ wurde auf der Sitzung des Gemeinderates ausgiebig diskutiert. Martin Holleschovsky und Christian Meier von der Herzogsägmühler Diakonie habe dabei mit der Bilanz des vorigen Jahres ganze Überzeugungsarbeit geleistet. So wurden allein 2012 insgesamt 195 Bürger beraten, denen der Verlust der Wohnung und damit Obdachlosigkeit gedroht hat. 187 kamen aus den zwölf Städten und Gemeinden des Landkreises, die in der Fachstelle Mitglied geworden sind. Die anderen acht Personen aus acht Nichtmitgliedsgemeinden wurden beraten, weil die Gemeinden darum gebeten haben. Dazu gehört eben auch Böbing.

„Unser Dorf ist seither kein weißer Fleck mehr“, sagte Bürgermeister Peter Erhard. Fälle von Obdachlosigkeit seien von kleinen Gemeinden schwerer zu lösen als von Städten und großen Gemeinden. Bürgermeister kleiner Gemeinden „sind tagelang mit einer Problemlösung blockiert“. Bei dem einen Fall in Böbing sei es gelungen, zusammen mit der Fachstelle „die Kuh vom Eis zu bringen“.

Wie Holleschovsky erläuterte, droht Obdachlosigkeit meist dann, wenn von den Betroffenen die Miete nicht mehr bezahlt werden kann. Den größten Anteil daran (78 von 195) haben Bezieher von Arbeitslosengeld II. „Die Leute haben kein Geld für die Miete“, sagte Holleschovsky. Vor allem dann, wenn im Haushalt die Waschmaschine oder sonst unvorhergesehen etwas kaputt gehe. Peter Erhard indes stellte klar, „die Fachstelle ist kein Mieteintreiber“. Aber für die Gemeinde sei es hilfreich, wenn sie in bestimmten Fällen die Experten mit ins Boot nehmen könne.

Die Gemeinde kostet der Beitritt zur Fachstelle 97 Cent pro Einwohner. „Für das Tierheim zahlen wir 20 Cent pro Einwohner, für den fünffachen Betrag können wir den Druck von den Vermietern nehmen.“ Dieser Obolus der Gemeinde sei auf jeden Fall gerechtfertigt. Bei zwei Beratungen hätte sich der Mitgliedsbeitrag bereits gelohnt. Nichtmitglieder werden nämlich von der Fachstelle zur Kasse gebeten.

Gemeinderätin Regina Pleier meinte, dieses Problem müsse auf kommunaler Ebene gekittet werden. „Wir kehren damit die Scherben der großen Politik zusammen.“ Peter Erhard indes ist überzeugt, „das Geld ist gut angelegt“. Er hoffe allerdings, „dass wir die Unterstützung der Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit selten brauchen“.

Walter Kindlmann

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