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Da strahlt „Big Mama“: Der Feuerwehrlaster wird liebevoll gepflegt von Franz Holley.

Oldtimer-Feuerwehrauto "Big Mama" in Herzogsägmühle

Mit Tatütata um den Arc de Triomphe

Herzogsägmühle - Dieses Feuerwehrauto hat Karriere gemacht: Nach dem Einsatz für die Wangener Feuerwehr fand er sein Domizil in der Herzogsägmühle: erst für die Jugendhilfe, nun als Kinomobil.

Erst stand der Mercedes-Benz „Hauberer“ (so genannt nach dem unter einer langen Motorhaube untergebrachten 5,6-Liter- Sechszylinderdiesel) im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Wangen im Allgäu. Als der Wagen vom Feuerwehr-Typ LAF 13 dort ausgemustert wurde, kaufte ihn die Diakonie Herzogsägmühle 1993 für 13 000 Mark als „intensivpädagogisches Expeditionsmobil“, so wie Direktor Wilfried Knorr, für den Bereich Jugendhilfe an und rüstete es in arbeitstherapeutischen Maßnahmen für diesen Zweck um. Heute dient das erneut umgebaute Mobil dem Bereich Tagesstrukturierende Beschäftigungsangebote (TAB) als Kinomobil.

Bei TAB läuft der Benz des Baujahres 1966 unter dem liebevollen Namen „Big Mama“. „Big Mama“ hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, ehe sie vor drei Jahren von Franz Holley, einem Mitarbeiter der Hausmeisterei im Kapellenfeld, in liebevolle Obhut genommen wurde. Holley, Sozialpädagoge Wolfgang Kirchbichler und Wilfried Knorr wissen so Einiges über das blitzblank dastehende, feuerrote Spielmobil zu sagen. So berichtet Holley, dass der von einem 150 PS starken Diesel angetriebene „Hauberer“ erst einmal vom Zehntonner auf siebeneinhalb Tonnen abgelastet werden musste, damit er mit Führerschein Klasse 3 chauffiert werden konnte. Eine erste Umrüstung des Lkw mit Doppelkabine zum reisetauglichen Wohnmobil mündete laut Wolfgang Kirchbichler in eine Innenausstattung, die man sich eher rustikal vorstellen muss. Hinten drin führte der Wagen nämlich keine Sitze mit sich, sondern ähnelte vielmehr einem Verschlag mit zwei Bänken und eigentlich illegalen Bettpritschen. Genächtigt werden konnte im Übrigen auch auf dem Dach.

Die Jugendhilfe und das Haus an der Brücke kamen mit dem Benz ganz schön herum. Zweimal fuhren Gruppen nach Marokko, einmal nahm ihn mit Crew bei der Rückfahrt der damals noch für die Jugendhilfe verantwortliche heutige Direktor Knorr in Empfang. Eine Reise führte zum Nordkap. Vor allem aber bleibt den Teilnehmern eine Tour an die französische Mittelmeerküste mit einer Reise entlang des Mittelmeer und Atlantik verbindenden Canal du Midi nach Bordeaux mit Rückreise über Paris in Erinnerung. Sternstunde für den Feuerwehr-Oldtimer: Die Reisenden aus Herzogsägmühle umkreisten mehrfach mit eingeschaltetem Signalhorn den Arc de Triomphe.

Eine weitere Reise des Hauses an der Brücke hatte den Plattensee in Ungarn als Etappenziel und suchte sich ihren Weg durch das damals zerbombte Rest-Jugoslawien, um in Kroatien am Meer anzugelangen. Über Italien ging es damals zurück nach Oberbayern. Bei den Reisen sammelten sich etliche tausend Kilometer auf dem Tacho.

In der Regie von Franz Holley, einem begeisterten Schrauber, fand dann der Umbau zum Kinomobil statt. Es gibt zwei Sitzreihen und eine Befestigung für die Filmvorführtechnik im heutigen Aufbau des Fahrzeuges, das das für automobile Oldtimer reservierte „H“ im Kennzeichen führen darf. Die Bewährungsprobe für das Kino-Mobil stand beim vergangenen Weihnachtsmarkt an. Dort wurde ein Wochenende lang in diversen Aufführungen der von Lekos/TBA nach einer eigenen Idee mit Laiendarstellern aus den Reihen der Bewohnerschaft des Diakoniedorfes selbstgedrehte, an die biblische Geschichte angelehnte Krimi „Der Spion von Bethlehem“ gezeigt. Der Erfolg gab dem Projekt Recht.

Da nur noch kleine Strecken zurückgelegt werden, müssen Fahrer von „Big Mama“ nur dosiert eine Kraftprobe der besonderen Art bestehen. Wilfried Knorr berichtet in Erinnerung an eine Privatfahrt auf der deutschen Seite des Bodensees respektvoll: „Das Auto hat keine Servolenkung. Es braucht dicke Arme, um den zu lenken!“ Franz Holley sagt angesichts des stolzen Mobils liebevoll: „Das Fahrzeug hat Geschichte und stellt einen Wert an sich dar.“ Schöneres kann man einem alten Fahrzeug nachsagen.

Rüdiger Matt

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