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Mäßig besucht waren die Musikabende, deutlich besser frequentiert war am Sonntag das Bulldog- und Oldtimertreffen mit Feldmesse und Fahrzeugweihe.

In Rott

Milchbauern stehen vor Scherbenhaufen

Rott - Kritische Töne waren beim Milchbauernabend in Rott zu hören. Zwiespältig war die Bilanz des Festwochenendes von BDM-Kreisvorsitzenden Hermann Dempfle.

Seit zehn Jahren gibt es den BDM-Kreisverband Landsberg. Angesichts der Krise auf dem Milchmarkt, der viele Landwirte in Existenznot bringt, hielt sich die Freude über den Geburtstag aber in Grenzen. Das zeigte sich beim Milchbauernabend zum Abschluss des dreitägigen Festwochenendes, das der BDM-Kreisvorsitzende Hermann Dempfle auf seinen Hof in Rott veranstaltete.

„Wir stehen vor einem Scherbenhaufen und einer existenziellen Krise“, rief Romuald Schaber den 250 Besuchern in der zur Festhalle umfunktionierten Maschinenhalle am Kentberg zu. Der Vorsitzende des BDM skizzierte die aktuelle Situation nach dem Ende der Milchquote. „Es heißt immer, wir sollen uns dem Markt stellen, aber soll das ein Markt sein, wenn es weltweit völlig unterschiedliche Bedingungen gibt“, übte Schaber deutliche Kritik an der Politik.

Landwirte müssen kämpfen

Er sieht aber auch einen kleinen Silberstreifen am Horizont. „Inzwischen sind weite Teile unseres Konzepts beschlossen, nur wirken sie noch nicht“, erklärte der BDM-Chef. Eine freiwillige Mengenreduktion in Verbindung mit Ausgleichszahlungen sowie eine Beobachtungsstelle auf europäischer Ebene sollen Verbesserungen bringen. Nur auf Europa zu schimpfen hält Schaber für falsch. „Wenn es in Brüssel zu langsam geht, dann liegt das auch an Berlin“, nahm er die deutsche Regierung in die Pflicht. Gleichzeitig forderte er ein Ende der Marktliberalisierung und er gab sich kämpferisch. „Wir werden nicht wie die Schweinezüchter lautlos sterben,“ so Schaber abschließend.

Davor nutzten verschiedene Politiker die Gelegenheit, bei ihren Grußworten ihre Meinung zur Milchkrise abzugeben. „Wir als Verbraucher wären durchaus bereit, höherer Preise für die Milch zu bezahlen, wenn wir wüssten, dass das Geld auch beim Erzeuger ankommt“, merkte Rotts Bürgermeister Quirin Krötz an. Michael Kiesling, der stellvertretende Kreisvorsitzende der CSU, lobte die Arbeit der Bauern: „Unsere Landwirte produzieren Spitzenprodukte.“ Die müssen aber auch verkauft werden, wie Landrat Thomas Eichinger anmerkte. „Letztlich entscheidet der Verbraucher an der Supermarktkasse, welche Art von Landwirtschaft überlebt“, meinte Eichinger.

Festredner (v. von links): Michael Kiesling, Landrat Thomas Eichinger, Leopold Herz, Hans Leis, Romuald Schaber. Hinten: Quirin Krötz, Hermann Dempfle und Sepp Lausch.

Heftige Kritik an der Bundes- und Landespolitik übten Leopold Herz (MdL, Freie Wähler) und Hans Leis (BDM Bayern). „Wir haben einen Landwirtschaftsminister, der alles kann, nur nicht Landwirtschaft“, schoss Herz in Richtung Bundesminister Schmidt. „Er ist der schwächste Landwirtschaftsminister, den wir je hatten“, legte Leis nach. „Die Soja-Importe müssen runter, dann wird auch die Milchproduktion gesenkt“, nannte Sepp Lausch (stellvertretender Landesvorsitzender der Bayernpartei) einen Lösungsansatz neben vielen kritischen Worten.

Nach knapp zwei Stunden schloss sich Dempfle dem Appell von Schaber an. „Wir Milchbauern hören nicht auf zu kämpfen.“ Der BDM-Kreisvorsitzende hatte bei seinem dreitägigen Fest auch zu kämpfen, weil zu den beiden Musikveranstaltungen kaum Besucher kamen. Keine 50 Gäste wollten am ersten Tag Jasna Schmuck und die Band „Agent Six“ sehen und hören. Nur ein paar mehr waren es am Samstag bei der Oktoberfestband „Zwiebeltreter“. Deutlich besser frequentiert war am Sonntag das Bulldog- und Oldtimertreffen mit Feldmesse und Fahrzeugweihe. Mehrere hundert Besucher wollten die rund 250 historischen Gefährte sehen, während die Rotter und Wessobrunner Musikkappelle für den musikalischen Rahmen sorgte. „Das passt“, war Dempfle mit der Resonanz zufrieden. „Aber jetzt bin ich froh, dass es vorbei ist“, urteilte der BDM-Kreisvorsitzende.

Roland Halmel

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