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Mit seinem Elektro-Einrad ist Steffen Mützner auch schon von der Polizei angehalten worden – er musste 200 Euro zahlen. Fürs Foto hat er sich nur draufgestellt.

Moderne Elektro-Gefährte

Verfahren im Gesetzes-Dschungel

Schongau - Segway, Hoverboard oder Monowheel: Sie sind die Trends in Sachen Fortbewegung. Einige dieser mit Elektromotoren angetriebenen Gefährte dürfen im öffentlichen Straßenverkehr aber gar nicht bewegt werden. Eine verzwickte Geschichte.

Erst kürzlich hat die Schongauer Polizei einen 14-Jährigen in der Altstadt angehalten, der mit einem Hoverboard unterwegs war. Dieses elektrisch betriebene Fahrzeug mit zwei Rädern funktioniert im Prinzip wie ein Segway, man bestimmt Tempo und Richtung durch geschickte Gewichtsverlagerung. Ähnlich funktionieren Monowheels, also Einräder.

Mit so einem ist der Schongauer Steffen Mützner gerne unterwegs. Und auch er ist von der Polizei angehalten worden. „Das ist einfach ärgerlich, weil es ein Fortbewegungsmittel ist, das Spaß macht und darüber hinaus auch noch ökologisch sinnvoll ist“, sagt der 35-Jährige.

Das Problem

Diese elektrisch-betriebenen Geräte gelten, weil sie mehr als sechs Stundenkilometer schnell sind, als Kraftfahrzeuge und fallen unter das Zulassungs-, Steuer-, Fahrerlaubnis- und Versicherungsrecht. „Ich habe es versucht, aber du bekommst für so ein Gerät keine Haftpflichtversicherung“, sagt Mützner. Und selbst wenn er eine bekäme, dürfte er sein Einrad nicht im öffentlichen Straßenverkehr bewegen. Auch nicht auf Geh- oder Radwegen, weil es für diese Geräte keine Typengenehmigung gibt, sie keine Zulassung erhalten – ein Dilemma also.

Vor rund einem Jahr hatte sich Mützner auf die Suche nach einer kostengünstigen Alternative zu seinem Auto gemacht. „Ich wollte ohnehin mehr öffentliche Verkehrsmittel nutzen“, sagt er. Gerade im Hinblick auf seine Ausbildung zum Erzieher, die er demnächst in München antritt. Über einen Fernsehbericht kam er auf das Einrad. „Viel Bus und Bahn fahren und für die letzten Meter das Einrad nehmen, das wär’s doch“, so sein Plan. Denn das 14 Kilogramm schwere Einrad hat einen Griff und kann somit problemlos transportiert werden.

Seitdem hat der 35-Jährige beim Fahren mit seinem Einrad für viele erstaunte Blicke und Fragen in und um Schongau gesorgt. „Ausnahmslos alle waren von dem Gerät begeistert, wollten es ausprobieren und konnten nicht verstehen, dass ich damit eigentlich gar nicht fahren darf“, sagt Mützner.

Das hatten ihm auch Polizeibeamte und Staatsanwaltschaft gesagt, die gegen den Schongauer wegen Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz ermittelt haben. Die Staatsanwaltschaft hat schließlich vorgeschlagen, das Verfahren gegen eine freiwillige Spende an eine gemeinnützige Einrichtung in Höhe von 200 Euro einzustellen, was der Schongauer angenommen hat.

Bei Tempo 20 bremst das Gefährt ab

Unverständnis bleibt trotzdem: „Ich mache der Polizei keinen Vorwurf, die handeln nach ihren Richtlinien. Aber die Politik sollte auf die Nachfrage nach diesen alternativen modernen Fortbewegungsmitteln reagieren und dafür sorgen, dass sie auch benutzt werden dürfen“, fordert der 35-Jährige. „Klar sieht das Fahren mit so einem Gerät rasant und gefährlich aus, ist es aber nicht“, sagt Mützner und plädiert dafür, mindestens auf Geh- und Radwegen fahren zu dürfen – gerne auch mit den Auflagen Führerscheinbesitz, Versicherung und Schutzkleidung.

Auf vielbefahrenen Straßen habe man nichts zu suchen, das ist ihm klar. Doch risikofreudige Personen würden sich mit seinem Einrad sowieso nie anfreunden können. „Der gerätinterne Fahrassistent kontrolliert ständig die Geschwindigkeit und gibt beim Annähern an die Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h Warntöne von sich.“ Ist das Limit erreicht, bremst das Gerät automatisch ab und stellt sich in einem Winkel auf, der den Fahrer dazu zwingt, langsamer zu werden. „Wer ein solches Fahrzeug bewegt, muss sich mit einer Geschwindigkeit anfreunden, die weit geringer als die ist, die nahezu alle gängigen Fahrzeuge leicht überschreiten, egal ob motorisiert oder muskelbetrieben.“ Eine sichere, vorausschauende Fahrweise sei mit Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer geboten.

Mützner hat nach eigenen Worten beim Bayerischen Verkehrsministerium nachgefragt, wie es in Sachen Zulassung und/oder Genehmigung für sein Monowheel und andere solcher Geräte aussieht: „Die haben gesagt, dass eine andere Behörde gerade eine Einstufung aller elektrischen Kleinfahrzeuge überprüft – das aber schon seit über einem Jahr.“

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