Trotz Bewerber-Lücke auf Rekordniveau

Azubi-Not im Raum Schongau erträglich

Schongau - Azubis sind im Landkreis Weilheim-Schongau generell Mangelware. Im Schongauer Raum sieht es allerdings nicht so schlecht aus. Dort hört man vergleichsweise wenig Klagen vonseiten der Ausbildungsbetriebe, wenn es darum geht, neue Bewerber zu rekrutieren.

Generell sieht es im Landkreis alles andere als rosig aus. Laut IHK sind kurz vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres noch 269 Lehrstellen unbesetzt, womit sich eine Rekord-Bewerberlücke abzeichne. So habe die Zahl der unbesetzten Stellen gegenüber dem Vorjahr noch einmal um über 60 zugelegt. Da die Landkreis-Unternehmen ursprünglich 1 218 Lehrlinge einstellen wollten, bleibt somit noch fast jeder vierte Ausbildungsplatz unbesetzt.

Weiter heißt es, dass es vor allem in der Immobilienwirtschaft, in Handel und Tourismus weit mehr Angebote gebe, als dass Stellen gesucht würden. Klaus Bauer, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau, bringt es auf den Punkt: „Angesichts der guten Konjunktur setzen die Betriebe stark auf eigenen Fachkräfte-Nachwuchs, finden aber zu oft keine passenden Bewerber.“

Schwierig, den Passenden zu finden

Konrad Vogl, Chef von Pfaffenwinkel-Immobilien in der Schongauer Münzstraße, kann diese These durchaus stützen. „Aktuell haben wir keine Bewerber, die eine entsprechende Qualifikation mitbringen würden“, erklärt er und nennt dabei die Mittlere Reife als Grundvoraussetzung. Aber das sei nicht neu. „Wir haben immer wieder Jahre, wo wir niemanden finden und dann auf einen Schlag wieder mehrere Bewerber“, sagt er und ergänzt noch: „Prinzipiell ist es sicherlich schwieriger geworden, jemand Passenden zu finden.“

Als Begründung nennt er auch, „dass die jungen Leute in größeren Städten wie München oder Augsburg viel mehr verdienen können“. Und dann bekämen sie dort teilweise auch Firmenfahrzeuge gestellt und hätten in einigen Fällen sogar die Chance auf ein Home-Office. Vogl: „Ich weiß, dass sich die großen Immobilien-Betriebe in größeren Städten gegenseitig die Interessenten abwerben. Was das angeht, ist es hier auf dem Land eher ruhig.“

Auch Stefanie Meusel macht gemeinsam mit ihrem Vater Thomas in Immobilien. Doch habe es in ihrem Schongauer Betrieb bezüglich Ausbildungsstellen noch keine Probleme gegeben. „Wir bilden aber auch nicht jedes Jahr aus“, sagt sie und verweist darauf, „dass wir zur Zeit eine Beschäftigte in Ausbildung haben“. Erst, wenn diese fertig sei, bemühe man sich wieder um eine neue Auszubildende. Im Weilheimer Raum sei es vermutlich schwieriger, „aber wir hatten bisher wenig Probleme“.

Michael Fischer aus Hohenpeißenberg ist dritter Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands auf Kreisebene. „Wir hatten auch schon länger keinen Lehrling mehr“, ist ihm die schlechte Situation im Hotel- und Gaststättengewerbe bewusst. Und er fügt noch hinzu: „Den Kollegen geht es ähnlich.“

Mehr Bewerber als Stellen?

Im eigenen Betrieb auf dem Hohenpeißenberg „haben wir schon seit Jahren niemanden mehr ausgebildet“. Derzeit seien dort auch einige EU-Ausländer und ein Flüchtling beschäftigt. „Im Service haben wir nur Deutsche, die wir zumeist über Stellenanzeigen bekommen haben.“ Dort sei es aber generell leichter, jemanden zu bekommen als zum Beispiel für die Küche.

Tobias Herz von der Bäckerei mit Herz hat diesbezüglich auch keine großen Sorgen. „Im Konditorbereich finden wir eigentlich immer jemanden, haben mehr Bewerber als Stellen“, sagt er, um noch hinzuzufügen, „dass das im Bäckereibereich schon schwieriger ist“. Bis dato habe man jedoch die Stellen in den vergangenen fünf Jahren stets besetzen können.

Derzeit wird gerade ein Asylbewerber als Praktikant getestet, „der sich gar nicht so schlecht anstellt“. Möglicherweise soll er beim Unternehmen Herz im kommenden Jahr eine Ausbildungsstelle bekommen.

Übrigens: 

Mit Beginn des Ausbildungsjahrs treten im Landkreis 431 Jugendliche eine Lehre bei IHK-zugehörigen Unternehmen an. Das Plus von acht Ausbildungsverträgen bedeute hierbei einen Zuwachs von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Top 5 der IHK-Ausbildungsberufe sind demnach Einzelhandelskaufleute, Verkäufer, Chemie-Laboranten, Industriemechaniker sowie Biologie-Laboranten.

Klaus Bauer führt den Bewerberrückgang vornehmlich auf stagnierende Schulabgängerzahlen zurück. „Wir erkennen da einen deutlichen Trend hin zur Akademisierung“, begründet er die Entwicklung mit einer Mittelschüler-Zahl., die seit 2005 um 28 Prozent zurückgegangen sei. Gleichzeitig sei die Zahl der Abiturienten um 56 Prozent gestiegen. Vor diesem Hintergrund fordert Bauer deshalb auch eine bessere Berufsorientierung an den Schulen.

Rubriklistenbild: © dpa

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