Gemeinderat Rottenbuch

Breitband teurer als gedacht

Rottenbuch - Ernüchterung im Rottenbucher Gemeinderat: Der Breitband-Ausbau im eigentlich lukrativen Bundesprogramm käme teurer als gedacht. Die Kommune müsste maximal rund 600 000 Euro dazu zahlen. Jetzt muss entscheiden werden, ob man in die Freistaat-Förderung zurückgeht.

Eigentlich sah alles so gut aus: Die Gemeinde Rottenbuch wechselt vom bayerischen Breitband-Förderprogramm zu den frisch aufgestellten Bundes-Töpfen. Dafür gibt es mehr Förderung und ein Komplettausbau zu allen Haushalten wäre möglich. Zwar müsste das Klosterdorf mehr Eigenanteil zahlen, der schien aber machbar.

Im März nahm Bürgermeister Markus Bader aus den Händen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den Zuwendungsbescheid fürs neue Breitband-Förderprogramm mit einer maximal 80-prozentigen Förderung entgegen. Für die Bewerbung hatte sich der Gemeinderat im Januar ausgesprochen, weil das Paket mehr Geld versprach als das Pendant des Freistaats und eine höhere Bandbreite an Datenleistung (wir berichteten). „Wir sind bayernweit mit die ersten im Bundesprogramm“, freute sich Bader damals. Die Konditionen: Ein Ausbau für maximal 880 000 Euro samt rund 200 000 Euro Eigenanteil der Kommune und keine Vollversorgung wurden abgelöst von maximal bezuschussten Kosten von 1,8 Millionen Euro und rund 360 000 bis 400 000 Euro Gemeindeanteil. Das wäre zwar doppelt so viel, was Rottenbuch zahlen müsste, dafür aber würden alle Ortsbereich mit schnellem Glasfaserkabel angeschlossen, warb Bader. Dem folgte auch der Gemeinderat voller Zuversicht.

Doch jetzt herrschte Katzenjammer im Gremium

Den offiziellen Förderbescheid hat der Rathauschef noch nicht, den erwartet er Anfang September. Allerdings stehen jetzt erstmals detaillierte Kostenschätzungen des Regensburger Ingenieursbüros „IK-T“ für einen Luxus-Ausbau im Raum. Und die sind hoch: Laut Bader liegt die sogenannte Wirtschaftlichkeitslücke des Ausbaus – die nicht von einem Anbieter, sondern von Bund und Gemeinde getragen wird – bei satten 3,1 Millionen Euro. Allein der maximale Anteil Rottenbuchs liegt bei 630 000 Euro, berichtete der Bürgermeister. Diese Kosten seien „sehr konservativ“ geschätzt, gab Bader zu bedenken – und könnten sich bei günstiger Ausschreibung durchaus nach unten verändern. Dennoch bleibt da ein dicker Brocken fürs Klosterdorf übrig. Das musste auch Bader zugeben. Bei den Räten sorgte die hohe Investition für Nachdenken. „Der Betrag ist für mich Irsinn“, sagte Christof Echtler – und wagte zu bezweifeln, ob wirklich jeder Anwohner einen Glasfaseranschluss nutzen wird. Doch es gab auch Stimmen pro umfangreichen Ausbau. Alfred Speer sprach von „Gleichberechtigung, wenn es jeder kriegt“. Auch Marianne Bonusch sah Vorteile: „Im Außenbereich haben auch viele Menschen vom Breitband Vorteile. Für den Gemeinderat stellt sich jetzt die Frage: Geht die Gemeinde gleich in die Vollen oder zurück zum abgespeckten Ausbau des bayerischen Programms?

Bürgermeister sieht Kostensteigerung nicht als Niederlage

Und hofft später auf eine neue Förderung. Bader sieht es pragmatisch: „Das einzige was wir verlieren, ist Zeit.“ Als Niederlage will er die Kostensteigerung nicht verstanden wissen. Schließlich sei Rottenbuch derart früh ins Dobrindt-Programm eingestiegen, dass viele unangenehme Fakten erst später auftauchten. Wie, dass die Nahversorgung im Klosterhof wegen technischer Gründe aus den Zuschüssen raus fällt.

In der September-Sitzung sollen die „IK-T“-Berater nochmals das Bundesprogramm samt Kosten vorstellen. Am besten liegt dann der Förderbescheid auf dem Tisch. Spätestens im Oktober will Bader eine Entscheidung im Rat fällen. Vielleicht lässt es sich Rottenbuch ja lieber wieder an den bayerischen Töpfen schmecken.

Rubriklistenbild: © dpa

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