Auch im Landkreis

Studie: Obdachlosen-Betreuung spart Geld

Herzogsägmühle - Über zwei Millionen Euro pro Jahr sparen allein die acht bayerischen Landkreise und Kommunen, die eine Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit finanzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die kürzlich in Nürnberg vorgestellt wurde.

Auch die Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit Weilheim-Schongau mit Sitz in Herzogsägmühle hat ihre Zahlen beigesteuert. „Im vergangenen Jahr haben wir insgesamt 286 Personen beraten“, so Christian Meier, Abteilungsleiter ambulante Dienste und zuständig für Beratung im Landkreis. Seit Eröffnung der Fachstellen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit (2012: 195) steige die Anzahl der beratenen Haushalte kontinuierlich an. „Eine bessere Bekanntheit der Fachstellen in Verbindung mit einem sich verknappenden Wohnungsangebot sind die Hauptgründe für diese Entwicklung“, so Meier.

Schon vor der Räumungsklage kann man eingreifen

Der steigende Anteil der Betroffenen, die sich direkt an die Fachstelle wenden, zeuge von einer wachsenden Bekanntheit in der Bevölkerung. „Diese Entwicklung ermöglicht es oft bereits früher, schon bei oder vor Kündigung der Wohnung unterstützend tätig werden zu können“, sagt der Fachmann. Damit konnten schon im Vorfeld Räumungsklagen oder -beschlüsse vermieden werden. Ziel bleibe es, weiterhin so früh wie möglich in Kontakt mit von Wohnungsverlust bedrohten Haushalten zu gelangen, da die Chancen zum Erhalt der Wohnung umso größer sind, je früher die Unterstützung erfolgt.

Für die Diakonie Bayern, eine der Initiatorinnen der Untersuchung, ist klar: „Soziale Arbeit rechnet sich auf Heller und Pfennig“, so der zuständige Fachvorstand Dr. Tobias Mähner. „Der Ertrag von Prävention lässt sich beziffern.“

Hochschule hat geforscht

Über einen Zeitraum von einem Jahr hat das Institut für Praxisforschung an der Evangelische Hochschule in Nürnberg die Arbeit von acht Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit untersucht. Von Juni 2013 bis Mai 2014 wurde über 1200 Fälle in folgenden Bereichen ausgewertet: Weilheim-Schongau, Penzberg, Ostallgäu, Rosenheim (Stadt und Landkreis), Ebersberg, Freising und Neu-Ulm. Professor Joachim König, der die Studie leitete: „Wir weisen nach: Die Unterbringung von Wohnungslosen in Pensionen ist bis zu fünfeinhalbmal so teuer wie die präventive Beratung. Mit anderen Worten: Durch die Bezuschussung der Fachstellen spart die öffentliche Hand 2,3 Millionen Euro pro Jahr.“ Ein Euro an Zuschuss für die Beratung könne so bis zu neun Euro Ausgaben an anderer Stelle sparen.

Für den Fachverband evangelischer Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe (FEWS), der zweite Initiator der Studie, sind die Konsequenzen klar. In einem „Sechs-Punkte-Plan“ fordert er unter anderem den flächendeckenden Ausbau und die kostendeckende Finanzierung der Fachstellen sowie den massiven Ausbaus des Sozialen Wohnungsbaus. Denn, so Diakonievorstand Mähner: „In Bayern hat sich die Zahl der Sozialwohnungen von 254 000 im Jahr 1999 auf 130 000 im Jahr 2014 nahezu halbiert, und das bei einem angespannten Markt.“

Arbeit der Fachstellen muss ausgebaut werden 

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosigkeit hatte erst kürzlich einen Anstieg der Wohnungslosigkeit in Deutschland auf mehr als eine halbe Millionen Menschen in den kommenden drei Jahren prognostiziert. „Auch angesichts dieser Aussichten muss die Arbeit der Fachstellen ausgebaut werden“, findet auch Martin Holleschovsky, Betreutes Wohnen und ambulante Dienste in Herzogsägmühle. Die Untersuchung habe nicht nur die Kosten der Fachstellenarbeit untersucht, sondern auch die Effektivität. „In knapp 70 Prozent aller untersuchten Fälle konnte Wohnungslosigkeit verhindert werden, der Umzug in eine Pension bzw. wirkliche Wohnungslosigkeit trat nur in fünf Prozent der untersuchten Fälle ein“, ergänzt Studienleiter König.

24 der 34 Landkreis-Kommunen sind Mitglied im Verbund gegen die Obdachlosigkeit. „Mit diesem Angebot decken wir mehr als 85 Prozent der Bevölkerung ab“, so Holleschovsky. Nur die kleineren Orte, „die in der Peripherie liegen“, seien noch nicht dabei. Beispielsweise Wildsteig und Steingaden. Das liege vor allem daran, dass eine Gemeinde wie Wildsteig wenig Mietraum habe. Doch auch das könne sich ändern. „Vor allem, wenn die Asylbewerber anerkannt werden, brauchen die ja auch Wohnraum“, so Holleschovsky.

Rubriklistenbild: © dpa

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