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Dick eingepackt in Nepal: Die Peitinger Schwestern Christina und Sarina Schmid mit ihrem Kumpel Mario Stich.

Kässpatzn für den Sherpa

Drei Peitinger 40 Tage in Nepal

Peiting - Zeitlupen-Wandern auf atemberaubender Höhe, bayerisch Kochen mit einem everesterprobten Jungspund und Flüchten vor dem Schneeleopard: Drei junge Peitinger haben Nepal erkundet. 40 Tage lang. Ohne Guide.

Nepal auf über 5000 Metern Höhe. Noch nie waren die Schwestern Christina und Sarina Schmid mit ihrem Kumpel Mario Stich so weit oben. Das bekommen sie zu spüren. Die dünne Luft macht ihnen zu schaffen. Sie hyperventilieren. Das Schlucken ist eine Tortur. Vorwärts kommen sie auf dem grobschottrigen Pfad lediglich in Zeitlupen-Geschwindigkeit. Aber auch die bringt sie ihrem Ziel Schritt für Schritt näher: Das Basis-Lager des Mount Everests, gelegen auf 5500 Metern. Und zugleich der Gipfel einer aufregenden Reise.

Anfang September: Sarina, Chrissi und Mario packen das Allernötigste in ihren 60-Liter-Rucksack. Drei Unterhosen, zwei T-Shirts, zwei Pullis, eine Zipp-Wanderhose, Regenjacke, Daunenjacke, Daunenschlafsack, Mütze, Handschuhe und zwei Buff-Tücher. Zwölf Kilo wiegt letztlich diese gesunde Mischung aus Sommer- und Winterkleidung, die für das Land der Extreme, bergsteigerisch wie klimatisch, auch dringend notwendig ist.

Als die Abenteurer in Kathmandu (1400 Meter) aus dem Flugzeug steigen, bläst ihnen die Tropen-Hitze (schwüle 30 Grad) förmlich ins Gesicht. Gut drei Wochen später sitzen sie bibbernd in einer Hütte, kämpfen sich am nächsten Morgen durch schienbeinhohen Neuschnee. Zwischen Schweiß-Ausbruch und Eiszapfen liegen nur wenige Tage. Das ist anspruchsvoll. Für Körper und Geist. Und es erfordert Disziplin sowie das strenge Einhalten von Regeln.

Unter anderem, dass ab 3000 Metern nur noch 500 Höhenmeter pro Tag zurückgelegt werden. Sarina, Christina und Mario hätten sich so oder so daran gehalten, müssen aufgrund nasskalter nebeliger Witterung zunächst zusätzliche Zeit einplanen – Tee trinken und Spiele spielen in den Bergdorf-Lodges ist angesagt. Doch das Wetter wird mit jedem Tag besser.

Zeit, den ersten romantischen Sonnenaufgang in Angriff zu nehmen. Um 3 Uhr in der Früh brechen die drei auf. Es ist stockfinster. Auch dann, als sie auf eine größere Herde Yaks stoßen. Die großen Kulleraugen der dort heimischen Rinder spiegeln das Licht der Stirnlampen. Gruselig. Angst bekommen die drei Studenten allerdings erst, als sie am Rande der Yak-Herde von einem weiteren Tier angestarrt werden: Dem wilden Schneeleoparden. Blitzartig ergreifen sie die Flucht, laufen, so gut es geht, zurück zur Unterkunft.

Hinterher erfahren sie von einem Einheimischen, dass die Leoparden immer wieder ihre Yak-Herden aufsuchen. Vor allem Jungtiere stünden auf deren Speiseplan. „Immer noch besser als wir“, denken sich die Peitinger, und brechen rund drei Stunden später erneut auf. Diesmal ist es hell.

Tage später ist der Leoparden-Schock verdaut, der erste romantische Sonnenaufgang im Kasten, und das Everest-Camp ist auch nicht mehr weit. Das Handy-GPS lotst die drei Freunde sicher durch die wilde Nepal-Prärie. Ohne Guide finden sie immer wieder zu den urigen kleinen Bergdörfern, die immerhin einen Tagesmarsch voneinander entfernt liegen. Die Nacht in einer Unterkunft kostet übrigens sieben bis acht Euro.

Das gilt auch für den beschaulichen Familienbetrieb, dem ein 23-jähriger Sherpa angehört. Schon fünf Mal sei er auf dem Gipfel des Everests gewesen. Und jetzt weiß er sogar, wie bayerische Küche funktioniert. Sarina, Christina und Mario kochten mit ihm Kässpatzn. Eine Mordsgaudi. Und endlich etwas gescheites auf dem Tisch.

Weil? Das Dal Bhat – nepalesisches Nationalgericht aus Linsensuppe, Reis und Gemüse der Saison – war laut den Schmids zwar fein, „aber immer zu wenig“. Klar: Die Nepalesen sind wesentlich kleiner und leichter als Europäer, brauchen deshalb auch weniger Nahrung. Sarina Schmid galt beispielsweise mit ihren in Deutschland völlig normalen 1,65 Metern als regelrechter Riese. Und das nicht nur unter den Frauen.

Umso erstaunlicher, welch Bärenkraft die Leichtgewichte aufbringen. Die drei Peitinger haben mit eigenen Augen gesehen, wie die alten Sherpa 50 Kilo schwere Touristen-Rucksäcke hinaufgeschleppt haben. Nicht mit komfortablem Gurt über der Schulter, sondern per Trageband, gespannt über die blanke Stirn. Auf mehr als 5000 Metern Höhe.

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