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Das Denkmal für den deutschen Reformator Martin Luther auf dem Marktplatz der Lutherstadt Wittenberg.

Startschuss für Reformationsjahr in Peiting

Martin Luther und der direkte Draht zu Gott

Peiting - Wer an Evangelische denkt, denkt automatisch an Martin Luther, an seine 95 Thesen. Für rund 1680 Gemeindemitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Peiting-Herzogsägmühle fällt am kommenden Montag, 31. Oktober, der Startschuss für das „Reformationsjahr“ – und zwar mit einem ganz besonderen Gottesdienst in der Peitinger Christuskirche.

Ein Jahr lang darf man sich über besondere Veranstaltungen zum Thema „500 Jahre Reformation“ freuen. Eingeladen sind dazu alle, nicht nur Evangelische. Schließlich gibt es auch einige ökumenische Veranstaltungen.

500 Jahre Reformation: Was bedeutet das für Evangelische? „Sich wieder auf die reformatorischen Grundgedanken besinnen“, sagt die evangelische Pfarrerin Brigitte Weggel. Tatsächlich sind es derlei Grundgedanken vier: Sola Fide (allein der Glaube) Sola Scriptura (allein die Schrift) Solus Christus (allein Christus) Sola Gratia (allein die Gnade). Heruntergebrochen auf die Alltagssprache könnte man dazu sagen: Martin Luther hat einen tieferen Blick auf die Bibel und den Glauben gerichtet. „Die Heilige Schrift hat was mit dem Leben des Einzelnen zu tun. Er hat durch seine Übersetzung der Bibel diese Sichtweise erst möglich gemacht“, so Weggel.

Die Beziehung zu Gott

Sie wurde mit der Reformation vor 500 Jahren zu einer sehr persönlichen. Ohne „Mittelsmänner“, oder Heilige Gegenstände. Die Botschaft Luthers, die bis ins Heute hinein wirkt: „Jesus ist eine geschichtliche Person, die jedem Gläubigen einen freien Zugang zu Gott geschaffen hat.“

Wer heute an Luther denkt, der denkt nicht nur an den gottesfürchtigen Reformator und Theologen. Da gibt es auch noch den lebensfreudigen und geselligen Luther, und auch die schwer zu verstehende Seite Luthers, was dessen teilweisen Äußerungen zur Politik und über Juden anbelangt. Zu einem Luther-Kult ist das Reformations-Jahr deshalb trotz des offiziellen Logos nicht gedacht, betont Brigitte Weggel. „Das hätte er selber nicht gewollt.“ Er war eben kein Heiliger, dieser Martin Luther. Denn: Dass der Mensch von Haus aus ein Sünder ist: Das war ihm tief bewusst. „Das Leben ist kein frommes Sein, sondern immer auch ein frommes Werden“, hatte der Reformator einst gesagt.

Viele sprechen (im Zusammenhang oft auch) von der christlichen Freiheit, für die der evangelisch-lutherische Glaube stehe. Ein interessanter Gedanke in einer Gesellschaft, in der sich jeder so viel individuelle Freiheit wie möglich schaffen möchte. Tatsächlich zog Luther hier einst scharfe Grenzen: Jeder Mensch ist frei – aber zugleich ist jeder auch allen anderen gegenüber verantwortlich. Sprich: „Freiheit bedeutet eben auch Verantwortung“, sagt Weggel.

Mit Blick auf die 95 Thesen, an denen die evangelische Kirche das Jubiläum jetzt festgenagelt hat, unterstreicht sie, wie wichtig hier die Begrifflichkeit ist: Es geht um Thesen nicht um Dogmen. Um Standpunkte, die diskutiert werden dürfen. „Der Diskurs macht uns Evangelische aus“, findet Weggel. Dank Luther. „Das ist das Tolle, das mag ich an ihm.“

Apropos Diskurs

Den hatten sicherlich auch die unzähligen Wissenschaftler, die an der neu übersetzten Lutherbibel gearbeitet haben, die pünktlich zum Jubiläum herausgegeben worden ist. Der Inhalt bleibt gleich, die Sprache ist neu austariert, orientiert sich am heutigen Sprachgebrauch. „Ein Brückenschlag zwischen den bekannten Lutherformolierungen, (der neuen Zeit), der neuen Sprache und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.“ Wie hätte sich Luther da gefreut. Kam doch einst von ihm der Spruch: „Dem Volk aufs Maul schauen.“

Freuen dürfen sich im Übrigen auch alle Bürger über das Reformationsjahr – schließlich wird, wenn das Festjahr der Evangelischen in einem Jahr ausklingt, ein Tag für alle ganz besonders sein: Einmalig wird der Reformationstag 2017 deutschlandweit zum Feiertag erklärt. Grund zu feiern gibt es bis dahin und sogar noch darüber hinaus bei zahlreichen Veranstaltungen vor Ort.

Termine im Reformationsjahr:

Das Reformationsjahr startet in Peiting mit einem Festgottesdienst mit Abendmahl am Reformationstag (Montag, 31. Oktober). Beginn ist um 19 Uhr in der Christuskirche. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst vom Hohenpeißenberger Gospelchor „Joyful People“. Beim Auftakt zum Jubiläumsjahr gibt es eine Predigt über den Römerbrief; als Luther darüber eine Vorlesung vorbereitete, kam ihm die entscheidende Erkenntnis in den Sinn: „Der Mensch wird nicht durch das, was er tut, von Gott angenommen, sondern Gott nimmt ihn ohne Bedingungen an.“

Auch ökumenisch ist etwas geboten in diesem Jubiläumsjahr: Am Buß- und Bettag, Mittwoch, 16. November, gibt es in Peiting einenWort-Gottesdienst im katholischen Pfarrsaal mit anschließender, offener Gesprächsrunde. Der katholische Pfarrer Hans Speckbacher und sein evangelischer Kollege Dirk Wollenweber laden ein zum Diskurs zum Thema „Was schätzen wir gegenseitig an der anderen Religion?“

Die evangelisch-lutherische Gemeinde Peiting-Herzogsägmühle bietet außerdem gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde Schongau und Herzogsägmühle einen Glaubenskurs an, in dem sich die Teilnehmer die vier reformatorischen Grundgedanken bewusst machen sollen.

In Steingaden wird es zu diesen lutherischen Grundgedankenvier ökumenische Vespern in der Kirche geben.

Zum Abschluss des Lutherjahres wird es einen geselligen Abend im Schongauer Ballenhaus geben, der Platz lässt für die sehr menschliche Seite Luthers, der sich seinerzeit nicht nur durch seine christlichen Ansichten einen Namen gemacht hatte. Der Titel des Abends: „Luther in Häppchen“. Martin Luther war auch bekannt als geselliger Tischredner, der sich kein Blatt vor den Mund nahm und seine Zuhörer vor deftigen Sprüchen nicht schonte. Der zünftige Festabend mit Theater, deftigen Vorlesungen, Musik und kulinarischen Schmankerln findet, pünktlich zu Luthers Geburtstag, am 10. November 2017, statt. Gastgeber sind die evangelischen Kirchengemeinden Peiting-Herzogsägmühle und Schongau.

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