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So konnte man Roy Black auf dem Monitor des Videomitschnitts verfolgen.

Erinnerung zum 25. Todestag

Als Roy Black Schongau rockte

Schongau - Am Sonntag jährt sich der Todestag des Sängers und Schauspielers Roy Black zum 25. Mal. Manch einer erinnert sich vielleicht noch, dass dieser Künstler genau vier Jahre zuvor in Schongau einen großen Auftritt hatte: Auf dem Volksfestplatz an der Lechuferstraße, wo er im Rahmen einer Modenschau vor allem das weibliche Publikum regelrecht verzauberte.

Herbst 1987. Das bekannte Modehaus Höpfl will die Mode für die kommende Saison 87/88 vorstellen. Nicht einfach im Geschäft zwischen all den Kleiderständern, eine große Bühne soll die trendigen Sachen dem Publikum näher bringen. Mit professionellen Models, einer ausgefeilten Lichtshow und aktueller Musik. Eine Agentur baut auf dem Volksfestplatz ein großes Zelt auf, natürlich in Erwartung auf großen Zustrom vor allem modebegeisterter Damen. Weitere Geschäfte wie Optik Gsinn, Jeans Corner, Juwelier Schmid, Sport Bertl, Pelzhaus Zettl und Frisur Gabi Settele werden mit ins Boot geholt, denn die Veranstaltung wird mit mehr als zwei Stunden Vorführzeit riesengroß angekündigt. Ein Hit für Schongau, so was hat es bis dato noch nicht gegeben.

Genau 90 Minuten lang zeigen die Models alles, was für die Saison 87/88 alles im Trend liegt. Untermalt mit Sprüchen wie „Höpfl macht die Mode, Höpfl zieht sie an“, oder „Brille ist mehr als ein Gestell“, werden dem Zuschauer die Slogans vom Moderator wahrlich eingehämmert. Eingebettet im Mittelabschnitt dann der Stargast. Erwartet mit Sehnsucht. Roy Black. Hautnah am Publikum auf dem großen Laufsteg. Kein PR-Gag oder Doppelgänger, nein, es ist der wahre und einzige Roy Black. Seine Ausstrahlung und Wirkung auf die Damenwelt faszinierend: Alle mitgekommenen Ehemänner oder Freunde werden zur Nebensache. Roy verzaubert mit seinem Lächeln.

Nach der Begrüßung „Hallo Ihr Allgäuer“ gab es Protestrufe aus dem Publikum

Doch nach der Verzauberung folgt Ernüchterung. Roy Black begrüßt sein Publikum mit „Hallo Ihr Allgäuer.“ Das ist wie eine Watschn, Protestrufe sind zu vernehmen. Roy will sich verbessern und fragt in die Menge, ob sie Schwaben sind, wie er selbst einer ist. Roy wird belehrt mit einem gemeinsamen „wir sind Oberbayern“-Zuruf. Doch der Sänger bleibt bei seinem verzaubernden Lächeln und gewinnt. Spätestens, als er „das Mädchen Carina“ ins Mikrofon haucht, klopfen die Herzen wieder für ihn. Roy Black ist ehrlich. Er erklärt, wie er im Halbplayback arbeitet. Die Musik kommt vom Band seines Tonmeisters, seine Stimme ist Original.

Song zwei. Roy kann’s auch in englischer Sprache. „Save the last dance for me“, die Damenwelt bewegt sich im Takt auf den Plätzen. Sitztanzen ist angesagt. Gleich danach gibt’s was auf die Augen, besser gesagt in die Augen. Es sind die Tränen, die er als Sand in den Augen bezeichnet und schmachtvoll seine Rolle spielt. Das Lied, das ihn so berühmt gemacht hat. „Ganz in weiß“. Noch gefühlvoller als auf der Platte, dazu seine einladenden Bewegungen und dieser Blick. Eine Besucherin wagt es: Sie reicht ihrem Roy eine rote Rose. Er bedankt sich spontan mit einem Kuss auf die Wange. So richtig verschmust, dass er dabei seinen Text vergisst. Der Beweis für das Halbplayback. Roy nimmt’s gelassen, die Musik dudelt alleine weiter.

Dass er nicht nur ein Schnulzenheini ist, wie ihn viele Kritiker bezeichnen, beweist Roy Black danach. Roy reißt seine Krawatte auf, stellt den Hemdkragen hoch, fährt sich mit den Fingern wild durch seine Frisur. Rock’n Roll ist angesagt. Ein Zusammenschnitt aus „Roll over Beethoven“ vom legendären Chuck Berry und „Jail House Rock“ von Elvis.

Für eine rote Rose gab‘s von Roy Black ein spontanes Bussi auf die Wange

Das Zelt tobt. Keiner sitzt mehr auf den Plätzen. Wie Karin Donderer, die damals mit ihrer Schwägerin Hedi dabei war. „Wir sind total ausgeflippt, als er die Rock’n Roll-Stücke gebracht hat“, erinnert sie sich. „Das hatten wir weder erwartet noch vorher einmal erlebt.“ Ihr tut es immer noch leid, dass er in diese Schnulzenschublade gesperrt wurde. Denn diese Stimme hat wirklich was, kommt super rüber.

„Ich weiß es zu schätzen, wenn Schongauer klatschen“, sein schon fast verlegenes Dankeschön auf den tobenden Applaus. Zugabenrufe fordern mehr. Die Schongauerinnen haben Blut geleckt. Roy Blacks Rock’n Roller-Blut. Doch der wird wieder ruhiger. Gerade eben bei Thomas Gottschalk vorgestellt, jetzt in Schongau auf der Bühne. „Wahnsinn“, der Titel, danach noch ein „Adjeu Cherie“. Über 30 Minuten hat Roy Black damals die Schongauer in seinen Bann gezogen. Viele hätten ihn gerne nochmals gesehen, denn er hat ein Konzert mit seiner Band in Schongau angekündigt. Dazu ist es nicht mehr gekommen.

Hans-Helmut Herold

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