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Problematisches Gebiet - wassertechnisch gesehen: In der Haldenbergerstraße (r.) ist der Kanal völlig hinüber. Doch was passiert danach mit dem Grundwasser? Auch Gartenweg (l.) und Pucchiniring (ganz rechts), wo es früher Fischweiher gab, müssen möglicherweise in ein Gesamtkonzept einbezogen werden. Unten der 1996 angelegte Stadtweiher.

Wegen massiven Kanal-Schäden

Schongauer zittern vor Grundwasser

Schongau - Massive Schäden am Kanal an der Haldenbergerstraße haben Schongaus Stadtwerke festgestellt. Eigentlich sollte der Kanal möglichst schnell repariert werden, doch davon nimmt die Stadt erst einmal Abstand: Theoretisch könnten danach dutzende Keller unter Wasser stehen.

Die seltenen öffentlichen Sitzungen des Werkausschusses sind normal kurz und bünding. Da wird, wie auch am Dienstag, der unspektakuläre Zwischenbericht der Stadtwerke vorgestellt oder beschlossen, dass der Fernwärmepreis ab Oktober bei 46 Euro bleibt. Doch der dritte Punkt, die Kanalsanierung an der Haldenbergerstraße, entwickelte sich zu einem wahren Krimi.

Denn die Stadtwerke haben in den vergangenen Jahren eine stetige Zunahme von (Fremdwasser) Grundwasser im Kanalnetz festgestellt, berichtete Mitarbeiter Alexander Joseph. Die Suche war extrem kompliziert, denn die Grundwasserstände schwanken, und bei niedrigeren Ständen tritt das Problem nicht so masssiv auf. „Ein Jahr lang haben wir gesucht“, sagte Joseph.

Besonders schlimm ist es in der Haldenbergstraße

Die Feinerkundung in diesem Sommer brachte schließlich das Ergebnis: In der Haldenbergerstraße ist es besonders schlimm. Zum Teil armdick schieße das Wasser dort durch Lecks in den Kanal, beschrieb Joseph, was bei den Kamerfahrten herausgekommen sei. Alle Hausanschlüsse seien vor Jahrzehnten unsachgemäß vorgenommen worden: „Vereinfacht gesagt wurde da mit dem Hammer ein Loch in den Kanal reingeschlagen, das Rohr reingesteckt und mit Beton abgedichtet“, beschreibt Joseph.

Verschärft wurde der Druck durch das Wasserwirtschaftsamt, das Anfang August nach einer Kontrolle ebenfalls eine Überschreitung des zulässigen Trockenwetterabflusses festgestellt hatte. Eigenen Messungen zufolge lag der Fremdwasseranteil bei bis zu 64 Prozent – nur 25 Prozent sind zulässig. Deshalb schlug Joseph vor, den 644 Meter langen Kanal möglichst schnell zu sanieren, und zwar ohne alles aufzugraben in der sogenannten Inliner-Technik: Dabei wird vereinfacht gesagt ein Schlauch in den 25 bis 50 Zentimeter dicken Kanal eingezogen, der dann aushärtet. Betroffene Anwohner haben laut Joseph kaum Einschränkungen. Weil noch zahlreiche weitere Arbeiten notwendig sind, zum Beispiel die Handsanierung von 16 Schächten, veranschlagte Joseph 220 000 Euro Kosten.

Hausanschlüsse möglicherweise undicht

Auf Nachfrage von Friedrich Zeller (SPD) zu den Hausanschlüssen sagte Joseph, ob die dicht sind, wisse man erst, wenn die Arbeiten am Kanal erledigt seien. Denn es gebe dort kaum Kontrollschächte. Michael Eberle (CSU) allerdings war alarmiert: Wenn das Grundwasser nicht mehr in den Kanal fließe, könne es dann steigen und den Weg in die Keller finden? „Der Grundwasserspiegel ist knapp drunter“, antwortete Joseph, was Eberle bei den vorher aufgeführten Schwankungen nur wenig beruhigte. Auch die Aussage, nach dem vor drei Jahren stillgelegten Luftwaffenkanal in der Benefiziumstraße habe es auch keine Meldung über überflutete Keller gegeben, half nicht. Joseph: „Man kann es nicht ausschließen.“ Aber das sei Problem der Hauseigentümer. „Wir sind verpflichtet, das zu machen“, sagte Joseph und wurde von Zeller („es wird nur der ursprüngliche Zustand hergestellt“) und Gregor Schuppe (ALS) unterstützt: „Wer nahe des Faulen Grabens baut, weiß, dass es dort nass ist.“

Fauler Graben wegen Löcher im Kanal so trocken?

Das wollte Eberle nicht hinnehmen. „Wenn doch was passiert, sitzen die betroffenen Bürger nächstes Jahr hier und wir müssen erklären, was wir gemacht haben. Schließlich haben wir unter anderem mit dem Weiher auch Veränderungen geschaffen.“ Eine Drainage, wie vorgeschlagen, mache aber auch keinen Sinn, weil das zum einen sehr teuer sei und Wasser trotzdem irgendwo hinmüsse, so Joseph. Er vermute sogar, dass der Faule Graben in den vergangenen jahren so trocken sei, weil das Grundwassser statt dort in den Kanal geflossen sei.

Gegen die Stimme Eberles wurde die Sanierung zunächst beschlossen, doch nach weiteren hitzigen nichtöffentlichen Diskussionen sowie einem Treffen am nächsten Tag teilte Joseph mit, dass man das Landratsamt die Angelegenheit erst prüfen lasse. Weil die von Eberle erwähnten unterirdischen Quellen in diesem Bereich (am Gartenweg und Pucchiniring) auch eine Rolle spielen könnten, müsse man möglicherweise die ganze Maßnahme großflächiger angehen.

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