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Ausgezeichnet in ihrem Handwerk: Von links Roland Sailer, Vater Xaver Sailer jun. und Großvater Xaver Sailer senior.

Nach Xaver sen. und Xaver jun. nun Roland Sailer

Eine ausgezeichnete Familie

Ingenried - Im wahrsten Sinne des Wortes Meister ihres Handwerks sind die Mitglieder der Familie Sailer aus Ingenried. Nach Großvater Xaver Sailer sen. und Vater Xaver jun. ist nun auch Sohn Roland für sein Können ausgezeichnet worden. Er ist schwäbischer Kammersieger im Metallbau.

Da gab es wieder einmal etwas zu feiern im Hause Sailer in Ingenried. Roland Sailer ist Kammersieger bei den Metallbauern in der Fachrichtung Konstruktionstechnik bei der HWK Schwaben. Nach dem Abschluss der Realschule Schongau 2013, absolvierte der Ingenrieder eine Lehre bei Kögel Metallbau in Marktoberdorf, die er wegen seiner guten Leistungen verkürzen konnte. „Allein die Arbeit mit dem Material, die Vielfältigkeit, die Abwechslung im Beruf und die unterschiedlichen Einsatzorte – ob draußen auf der Baustelle oder im Betrieb – machen schon Spaß.“ Er habe einen unglaublich großen Spielraum, selbst zu entscheiden und arbeite vor allem gerne mit dem Schweißgerät.

Können in die Wiege gelegt

Reingewachsen in den Beruf des Metallbauers ist er von klein auf, hatte er doch immer Zutritt zur heimischen Werkstatt. Und wenn man davon spricht, dass Roland Sailer sein Können in die Wiege gelegt wurde, trifft dies gleich in mehrfacher Hinsicht zu. Denn die Geschicke des 19-jährigen vielleicht künftigen Chefs der Sailer Stahlbau GmbH Ingenried gehen schon Generationen zurück.

1858 erwirbt Xaver Sailer, gebürtig 1829 in Welden/Denklingen, das Schmiederecht. Wie dieser Urgroßvater, der Großvater Maximilian (geb. 1861) und der Vater Franz Xaver (geb. 1903) wird auch Xaver Sailer sen., heute 82 Jahre alt, Schmied und übernimmt die Werkstatt 1963. 1952 war er Kammersieger geworden, noch im gleichen Jahr Landessieger. 1999 übernimmt dann Xaver Sailer jun., heute 54 Jahre alt. Er wird 1982 Kammersieger.

Schaut man in der Familiengeschichte zurück, sieht man gleichzeitig, wie sich das Handwerk verändert hat. Der Urgroßvater des heutigen Seniors fertigte in Zusammenarbeit mit einem Wagner oder Stellmacher Pflüge, schmiedet Pflugkarrenräder sowie Pflugkarrenachsen. Der Großvater des 82-Jährigen beschlug Pferde, war aber auch schon im Bereich Wagen- und Kutschenbau tätig. Im Winter wurden Baumschlitten gemacht. Und auch der Vater fertigte dann viele Werkzeuge für Waldarbeiter.

„Ich habe damals hauptsächlich vom Hufbeschlag gelebt“, erinnert sich der Senior. 220 Pferde seien es damals im Dorf gewesen, da kommen schon einige Hufeisen zusammen. „Dann kam der Bulldogwahn, es blieben zwölf Pferde übrig.“ Es galt, sich neue Arbeitsfelder zu erschließen wie Wagenbau, Kunstschmiedearbeiten, Landmaschinenreparatur oder Bauschlosserei. „Eines der schönsten Tore, das ich gefertigt habe, war für den alten Friedhof“, erinnert sich der Seniorchef. Das Tor für den neuen Friedhof Jahre später war dann etwas schlichter, moderner gestaltet. Auch erste Aufträge im Stahlbau wurden getätigt. Große Kunden waren etwa Hochland und Lechmotoren.

Vom Ein-Mann-Betrieb zu neun Angestellten

Xaver Sailer jun., baute dann den einstigen Ein-Mann-Betrieb zu einem Betrieb mit neun Angestellten plus Ehefrau und Schwester, die im Büro arbeiten, aus. Zunächst absolvierte er Schweißscheine, um große Baukonstruktionen machen zu dürfen, umgewandelt in eine Stahlbau- und Bauschlosserei wurde der Betrieb dann 2004. Hauptauftraggeber ist heute der V-Markt. Diverse Stahlbauten, Tankstellen, Überdachungen und Verglasungen stammen von der Ingenrieder Firma. „Ich habe immer wieder Leute gefunden, die begeistert dabei waren, ich war mit allen sehr zufrieden, weil es jeder gerne macht“, betont der 54-Jährige. Pro Jahr wird ein Lehrling ausgebildet. Am meisten freut er sich aber, dass Sohn Roland „Talent, Begeisterung und Interesse für den Beruf mitbekommen hat“.

Der 19-Jährige arbeitet derzeit bei Markthaler in Kaufbeuren, nach der Schlosserei nun also im Stahlbau. „So kann ich von beiden Seiten etwas mitbringen und habe alles einmal gesehen“, weiß auch er genau, wo es hingehen soll. Ab Januar 2018 will er dann nämlich wieder die Schulbank drücken und in Ulm den Meister machen.

Per Hand geschmiedet wird heute kaum noch, zu aufwendig und zu teuer ist es geworden, was alle bedauern. Das gönnen sich die Sailers dann gemeinsam zwischen Weihnachten und Dreikönig. Dann nämlich wird der Ofen, die Esse, angeschürt und nach alter Handwerkstradition geschmiedet – mit Hammer am Ambos. Auch wenn sie sonst nicht mehr genutzt wird, die alte Werkstatt ist noch komplett eingerichtet.

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