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Ein großes Highlight beim Aktionstag war die Modenschau auf dem roten Teppich.

Aktionstag von  Rolliwelten e.V.

„Bordsteinkanten abzusenken reicht nicht“

Schongau - Das Highlight war die Modeschau. Am Samstag fanden sich bei herrlichstem Frühlingswetter hunderte Besucher ein, um am Bürgermeister-Schaeggerplatz mit dem Verein Rolliwelten e.V. unter dem Motto „Einfach für alle - Gemeinsam für Schongau“ zu feiern.

Bereits zum vierten Mal veranstaltete Christine Kuisel mit ihrem Team des Vereins Rolliwelten e.V. und vielen Partnern einen großen Aktionstag zur Inklusion. „Der 5. Mai ist traditionell der europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“, so Christine Kuisel, die das Datum des Aktionstags immer um den 5. Mai herum wählt.

„Bordsteinkanten abzusenken reicht nicht“, so Kuisel. Die Barrieren müssten auch in den Köpfen abgebaut werden. Barrierefreiheit werde immer in Zusammenhang mit Behinderung gebracht. Barrierefreiheit ist aber auch für Mütter mit Kinderwagen, den Sportler mit Beinverletzung oder den älteren Mitbürger mit Rollator wichtig. Die Barrierefreiheit, die wir fordern, nützt allen Menschen, so Christine Kuisel.

Bürgermeister Sluyterman zu Neubauten: Barrierefreiheit eine Maxime

Das bekräftigte auch Bürgermeister Falk Sluyterman in seinem Grußwort. „Nur vier Prozent der Behinderten werden damit geboren. Der Rest ist durch Unfall oder schwere Krankheiten gehandicapt. Es kann jeden von uns treffen!“, so Sluyterman, der betonte, dass es aus diesem Grund wichtig sei, Barrieren abzubauen.

Reges Getümmel: Der Bürgermeister-Schaegger-Platz, auf dem der Aktionstag stattfand, war auch dank herrlichem Wetter bestens besucht. 

Bei der Stadt Schongau seien inzwischen alle öffentlichen Einrichtung im Hinblick auf Barrierefreiheit dokumentiert, bei Neubauten sei die Barrierefreiheit eine Maxime. Auch der Behinderten-Beauftragte des Landkreises, Ingo Rinesch, erklärte, dass der Landkreis im Hinblick auf barrierefreie Gebäude große Schritte gemacht habe.

Der SPD-Sozialpreisträgerin Christine Kuisel sprach er Anerkennung für ihren Einsatz aus. Er freue sich immer, zu den Aktionstagen zu kommen. Landrätin Andrea Jochner Weiß rief dazu auf, zu den eigenen Stärken und Schwächen zu stehen und die eigenen Stärken mit Selbstbewusstsein zu leben. Behinderte, deren Einschränkungen heute oft mit Schwäche in Verbindung gebracht würden, würden oft in Beruf, Privatleben und Freizeit gerade wegen ihrer Behinderung viel leisten. „Sie wollen leben wie wir auch. Dafür ist Barrierefreiheit wichtig. Auf diesem Weg werden wir Sie begleiten“, so Andrea Jochner-Weiß.

Christine Kuisel fand trotz Feierlaune aber auch kritische Worte. Das Bundesteilhabegesetz benachteilige behinderte Menschen nach wie vor. Wer beim Sozialamt Assistenzhilfe beantrage, habe dadurch automatisch den Status eines Hartz IV-Empfängers. Man darf nicht mehr als 700 Euro des Verdiensts behalten, der Rest geht an das Sozialamt. Sparen darf man nicht mehr als 2600 Euro. „Damit kann man nicht auskommen, wenn zum Beispiel das Auto kaputt ist, oder man mit den Kindern Urlaub machen will“, so Kuisel, die sich dafür einsetzt, dass mehr gespart werden darf.

Präsentiert wurden auch fesche Trachten. 

Zudem sollen sich laut neuem Gesetz Behinderte zu sogenannten Hotspots zusammenschließen, damit die Betreuung einfacher wird. Darin sieht Kuisel einen gravierenden Eingriff in die persönliche Selbstbestimmung. Man solle behinderte Menschen nicht nur als Kostenfaktor sehen. „Wir sind auch ein Wirtschaftsfaktor, wir Konsumieren, zahlen Steuern, ohne uns würde der ganze Reha-Markt nicht existieren“, so Kuisel.

Den Besuchern wünschte sie gute Begegnungen und Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Beim gemeinsamen Essen, das von der Weißwurst bis zu türkischen Spezialitäten reichte, oder an den zahlreichen Info-Ständen, bei der Tombola oder einer Rollstuhl-Fahrt durch die Innenstadt. Neben der Modeschau, an der sich zahlreiche Geschäfte der Innenstadt beteiligten, war noch Tanz mit dem Studio Dance & More aus Altenstadt und Musik mit dem Kindergarten Luftballon, den Gruppen mhoch 3 und „Dust on the Road“ geboten.

Ursula Fröhlich

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