Jubiläum bei der SPD

Porzellanhochzeit bei der Schongauer SPD

Schongau - Wir sind Bürgermeister – und das seit nunmehr 20 Jahren. Die SPD Schongau feierte mit knapp 30 Mitgliedern, drei Bürgermeistern und einem Landtagsabgeordneten diese denkwürdige Zahl, die in der Ehe als „Porzellanhochzeit“ bezeichnet werden würde.

Trotz aller Feierlaune begann die Veranstaltung mit einer Schweigeminute: Denn just an diesem Tag wurde der Tod von Georg Kronawitter bekannt, der nicht nur Oberbürgermeister von München, sondern auch sechs Jahre lang (1966-1972) als Landtagsabgeordneter Ansprechpartner für den Schongauer Ortsverein war. Fraktionsvorsitzender Stefan Konrad verlas hierzu dessen Grußwort, das er anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Ortsgruppe geschrieben hatte. Kronawitter lobte schon damals die politische Arbeit der Sozialdemokraten, die in einer Stadt, „wo Franz-Josef Strauß gewissermaßen als Halbgott verehrt wird“, keinen leichten Stand hatten. In dieses Horn stieß auch Kronawitters Nachfolger Andreas Lotte, der den Schongauern zu ihren Wahlerfolgen im „tiefsten Oberbayern und tiefschwarzen Schongau“ gratulierte, bevor er seinen ausführlichen Bericht über den sozialen Wohnungsbau in Bayern hielt.

Danach waren die Bürgermeister in chronologischer Reihenfolge an der Reihe, beginnend mit Friedrich Zeller, der das Amt von 1996-2008 inne hatte. Und wie es bei jeder Ehe eben so ist, gab es während seiner Amtszeit nicht nur glückliche Zeiten. Konnte er bei seinen Erfolgen (Sanierung der Kläranlage, des Jakob-Pfeiffer-Hauses und dem Bau des Schwimmbads) noch aus vollen Töpfen schöpfen, bereitete ihm der Verkauf der Papierfabrik 2001 und die damit entfallende Gewerbesteuer die folgenden Jahre Probleme. Unter anderem musste die Musikschule, die Bücherei und der Historische Sommer aus städtischer Hand gegeben werden, um den Haushalt zu konsolidieren. „Für mich war das eine schöne und lehrreiche, aber auch teilweise harte und schwierige Zeit, in der ich sehr viel über mich selbst gelernt habe.“

Auch Karl-Heinz-Gerbl (2008-2014) hatte mit finanziellen Problemen zu kämpfen, fiel in seine Amtszeit doch die so genannte Finanzkrise, während der die Stadt nur noch ein Fünftel ihrer Einnahmen zur Verfügung hatte. „Da steht man dann da mit einem Rucksack voll Wahlversprechen und kann nur ganz wenig realisieren“, beschrieb er sein Dilemma. Dennoch sei er stolz auf den Kreisverkehr, an dem er jetzt zusammen mit Zeller sein Büro hat („Quasi das Pförtnerhäuschen zu Schongau.“), die Sanierung der Lechsporthalle und den Abbau der Schulden.

Seit zwei Jahren ist Falk Sluyterman nun Bürgermeister – und ein guter Rechner: „Zehn Prozent der 20 Jahre gehen ja nur auf mein Konto, deshalb stehen mir auch nur zehn Prozent Redezeit zu“, verteilte er einen kleinen Seitenhieb auf seine Vorredner, die die verabredeten fünf Minuten allesamt deutlich überschritten hatten. Und er ist ein guter Redner: Nachdem er sich artig für das „gut bestellte Feld“ bei seinen Vorrednern bedankt hatte, machte er seinen Partei- und Stadtratskollegen deutlich, worauf es ihm ankommt: „Ich sehe mich in erster Linie als Bürgermeister von Schongau – mit meinen eigenen Werten“, wehrte er sich gegen den Sonderstatus, der so manchem „Roten“ in Oberbayern zukommt. Es sehe sich als Repräsentant, als Chef der Verwaltung und Vorsitzender im Stadtrat. „Da ist eine parteipolitische Brille hinderlich, denn es geht hier um Sachthemen. Und ich möchte zum Wohl der Stadt entscheiden.“ Mit dieser Einstellung könnte aus der etwas zerbrechlich klingenden Porzellan- eine solide Silberne Hochzeit werden.

Christine Wölfle

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